10.3.12

TRENNUNG


Von ihrer frühesten Kindheit an bis zum Ende des Lebens trennen sich Menschen: von Mitmenschen, Tieren, Gegenständen, Lebensumständen, Orten, Gewohnheiten, geistigen Inhalten (z.B. Pläne, Überzeugungen). Einerseits ist Trennung ein schmerzhafter Verlust, besonders wenn man das „passive Opfer“ ist z.B. beim Verlassen werden oder Gekündigt werden. Andererseits kann eine Trennung aber auch die Befreiung von einem Leiden z.B. von einer unglücklichen Ehe sein oder auch einen Gewinn darstellen z.B. bei einem günstigen Arbeitsplatzwechsel. Immer aber bedeutet Trennung eine Chance für neue Entwicklungen.

Entscheidend ist grundsätzlich, wie man eine Trennung verarbeitet und was diese für einen bedeutet. Menschen können Trennungen leichter und schneller verarbeiten, wenn sie nicht schon mit Verlassenheitstraumata aus ihrer Kindheit/Jugend belastet sind. Zuversichtliche Menschen mit gutem Urvertrauen und innerer Sicherheit werden an Trennungen nicht zerbrechen, sondern aus ihnen Hoffnung schöpfen. Traumatisierte Menschen mit Trennungsängsten werden z.B. beim Verlassen werden eher die Füße unter dem Boden verlieren, oder sie halten an leidvollen Beziehungen zulange fest. Manche Menschen klammern sich auch an Illusionen oder können überflüssige Gegenstände nicht entsorgen. Wer nicht ab und zu gründlich aufräumt/ausmistet, versinkt im Chaos; das gilt für Inneres und Äußeres. Es ist sehr sinnvoll, in größeren Abständen Inventur zu machen und sich zu fragen, ob man wie bisher weiter leben möchte, oder ob man in wichtigen Lebensbereichen grundlegende Veränderungen, also Trennungen herbeiführen will. Glücklich sind diejenigen dran, die Veränderungsbedarf bewusst registrieren und auch den Mut zur Realisierung haben.

Das Wort „Trennung“ wird bei den meisten Menschen von negativen Assoziationen begleitet. Wenn man sich aber verdeutlicht, dass jede Veränderung Trennung voraussetzt, könnte das eine positive Denkrichtung einleiten.

Kraft und Mut zur Trennung sind die eine Seite der Medaille. Genauso wichtig für die Lebensqualität ist das Konstante, Gewohnte, Dauerhafte, Verlässliche in unserem Leben. Sie bilden das Fundament, sozusagen den sicheren (Start-)Platz, von dem aus wir uns in neue Sphären wagen können. Beharrliches Festhaltenkönnen ist eine wichtige Fähigkeit, solange es nicht zur Versteinerung führt und notwendige neue Wege blockiert. Auch neue Wege können sich als Sackgasse erweisen. Für Autofahrer ist es selbstverständlich, in einer Sackgasse umzukehren. Menschen in den Sackgassen des Lebens stehen in ihr manchmal wie der berühmte „Ochs´ vorm Berg“ oder laufen fruchtlos im Kreis und jammern, dass es nicht vorangeht (Ich habe das in meiner psychotherapeutischen Praxis als „Goldhamstersyndrom“ bezeichnet: im Laufrad ständig in Bewegung ohne weiterzukommen). Auch die Umkehr in einer Sackgasse ist eine Art Trennungsentscheidung.

Bildhaftes Fazit: Bleibe stehen, solange das was du siehst, schön und interessant ist; gehe weiter, wenn du Neues erleben willst; ändere die Richtung, wenn dir ein ganz anderes Ziel vorschwebt.



      

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