Zu kaum einem Thema gibt es mehr Ratgeber als zu diesem. Die Flut der mehr oder weniger brauchbaren Ratschläge zum erfolgreichen Umgang mit den lieben Kleinen lässt sich jedoch letztendlich auf folgenden Nenner bringen: Wie kriegen Eltern ihre Kinder dazu, so zu sein/zu werden, wie sie sich das vorstellen? Fakt ist: Von fast allen Eltern und anderen Erwachsenen, die privat oder professionell mit Kindern und Jugendlichen Umgang pflegen, wird der Nachwuchs so behandelt, wie er sein sollte und nicht wie er ist. Sie kennen alle das beliebte Spiel „Tauziehen“. Das funktioniert nur, wenn alle mitmachen und sich an die Regel halten: kräftig ziehen. Wenn die Erwachsenen gewinnen, gilt das Kind als gut erzogen, wenn das Kind die Erwachsenen außer Gefecht gesetzt hat, gilt es als ungezogen. Zum weiteren Verständnis möchte ich erst einmal deutlich machen, welche Merkmale jede Form von Erziehung (von demokratisch bis autoritär) aufweist:
1. Erziehung kann rechtlich nur stattfinden zwischen sogenannten Erziehungsberechtigten und Minderjährigen (wenn eine Frau ihren Mann erzieht, ist das nur lächerlich, überflüssig und moralisch fragwürdig, basiert aber nicht auf einer Rechtsgrundlage).
2. Bei jeder Form von Erziehung werden logischerweise immer Erziehungsziele verfolgt, die in dem Erwerb oder der Veränderung von Fähigkeiten/Eigenschaften bestehen.
3. Um diese Ziele zu erreichen, stehen eine Fülle von erzieherischen Maßnahmen zur Verfügung (von Lob bis Prügel), deren Anwendung von der Persönlichkeit der Erziehungsberechtigten abhängt und von denen diese sich Erfolg versprechen.
4. Die moralische Berechtigung bzw. die Notwendigkeit dieses erzieherischen Verhaltens wird grundsätzlich begründet mit der Annahme, das Kind wisse nicht, was für es selbst gut sei, es sei als Mensch noch unvollständig und müsse sich deshalb der Überlegenheit und dem Besserwissen des Erwachsenen beugen, damit aus dem Kind ein vernünftiger Mensch wird.
Die in Punkt 4 genannten Annahmen sind allerdings wissenschaftlich nicht haltbar, werden aber von Erziehungsberechtigten weiterhin verbissen behauptet, um mit gutem Gewissen ihr erzieherisches Treiben fortsetzen zu können. Genauso verbissen wehren sich übrigens Erwachsene gegen andere Erwachsene, wenn diese ihnen gegenüber erzieherisch tätig werden. Dann heißt es: „ Behandle mich nicht wie ein Kind!“ Erziehung ist also nicht zu kennzeichnen durch ein bestimmtes Verhalten, sondern durch das Motiv. Erziehung stellt also eine Beziehungsform dar, bei der die grundsätzliche Gleichwertigkeit von Menschen missachtet wird. Ein erzieherisch denkender Mensch maßt sich also an, einen anderen Menschen nach seinen Vorstellungen zu modellieren. Da dieses die Würde des Mitmenschen missachtet, ist es nicht übertrieben zu sagen, dass Erziehung gegen § 1 unseres Grund-gesetzes verstößt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Der empörte Aufschrei aller gutwilligen Eltern klingt jetzt in meinen Ohren.
