Übersetzt heißt das: Fremdenfeindlichkeit. (Ich war richtig erleichtert, dass ich unter „X“ einen passenden Begriff gefunden habe.)
Wenn man neonazistischen oder anderen Vollidioten attestiert, sie seien fremdenfeindlich, ist das sprachlich nicht ganz korrekt. Wörtlich genommen müsste ein Fremdenfeindlicher alle Menschen hassen außer der kleinen Handvoll, die er kennt. Das ist aber nicht der Fall; er hasst nur bestimmte ihm Fremde, die hinsichtlich ausgewählter Merkmale anders sind. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil nur dieses Andere als Bedrohung empfunden wird und geeignet erscheint, zur Selbsterhöhung im Wert herabgesetzt zu werden. Die Minderwertigkeitsgefühle des „Andersartigenhassers“ schreien nach Kompensation. Da eignet sich das Bild von minderwertigen und bösen Feinden/Fremden, die im Extremfall vernichtet werden müssen.
Seit Kriegsende hat in Deutschland eine sehr positive Entwicklung stattgefunden: Wir Deutschen sind angesichts unserer nationalsozialistischen Vergangenheit besonders bemüht und verpflichtet, die Menschenrechte zu achten und den Respekt vor allen Menschen zu bekunden. Vielleicht auch deswegen ist eine gewisse Verkrampfung beim Gebrauch bestimmter Begriffe zu beobachten z.B. „Ausländer“. Da ist dann von „ausländischen Mitbürgern“ die Rede. Sprechen wir von weiblichen Mitbürgern oder Mitbürgern im minderjährigen Alter? So wie es kein sprachliches Problem mit „Frauen“ und „Kindern/Jugendlichen“ gibt, können wir auch von „Ausländern“ sprechen, ohne in den Verdacht der Diffamierung/Ausgrenzung zu geraten. Noch schlimmer sieht es aus bei „Mitbürgern oder Deutschen mit türkischen Wurzeln“. Entweder haben diese Menschen einen deutschen Pass, dann sind es Deutsche, oder sie haben keinen, dann sind es Türken, Inder, Franzosen…usw. Nebenbei: Haben Sie schon mal von Mitbürgern mit dänischen Wurzeln gehört? Ich entdecke hinter diesen verkorksten Formulierungen einen versteckten Rassismus, denn solche sprachlichen Verrenkungen werden nur auf Menschen angewendet, die „eigentlich nicht richtig deutsch aussehen“. Aber man kann nicht deutsch oder afrikanisch aussehen. Die Staatsangehörigkeit ist ohne wenn und aber durch den Pass definiert. Und dann ist es auch völlig überflüssig, von einem „Deutschen afrikanischer Herkunft“ zu faseln. Bei Blonden und Blauäugigen interessiert es kein Schwein, ob die Eltern womöglich in Schweden geboren sind. Und dann gibt es noch die Menschen mit zwei Pässen. Auch in diesem Fall ist es ganz einfach: Es sind Deutsche und z.B. Türken gleichzeitig, und zwar nicht beides halb, sondern beides richtig und ganz!
Ich bin davon überzeugt, dass viel mehr Menschen ein gebrochenes Verhältnis zu bedingungslosem Respekt und zur Gleichwertigkeit aller Menschen haben als es bei oberflächlicher Betrachtung erscheint. Die ausschließliche Auseinandersetzung mit dem offensichtlichen und brutalen Rassismus und der sichtbaren Feindlichkeit gegenüber sog. „Andersartigen“ verdeckt die harmlos erscheinenden Varianten dieser extremen Erscheinungsbilder, wie sie in o.g. Formulierungen zum Ausdruck kommen. Ein Jude hat mir mal gesagt, er sei kein „deutscher Mitbürger jüdischen Glaubens“ sondern Jude (und gleichzeitig Deutscher). Haben Sie schon mal von einem deutschen Mitbürger katholischen Glaubens gehört?
Merkwürdig finde ich auch, dass von „Deutschen mit Migrationshintergrund“ nur bei Angehörigen „ausgewählter“ Herkunft gesprochen wird; oder haben Sie schon mal von einem eingebürgerten Niederländer gehört, er habe einen Migrationshintergrund?
Ein kluger Mensch, dessen Name mir entfallen ist, hat einmal gesagt: „Ein Philosemit ist ein Antisemit, der Juden mag.“ Wer ständig betont, Juden zu mögen (oder nichts gegen sie zu haben), ist meistens ein verkappter Antisemit. Vergleichbares gilt für die betonte Sympathie/gar Liebe gegenüber bestimmten Gruppen. Wenn jemand sagt, er würde z.B. Chinesen mögen, ist das Quatsch. Man kann grundsätzlich nur jeweils konkrete einzelne Menschen mögen oder nicht mögen. Dagegen kann ich durchaus bestimmte Merkmale der chinesischen Kultur schätzen oder ablehnen. Man kann auch nicht jemanden sympathisch oder unsympathisch finden, weil er Protestant oder Araber ist, sondern nur weil er Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigt, die einem ge- oder missfallen.
Zum Schluss: Ich finde es klasse, dass die Zahl der Multi-Kulti-Kindertagesstätten ständig steigt. Vielleicht wächst dadurch eine Generation heran, die ein selbstverständliches/unverkrampftes Verhältnis zur Vielfalt und Gleichwertigkeit menschlichen Seins hat.
