Aus der Politik sind immer wieder Klagen zu hören, dass Kindern und Jugendlichen zu wenig oder falsche Werte vermittelt würden. Anlass ist meistens, wenn Jugendliche sich mal wieder mit schrecklichen Folgen gewalttätig ausgetobt haben. Gemeint ist mit dieser Klage allerdings, dass den „Tätern“ – und prophylaktisch allen Anderen – mit gebührender Härte eingetrichtert werden muss, was richtig und falsch ist. Besonders „christlich“ orientierten Politikern fällt in der Regel nichts Besseres ein. Übersehen wird dabei gerne, dass den „wert(e)-losen“ Kids weder moralisches (sozial akzeptables) Verhalten vorgelebt, noch dass mit ihnen entsprechend umgegangen wurde. Die eigentlichen „Täter“ sind also alle Erwachsenen, deren Verhalten im Widerspruch steht zu dem, was sie von den Kids erwarten. Mit dieser „billigen Schuldzuweisung“ (das übliche Geschrei der Erwachsenen, die sich nicht gern an die eigene Nase fassen) wird das z.T. kriminelle Verhalten der unmündigen Opfer nicht gebilligt, aber ich möchte damit dem Focus der Betrachtung eine andere Richtung geben. Es ist eben schwerer und unbequemer, sich selbst „wert“voll zu verhalten, als den Werteverfall bei den Kids zu beklagen. Als Mittel gegen diesen Verfall hat in den achtziger Jahren einmal ein hochrangiger „christlicher“ Politiker die Forderung formuliert, Eltern müssten wieder„mehr Erziehung wagen“. Viele Menschen behaupten, Erziehung* sei nötig, um Werte zu vermitteln.
(* Ich verweise auf das Kapitel „Erziehung“)
(* Ich verweise auf das Kapitel „Erziehung“)
Es ist aber widersprüchlich, Werte wie zum Beispiel Gewaltfreiheit oder Toleranz anerziehen zu wollen. Falls sich ein Kind nicht im Sinne dieser Werte verhält, müssten die „Erzieher“ nämlich nach dieser Logik intolerant sein und notfalls mit (erzieherischer) Gewalt reagieren, um die Werte durchzusetzen. In gleichberechtigten Familien erleben Kinder aber solche Werte, indem sie von anderen gelebt werden und nicht weil sie durch Erziehung vermittelt werden. Durch Erziehung erreicht man nicht, dass Menschen demokratische Werte annehmen und wichtig finden. Wenn ein Erzogener trotzdem demokratisch handelt, so wird dies an Erfahrungen liegen, die er außerhalb der Erziehung gemacht hat. (Aus vielen Menschen wird Gott sei Dank trotz Erziehung was Brauchbares)
Einige Menschen glauben, der Mensch sei von Natur aus böse und müsse allein schon deshalb durch Erziehung „auf die rechte Bahn gebracht“ werden. Wer Kinder so behandelt, als seien sie Monster, muss natürlich damit rechnen, dass sie sich wehren. Diese Gegenwehr wird von den Monster-Theoretikern dann als (bösartige) Aggressivität angesehen und dient ihnen als Rechtfertigung für noch mehr Erziehung und als Bestätigung ihrer Theorie. Das nennt man dann „Teufelskreis“ und „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“.
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