Worum geht es? Erwachsene lernen durch Erfahrungen, lehren sich auch gegenseitig etwas, helfen und unterstützen sich bei Bedarf, schützen sich auch gegenseitig wenn nötig, sorgen füreinander, respektieren das Selbstbestimmungsrecht ihrer Mitmenschen und setzen sich Grenzen (privat und rechtlich), wenn jemand gegen allgemein akzeptierte Regeln verstößt. Für diese Formen des Miteinanders benutzt niemand das Wort „Erziehung“. Ich sage: Diese Formen des Miteinanders sind auch gegenüber Kindern/Jugendlichen notwendig und ausreichend, damit sie starke, gesunde und verantwortungsbewusste Mitglieder unserer Gesellschaft werden können. Sie brauchen also keine Erziehung!
Mit diesen Gedanken ist die Erziehungsthematik natürlich nicht ausgeschöpft, findet aber Ergänzungen in weiteren Kapiteln dieses Buches.
Selbstverständlich wird nun kein erzieherisch denkender Mensch seine fest verankerten Überzeugungen und Werthaltungen aufgeben. Außerdem ist mir jeder missionarische Eifer fremd, geradezu zuwider, und deshalb möchte ich die hartgesottenen Erziehungsideologen nicht im Regen stehen lassen. Ich liefere im Folgenden für den erfolgreichen Umgang mit den erzieherischen Lieblingsinterventionen – loben und strafen – praktische Anwendungsratschläge um zu vermeiden, dass Sie mit Ihren Kindern allzu erfolglos herumexperimentieren. (Achtung! Satire)
1. Erziehung kann rechtlich nur stattfinden zwischen sogenannten Erziehungsberechtigten und Minderjährigen (wenn eine Frau ihren Mann erzieht, ist das nur lächerlich, überflüssig und moralisch fragwürdig, basiert aber nicht auf einer Rechtsgrundlage).
2. Bei jeder Form von Erziehung werden logischerweise immer Erziehungsziele verfolgt, die in dem Erwerb oder der Veränderung von Fähigkeiten/Eigenschaften bestehen.
3. Um diese Ziele zu erreichen, stehen eine Fülle von erzieherischen Maßnahmen zur Verfügung (von Lob bis Prügel), deren Anwendung von der Persönlichkeit der Erziehungsberechtigten abhängt und von denen diese sich Erfolg versprechen.
4. Die moralische Berechtigung bzw. die Notwendigkeit dieses erzieherischen Verhaltens wird grundsätzlich begründet mit der Annahme, das Kind wisse nicht, was für es selbst gut sei, es sei als Mensch noch unvollständig und müsse sich deshalb der Überlegenheit und dem Besserwissen des Erwachsenen beugen, damit aus dem Kind ein vernünftiger Mensch wird.
Die in Punkt 4 genannten Annahmen sind allerdings wissenschaftlich nicht haltbar, werden aber von Erziehungsberechtigten weiterhin verbissen behauptet, um mit gutem Gewissen ihr erzieherisches Treiben fortsetzen zu können. Genauso verbissen wehren sich übrigens Erwachsene gegen andere Erwachsene, wenn diese ihnen gegenüber erzieherisch tätig werden. Dann heißt es: „ Behandle mich nicht wie ein Kind!“ Erziehung ist also nicht zu kennzeichnen durch ein bestimmtes Verhalten, sondern durch das Motiv. Erziehung stellt also eine Beziehungsform dar, bei der die grundsätzliche Gleichwertigkeit von Menschen missachtet wird. Ein erzieherisch denkender Mensch maßt sich also an, einen anderen Menschen nach seinen Vorstellungen zu modellieren. Da dieses die Würde des Mitmenschen missachtet, ist es nicht übertrieben zu sagen, dass Erziehung gegen § 1 unseres Grund-gesetzes verstößt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Der empörte Aufschrei aller gutwilligen Eltern klingt jetzt in meinen Ohren.
Worum geht es? Erwachsene lernen durch Erfahrungen, lehren sich auch gegenseitig etwas, helfen und unterstützen sich bei Bedarf, schützen sich auch gegenseitig wenn nötig, sorgen füreinander, respektieren das Selbstbestimmungsrecht ihrer Mitmenschen und setzen sich Grenzen (privat und rechtlich), wenn jemand gegen allgemein akzeptierte Regeln verstößt. Für diese Formen des Miteinanders benutzt niemand das Wort „Erziehung“. Ich sage: Diese Formen des Miteinanders sind auch gegenüber Kindern/Jugendlichen notwendig und ausreichend, damit sie starke, gesunde und verantwortungsbewusste Mitglieder unserer Gesellschaft werden können. Sie brauchen also keine Erziehung!
Mit diesen Gedanken ist die Erziehungsthematik natürlich nicht ausgeschöpft, findet aber Ergänzungen in weiteren Kapiteln dieses Buches.
Selbstverständlich wird nun kein erzieherisch denkender Mensch seine fest verankerten Überzeugungen und Werthaltungen aufgeben. Außerdem ist mir jeder missionarische Eifer fremd, geradezu zuwider, und deshalb möchte ich die hartgesottenen Erziehungsideologen nicht im Regen stehen lassen. Ich liefere im Folgenden für den erfolgreichen Umgang mit den erzieherischen Lieblingsinterventionen – loben und strafen – praktische Anwendungsratschläge um zu vermeiden, dass Sie mit Ihren Kindern allzu erfolglos herumexperimentieren. (Achtung! Satire)
1) RICHTIG LOBEN
Pädagogische Profis (ErzieherInnen) und pädagogische Laien (Eltern) verbindet Gott sei Dank schon seit langer Zeit ein gemeinsames Wissen: Für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls - notorische Bedenkenträger verwechseln dies gern mit Arroganz - braucht jedes Kind Lob, Lob und noch mal Lob. Dass jedes Kind eines Tages zu sich sagen kann „ich bin der/die Beste“ gilt allgemein als erstrebenswertes Ziel. Das Leben stellt leider schon genug Versuchungen bereit, an dieser Selbsteinschätzung zu zweifeln. Dass gelobt werden muss, wissen also alle; ich erlaube mir als Ratgeber einige Hinweise zu dem Wie.
Angesichts des engelhaften Wesens aller Kinder fällt es aufmerksamen Erwachsenen nicht schwer, die Verhaltensweisen wahrzunehmen, die des Lobes bedürfen. Hier eine kleine Auswahl:
Das Ruhebedürfnis von Erwachsenen respektieren, ordentlich und sauber sein, immer die rechte Hand geben und einen Diener/Knicks machen, den elterlichen Willen heiligen, früh schlafen gehen und spät aufwachen, alles aufessen, was Gott oder die Eltern gegeben haben, am laufenden Meter Kunst aller Art produzieren, in der Schule nur Einsen schreiben, täglich stundenlang im Haushalt helfen.
Zuerst möchte ich Ihnen an einem kleinen Beispiel eine Lobesart empfehlen, bei der Sie nie etwas falsch machen können. Ein 5-jähriges Kind hält Ihnen stolz das tausendste Gekritzel des laufenden Monats vor die Nase. Dies ist eine typische Situation, in der Sie in pädagogische Euphorie (Lobeshymnen) ausbrechen müssen. Das könnte folgendermaßen klingen: „Das hast du aber ganz toll gemacht - großartig, phantastisch, super, affengeil - ein schöneres Bild habe ich noch nie gesehen - ich bin riesenstolz auf dich!“ Dabei ist zu beachten, dass dieser Begeisterungsausbruch völlig unabhängig von der Qualität des Bildes o.ä. zu sein hat. Es kommt nicht darauf an, was das Kind gemacht hat, sondern dass es etwas gemacht hat. Die Ausbrüche müssen Extremwerte auf der nach oben offenen Fröbel-Skala erreichen. Die strahlenden Kinderaugen sind der schönste Lohn für diesen pädagogischen Kraftakt. Wenn das Kind dann die Ausbildung an einer Kunst-akademie anstrebt, ist dies nicht als Übertreibung zu werten.
Eher körperbetonten und verbal weniger geübten Eltern sei für ein lobenswertes Verhalten das so genannte exzessive Streicheln empfohlen. Dabei wird der Kopf des Kindes an den eigenen Körper gedrückt (nicht zu verwechseln mit dem sog. Schwitzkasten), und das Haupthaar des Kindes wird mit der Hand zärtlich verwüstet. Nach ca. dreißig Minuten sollte dieser Vorgang sehr vorsichtig beendet werden, damit das Kind nicht den Eindruck eines abrupten Zurückgestoßenwerdens bekommt. Diese pädagogisch wertvolle körperliche Höchstleistung kann auch als Fitnessprogramm genutzt werden. Eine Träne der Rührung über das tolle Kind würde diesen Lobesakt noch steigern.
Eine weitere Form des Lobes hat in der Fachsprache den schönen Namen „Aktivitätsverstärker“. Die meisten Kinder schätzen es sehr, wenn ihnen als Anerkennung für ein erfreuliches Verhalten alles Mögliche erlaubt wird. Hier einige Anregungen:
24 Stunden ununterbrochen Fernsehen gucken, bis 5 Uhr morgens die Disco besuchen dürfen, Fußball spielen auf der Terrasse des Nachbarn, 10 Kinder zum Spaghetti Essen einladen und hinterher nicht saubermachen müssen, im Supermarkt bestimmen was eingekauft wird. Eine Parallele zu dem, was später im Strafvollzug „Freigang“ heißt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Unbedingt zu vermeiden ist, dass das Kind aus den begrenzt gewährten Vergünstigungen einen dauerhaften Rechtsanspruch ableitet und damit der Aktivitätsverstärker seinen Belohnungswert verliert.
In den höheren sozialen Schichten ist es sehr beliebt, Veranstaltungen zu organisieren, zu denen alle Verwandten und Nachbarn eingeladen werden. Diesen Vorgang nennt man: Das Kind vorführen. Jedes Kind ist begeistert, wenn es seine musikalischen oder artistischen Fähigkeiten einem breiteren Publikum zugänglich machen kann. Der rauschende Beifall wird von jedem Kind so sehr genossen, dass die monatelangen Trainingsstunden schnell vergessen sind. Jedes sozial privilegierte Kind würde an seiner Leistungsfähigkeit bald zweifeln, wenn immer nur die Eltern sich freuen würden. Für die sozial weniger bevorzugten Kinder kann es ausreichen, im Rahmen der Kita oder der Schule zur Vorführreife gebracht zu werden. Wenn Eltern dann nach der Aufführung ihrem Kind 1000x versichern, dass es viel besser war als alle anderen, wird diese Kindesvorführung als Lobesakt perfekt abgerundet. Nur bösartigen und pädagogisch unwissenden Menschen drängt sich hier eine Parallele zur Vorführung von Zirkusaffen auf.
Es ergeben sich im Alltag viele Situationen, in denen die Zeit und die Kraft für aufwendige Lobesaktivitäten fehlen. Das schnelle Lob am Rande wird auch als Bezahlung bezeichnet. Hiermit ist sowohl die belohnende Finanzspritze gemeint als auch andere geldwerte Zuwendungen (Süßigkeiten, Klamotten, Spielsachen). Von außerordentlicher Bedeutung ist hier eine fein abgestimmte Tarifstruktur. Das Kind muss hierbei lernen können, welche Handlung/Leistung jeweils wie viel wert ist; nur auf diese Weise entsteht auch eine realitätsgerechte Wertestruktur. Man stelle sich z.B. die schrecklichen Folgen vor, wenn ein Kind für eine „Eins“ 10 € und für das Waschen des Familienautos 50 € bekommt. Auf diese Weise würde im Bewusstsein des Kindes niedrige körperliche Tätigkeit einen Wert erhalten, den sie in unserer Gesellschaft nicht hat und hoffentlich nie haben wird. Außerdem müssen sich die Geld- oder Sachleistungen am Familienetat orientieren, sodass bei fortgesetzter positiver Entwicklung des Kindes immer noch eine Steigerung nach oben möglich ist. Nur pädagogischen Ignoranten fällt bei dem Lob durch Bezahlung das Wort „Materialismus“ ein.
Ich hoffe, mit meinen Gedanken zur Psychologie des Lobes einen hilfreichen Beitrag geleistet zu haben. Alle Eltern und ErzieherInnen, die die beschriebenen Grundsätze beachten und kunstvoll anwenden, werden den höchstmöglichen Lohn für ihre Anstrengungen genießen können:
ein gut funktionierendes und glückliches Kind !
Pädagogische Profis (ErzieherInnen) und pädagogische Laien (Eltern) verbindet Gott sei Dank schon seit langer Zeit ein gemeinsames Wissen: Für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls - notorische Bedenkenträger verwechseln dies gern mit Arroganz - braucht jedes Kind Lob, Lob und noch mal Lob. Dass jedes Kind eines Tages zu sich sagen kann „ich bin der/die Beste“ gilt allgemein als erstrebenswertes Ziel. Das Leben stellt leider schon genug Versuchungen bereit, an dieser Selbsteinschätzung zu zweifeln. Dass gelobt werden muss, wissen also alle; ich erlaube mir als Ratgeber einige Hinweise zu dem Wie.
Angesichts des engelhaften Wesens aller Kinder fällt es aufmerksamen Erwachsenen nicht schwer, die Verhaltensweisen wahrzunehmen, die des Lobes bedürfen. Hier eine kleine Auswahl:
Das Ruhebedürfnis von Erwachsenen respektieren, ordentlich und sauber sein, immer die rechte Hand geben und einen Diener/Knicks machen, den elterlichen Willen heiligen, früh schlafen gehen und spät aufwachen, alles aufessen, was Gott oder die Eltern gegeben haben, am laufenden Meter Kunst aller Art produzieren, in der Schule nur Einsen schreiben, täglich stundenlang im Haushalt helfen.
Zuerst möchte ich Ihnen an einem kleinen Beispiel eine Lobesart empfehlen, bei der Sie nie etwas falsch machen können. Ein 5-jähriges Kind hält Ihnen stolz das tausendste Gekritzel des laufenden Monats vor die Nase. Dies ist eine typische Situation, in der Sie in pädagogische Euphorie (Lobeshymnen) ausbrechen müssen. Das könnte folgendermaßen klingen: „Das hast du aber ganz toll gemacht - großartig, phantastisch, super, affengeil - ein schöneres Bild habe ich noch nie gesehen - ich bin riesenstolz auf dich!“ Dabei ist zu beachten, dass dieser Begeisterungsausbruch völlig unabhängig von der Qualität des Bildes o.ä. zu sein hat. Es kommt nicht darauf an, was das Kind gemacht hat, sondern dass es etwas gemacht hat. Die Ausbrüche müssen Extremwerte auf der nach oben offenen Fröbel-Skala erreichen. Die strahlenden Kinderaugen sind der schönste Lohn für diesen pädagogischen Kraftakt. Wenn das Kind dann die Ausbildung an einer Kunst-akademie anstrebt, ist dies nicht als Übertreibung zu werten.
Eher körperbetonten und verbal weniger geübten Eltern sei für ein lobenswertes Verhalten das so genannte exzessive Streicheln empfohlen. Dabei wird der Kopf des Kindes an den eigenen Körper gedrückt (nicht zu verwechseln mit dem sog. Schwitzkasten), und das Haupthaar des Kindes wird mit der Hand zärtlich verwüstet. Nach ca. dreißig Minuten sollte dieser Vorgang sehr vorsichtig beendet werden, damit das Kind nicht den Eindruck eines abrupten Zurückgestoßenwerdens bekommt. Diese pädagogisch wertvolle körperliche Höchstleistung kann auch als Fitnessprogramm genutzt werden. Eine Träne der Rührung über das tolle Kind würde diesen Lobesakt noch steigern.
Eine weitere Form des Lobes hat in der Fachsprache den schönen Namen „Aktivitätsverstärker“. Die meisten Kinder schätzen es sehr, wenn ihnen als Anerkennung für ein erfreuliches Verhalten alles Mögliche erlaubt wird. Hier einige Anregungen:
24 Stunden ununterbrochen Fernsehen gucken, bis 5 Uhr morgens die Disco besuchen dürfen, Fußball spielen auf der Terrasse des Nachbarn, 10 Kinder zum Spaghetti Essen einladen und hinterher nicht saubermachen müssen, im Supermarkt bestimmen was eingekauft wird. Eine Parallele zu dem, was später im Strafvollzug „Freigang“ heißt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Unbedingt zu vermeiden ist, dass das Kind aus den begrenzt gewährten Vergünstigungen einen dauerhaften Rechtsanspruch ableitet und damit der Aktivitätsverstärker seinen Belohnungswert verliert.
In den höheren sozialen Schichten ist es sehr beliebt, Veranstaltungen zu organisieren, zu denen alle Verwandten und Nachbarn eingeladen werden. Diesen Vorgang nennt man: Das Kind vorführen. Jedes Kind ist begeistert, wenn es seine musikalischen oder artistischen Fähigkeiten einem breiteren Publikum zugänglich machen kann. Der rauschende Beifall wird von jedem Kind so sehr genossen, dass die monatelangen Trainingsstunden schnell vergessen sind. Jedes sozial privilegierte Kind würde an seiner Leistungsfähigkeit bald zweifeln, wenn immer nur die Eltern sich freuen würden. Für die sozial weniger bevorzugten Kinder kann es ausreichen, im Rahmen der Kita oder der Schule zur Vorführreife gebracht zu werden. Wenn Eltern dann nach der Aufführung ihrem Kind 1000x versichern, dass es viel besser war als alle anderen, wird diese Kindesvorführung als Lobesakt perfekt abgerundet. Nur bösartigen und pädagogisch unwissenden Menschen drängt sich hier eine Parallele zur Vorführung von Zirkusaffen auf.
Es ergeben sich im Alltag viele Situationen, in denen die Zeit und die Kraft für aufwendige Lobesaktivitäten fehlen. Das schnelle Lob am Rande wird auch als Bezahlung bezeichnet. Hiermit ist sowohl die belohnende Finanzspritze gemeint als auch andere geldwerte Zuwendungen (Süßigkeiten, Klamotten, Spielsachen). Von außerordentlicher Bedeutung ist hier eine fein abgestimmte Tarifstruktur. Das Kind muss hierbei lernen können, welche Handlung/Leistung jeweils wie viel wert ist; nur auf diese Weise entsteht auch eine realitätsgerechte Wertestruktur. Man stelle sich z.B. die schrecklichen Folgen vor, wenn ein Kind für eine „Eins“ 10 € und für das Waschen des Familienautos 50 € bekommt. Auf diese Weise würde im Bewusstsein des Kindes niedrige körperliche Tätigkeit einen Wert erhalten, den sie in unserer Gesellschaft nicht hat und hoffentlich nie haben wird. Außerdem müssen sich die Geld- oder Sachleistungen am Familienetat orientieren, sodass bei fortgesetzter positiver Entwicklung des Kindes immer noch eine Steigerung nach oben möglich ist. Nur pädagogischen Ignoranten fällt bei dem Lob durch Bezahlung das Wort „Materialismus“ ein.