Wenn man neonazistischen oder anderen Vollidioten attestiert, sie seien fremdenfeindlich, ist das sprachlich nicht ganz korrekt. Wörtlich genommen müsste ein Fremdenfeindlicher alle Menschen hassen außer der kleinen Handvoll, die er kennt. Das ist aber nicht der Fall; er hasst nur bestimmte ihm Fremde, die hinsichtlich ausgewählter Merkmale anders sind. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil nur dieses Andere als Bedrohung empfunden wird und geeignet erscheint, zur Selbsterhöhung im Wert herabgesetzt zu werden. Die Minderwertigkeitsgefühle des „Andersartigenhassers“ schreien nach Kompensation. Da eignet sich das Bild von minderwertigen und bösen Feinden/Fremden, die im Extremfall vernichtet werden müssen.
Seit Kriegsende hat in Deutschland eine sehr positive Entwicklung stattgefunden: Wir Deutschen sind angesichts unserer nationalsozialistischen Vergangenheit besonders bemüht und verpflichtet, die Menschenrechte zu achten und den Respekt vor allen Menschen zu bekunden. Vielleicht auch deswegen ist eine gewisse Verkrampfung beim Gebrauch bestimmter Begriffe zu beobachten z.B. „Ausländer“. Da ist dann von „ausländischen Mitbürgern“ die Rede. Sprechen wir von weiblichen Mitbürgern oder Mitbürgern im minderjährigen Alter? So wie es kein sprachliches Problem mit „Frauen“ und „Kindern/Jugendlichen“ gibt, können wir auch von „Ausländern“ sprechen, ohne in den Verdacht der Diffamierung/Ausgrenzung zu geraten. Noch schlimmer sieht es aus bei „Mitbürgern oder Deutschen mit türkischen Wurzeln“. Entweder haben diese Menschen einen deutschen Pass, dann sind es Deutsche, oder sie haben keinen, dann sind es Türken, Inder, Franzosen…usw. Nebenbei: Haben Sie schon mal von Mitbürgern mit dänischen Wurzeln gehört? Ich entdecke hinter diesen verkorksten Formulierungen einen versteckten Rassismus, denn solche sprachlichen Verrenkungen werden nur auf Menschen angewendet, die „eigentlich nicht richtig deutsch aussehen“. Aber man kann nicht deutsch oder afrikanisch aussehen. Die Staatsangehörigkeit ist ohne wenn und aber durch den Pass definiert. Und dann ist es auch völlig überflüssig, von einem „Deutschen afrikanischer Herkunft“ zu faseln. Bei Blonden und Blauäugigen interessiert es kein Schwein, ob die Eltern womöglich in Schweden geboren sind. Und dann gibt es noch die Menschen mit zwei Pässen. Auch in diesem Fall ist es ganz einfach: Es sind Deutsche und z.B. Türken gleichzeitig, und zwar nicht beides halb, sondern beides richtig und ganz!
Ich bin davon überzeugt, dass viel mehr Menschen ein gebrochenes Verhältnis zu bedingungslosem Respekt und zur Gleichwertigkeit aller Menschen haben als es bei oberflächlicher Betrachtung erscheint. Die ausschließliche Auseinandersetzung mit dem offensichtlichen und brutalen Rassismus und der sichtbaren Feindlichkeit gegenüber sog. „Andersartigen“ verdeckt die harmlos erscheinenden Varianten dieser extremen Erscheinungsbilder, wie sie in o.g. Formulierungen zum Ausdruck kommen. Ein Jude hat mir mal gesagt, er sei kein „deutscher Mitbürger jüdischen Glaubens“ sondern Jude (und gleichzeitig Deutscher). Haben Sie schon mal von einem deutschen Mitbürger katholischen Glaubens gehört?
Merkwürdig finde ich auch, dass von „Deutschen mit Migrationshintergrund“ nur bei Angehörigen „ausgewählter“ Herkunft gesprochen wird; oder haben Sie schon mal von einem eingebürgerten Niederländer gehört, er habe einen Migrationshintergrund?
Ein kluger Mensch, dessen Name mir entfallen ist, hat einmal gesagt: „Ein Philosemit ist ein Antisemit, der Juden mag.“ Wer ständig betont, Juden zu mögen (oder nichts gegen sie zu haben), ist meistens ein verkappter Antisemit. Vergleichbares gilt für die betonte Sympathie/gar Liebe gegenüber bestimmten Gruppen. Wenn jemand sagt, er würde z.B. Chinesen mögen, ist das Quatsch. Man kann grundsätzlich nur jeweils konkrete einzelne Menschen mögen oder nicht mögen. Dagegen kann ich durchaus bestimmte Merkmale der chinesischen Kultur schätzen oder ablehnen. Man kann auch nicht jemanden sympathisch oder unsympathisch finden, weil er Protestant oder Araber ist, sondern nur weil er Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigt, die einem ge- oder missfallen.
Zum Schluss: Ich finde es klasse, dass die Zahl der Multi-Kulti-Kindertagesstätten ständig steigt. Vielleicht wächst dadurch eine Generation heran, die ein selbstverständliches/unverkrampftes Verhältnis zur Vielfalt und Gleichwertigkeit menschlichen Seins hat.
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