8.3.12

ORDNUNG

„Wie sieht das hier denn schon wieder aus!“ Ergänzt wird dieser Entsetzensschrei oft durch so etwas wie „Bombe eingeschlagen“ oder „Chaos“; auf jeden Fall endet es mit dem Befehl aufzuräumen – natürlich sofort und gründlich. Was geht die Eltern eigentlich der Zustand des Kinder-/Jugendzimmers an, sofern das Chaos nicht aus dem Zimmer herausquillt? Gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Schäden an der Bausubstanz sind nicht zu befürchten. Also? Ordnungsvorstellungen sind so unterschiedlich wie es Menschen gibt. Wollen Sie Ihre Vorstellung auf die Kinder übertragen? Funktioniert nicht! Die „Eigentumswohnung“ Ihres Kindes wird nur zum Dauerkriegsschauplatz, bis der Chaot ausgezogen ist. Richtig ist: Zur Ordnung gezwungene Kinder werden später oft chaotisch, unordentliche Kinder schaffen später ganz von allein die Ordnung, mit der sie zurechtkommen. Unsere (in Ruhe gelassene) Tochter war nach jahrelangem Chaos von dem ewigen Suchen und der eingeschränkten Bewegungsfreiheit so genervt, dass sie sich ein Wochenende lang in ihrem Zimmer eingeschlossen hat und uns dann ein perfekt aufgeräumtes Zimmer präsentierte, was dann auch so blieb. Es bewahrheitet sich hier und in allen anderen Lebensbereichen: nur wer leidet ändert etwas. Und Ihr Kind hat ein Recht zu leiden. Und sollte Ihr Kind im Chaos glücklich sein, dann ist Glück bestimmt wichtiger als Ordnung. Ordnung ist nicht „das halbe Leben“, sondern nur Mittel zum Zweck; z.B. um den Überblick zu behalten oder um sich wohl zu fühlen.


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