Ich hoffe, mit meinen Gedanken zur Psychologie des Lobes einen hilfreichen Beitrag geleistet zu haben. Alle Eltern und ErzieherInnen, die die beschriebenen Grundsätze beachten und kunstvoll anwenden, werden den höchstmöglichen Lohn für ihre Anstrengungen genießen können:
ein gut funktionierendes und glückliches Kind !
2) RICHTIG STRAFEN
Der Wert einer phantasievollen und korrekt dosierten Bestrafung kann für eine erfolgreiche Erziehung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es geht dabei letztendlich um die Erreichung eines einzigen Zieles, dem alles andere unterzuordnen ist: Das scheußliche genetische Programm, mit dem jedes Kind auf die Welt kommt, muss an seiner Entfaltung gehindert werden, damit sich die gewünschte Pflegeleichtigkeit einstellen kann. Dem Wildwuchs lästiger Charaktereigenschaften muss rechtzeitig Einhalt geboten werden, damit die hier nur beispielhaft aufgeführten pädotypischen Verhaltensweisen nicht zum nervenaufreibenden Dauerproblem werden können:
Radau machen, maßlose Ansprüche stellen, nie schlafen, sausen und brausen ohne Pausen, produzieren von Chaos in Sekundenschnelle, orgiastisches Vertilgen von ausschließlich gesundheits-schädlichen Nahrungsmitteln, pflegen von Sitzmöbeln mit Penatencreme und ähnlichen Substanzen, exzessives Konsumieren von Schund aller Art, Eltern zu Sklaven abrichten, der Faulheit und der Spielsucht frönen.
Hier nun einige besonders empfehlenswerte Strafen, um aus Teufeln Engel zu machen:
Bei Regelverletzungen aller Art erweisen sich ellenlange Moralpredigten als besonders wirkungsvoll. Zunächst muss es allerdings gelingen - notfalls unter Zuhilfenahme eines Lassos - das zu bestrafende Objekt auf eine angemessene Entfernung zu bringen, sodass die Schallwellen auch das Ohr erreichen können. Sodann ist eines der beiden Ohren idealerweise mit Zweikompo-nentenkleber zu verschließen, sodass für die gepredigten Inhalte eine Mindestverweildauer im Gehirn gewährleistet ist. Für die erfolgreiche Moralpredigt ist folgendes Standardmuster zu empfehlen: „Ich habe dir doch schon 1000x gesagt bla bla bla bin zutiefst von dir enttäuscht bla bla bla was soll bloß aus dir werden bla bla bla siehst du das jetzt endlich ein!“ Die durch Mimik und Tonfall übermittelte Botschaft muss auf jeden Fall lauten: ich bin traurig und verzweifelt. Die größte Belohnung besteht dann in den großen aufmerksamen Kinderaugen, dem bestätigenden und verstehenden Kopfnicken, dem anschließenden Kniefall mit der Bitte um Vergebung und dem ernsthaften Versprechen sich zu bessern.
In besonders schwierigen Fällen empfiehlt sich die konsequente Ignorierung. Diese Maßnahme sollte unter Umständen 4-12 Wochen durchgehalten werden können, da besonders ältere Kinder oft erst nach 2 Wochen diese Maßnahme als das begreifen was sie ist; denn zunächst unterliegen die meisten Kinder dem fatalen Missverständnis, dass die Eltern sich endlich entschlossen hätten, sie in Ruhe zu lassen. Aber seien Sie optimistisch, liebe Eltern, denn spätestens bei der nächsten Geldforderung fängt diese Maßnahme an Wirkung zu zeigen. Zunächst werden die Kinder versuchen, mit allen Variationen penetranter Aufdringlichkeit Ihre Aufmerksamkeit zu erringen. Wenn Sie stark bleiben, werden besonders sensible Kinder in einen Zustand der Apathie und Resignation verfallen; widerstandsfähige Kinder packen ihre Siebensachen und ziehen zu ihrer Freundin oder ihrem Freund. In beiden Fällen jedoch haben Sie erst mal Ihre Ruhe. Der Erfolg dieser Bestrafung liegt darin, dass Sie nicht mehr mit berechtigten oder unberechtigten Wünschen behelligt werden.
Körperbetonten Eltern sei die altbewährte Tracht Prügel empfohlen. Für die Auswahl geeigneter Gegenstände sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Bei der pädagogisch wertvollen Haue sollte allerdings bedacht werden, dass kosmetische Operationen sehr teuer sind. Die Nachbarschaft aufschreckende Schreie des Kindes sollten tunlichst vermieden werden, denn leider haben immer noch die meisten Jugendämter nicht die richtige Einstellung zu einer guten Erziehung. Für den Erfolg der körperlichen Züchtigung sind folgende verbalen Begleithinweise unverzichtbar: „Du zwingst mich leider dazu; mir tut das selber noch mehr weh als dir; glaube mir, dass das nur aus Liebe und zu deinem Besten geschieht.“ Die Tränen des Kindes sind ausschließlich Ausdruck seiner Rührung, Dankbarkeit und Reue.
In Juristenkreisen und bei Staatsbediensteten ist die Verhängung von Stubenarrest besonders beliebt. In der fortschrittlichen pädagogischen Literatur wird inzwischen erfreulicherweise von „Isolationshaft" gesprochen. Besonders bei jüngeren Kindern, die sich noch so schrecklich gern bewegen, wird diese Maßnahme anfänglich auf erbitterten Widerstand stoßen; aber gerade die Brechung dieses Widerstandes garantiert den Erfolg. Spätestens nach drei Wochen ist jede Gegenwehr erlahmt, und das Kind fängt an, die Ruhe und Besinnlichkeit der eigenen vier Wände zu genießen. Es empfindet Dankbarkeit, sich endlich ungestört mit seinen Untaten auseinandersetzen zu dürfen, und es erlebt die befreiende Wirkung einer ausschließlichen Konzentration auf Besserung. Obwohl es begrifflich naheliegt, wird angesichts der deutschen Geschichte in der pädagogischen Fachliteratur von der Verwendung des Begriffs „Konzentrationslager“ abgeraten.
Kinder, die schon ein bisschen auf dem Wege der Besserung sind, bekommen den nötigen Drive für eine weitere positive Entwicklung durch Liebesentzug und der Drohung mit Heimeinweisung. Alle Eltern sind gegenüber ihren Kindern so unbegrenzt liebesfähig, dass sogar Jesus Neidgefühle entwickeln würde. Da also Liebe im Überfluss vorhanden ist, kann davon auch reichlich entzogen werden. Die Heimeinweisung wäre dann sozusagen das Sahnehäubchen auf dem Pudding. Diese Strafmaßnahme ist deshalb so erfolgreich, weil das straffällig gewordene Kind seine gesamte Lebensenergie zur Zurückeroberung der elterlichen Liebe aufwenden muss und deshalb für die kriminelle Energie logischer-weise keine Kapazitäten mehr übrig bleiben.
Kindern, die schon so pflegeleicht geworden sind, dass bereits erkennbar Engelsflügel zu wachsen beginnen, kann der Rest gegeben werden durch Taschengeldentzug und Fernsehverbot. Da Kohle und Glotze zu den wichtigsten Bedürfnissen eines jeden Kindes zählen, wird der Entzug ähnlich schmerzhaft empfunden wie die erzwungene Abstinenz bei Alkoholikern. Psychologen haben herausgefunden, dass dieser erzwungene Verzicht die Einsichtsfähigkeit um ein Vielfaches stärker fördert als besserwisserische Belehrung.
Da alle Eltern gute Eltern sein wollen, hoffe ich, mit diesem kleinen Ratgeber einen hilfreichen Beitrag geleistet zu haben. Er beruht auf empirischen Tatsachen, intelligenter Einsicht und moralischer Reife.
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