9.3.12

ANGST

Angsthasen sind ziemlich phantasievoll. Ständig stellen sie sich Ereignisse vor, deren Eintreten für sie von Übel ist. Besonders beliebt sind Natur- und Wirtschaftskatastrophen sowie tödliche Unfälle und Krankheiten. Manchmal sind die Vorstellungen so unerträglich, dass sich die Angsthasen das Eintreffen des Unheils geradezu herbeisehnen, damit sie ihre Angst als gerechtfertigt ansehen können und die Quälerei ein Ende hat. Es hat schon etwas Tragikomisches, dass die befürchteten Ereignisse (fast) nie eintreffen. Angsthasigkeit scheint also vor den Übeln des Lebens zu schützen. Zyniker würden folgenden Schluss ziehen: Wer seinen Kindern ein langes ungefährdetes Leben wünscht, sollte ihnen ordentlich Angst einjagen vor den Gefahren dieser Welt.

Nun gibt es natürlich auch diese Typen, die vor nichts Angst haben und sich deshalb auch niemals Sorgen machen. Man sollte diesen Mangel an Phantasie und Empfindungsfähigkeit aber nicht mit Mut oder Optimismus verwechseln. 

Die Angstvollen und die Angstlosen sind natürlich nur eine interessante exotische Minderheit. Die breite Masse besteht aus den angstmäßig normalen Menschen. Diese empfinden Angst nur angesichts realer existenzieller Bedrohungen. Und wenn sie Angst haben vor psychischen Schmerzen (z.B. Trennung, Liebesverlust, Versagen), dann beruht das auf einer realistischen Wahrscheinlichkeit, wird sozial, emotional und zeitlich angemessen verarbeitet und beeinträchtigt die Lebensqualität nicht nachhaltig.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen