Außer Querdenkern gibt es Menschen, die entlang (längs) vorgegebenen Linien – also linientreu – denken. Ich nenne sie Längsdenker. Querdenker kommen Längsdenkern gern in die Quere und liegen ihnen schwer verdaulich quer im Magen. Denn Längsdenker sitzen enghorizontig und geistig gefangen in ihrer Schublade und sind ganz böse, wenn die Querdenker die genormten Wege unter Missachtung der Verkehrsregeln einfach überqueren.
Längsdenker fühlen sich nur auf ausgetretenen Pfaden und in ihren kleinen Schubladen sicher. Querdenker bewegen sich kreuz und quer im Gelände und genießen ihre Bewegungsfreiheit. Sie scheuen sich nicht vor verqueren Gedanken, durch die Neues entstehen kann. Längsdenker sind wie Züge, die ihre Gleise nicht verlassen können. In diesem Sinne sind sie zwar gradlinig aber schmalspurig. Das Querfeldeinrennen der Querdenker erscheint ihnen fremd und gefährlich. Querdenker können im freien Gelände stolpern und auf die Schnauze fallen, aber immer wieder aufstehen und die Richtung ändern. Wenn Längsdenker mal entgleisen, ist gleich alles kaputt. Weil sie nicht ausweichen können, fürchten sie Querschüsse von Querdenkern wie die Pest. Da nützt ihnen auch spurtreue Raserei nichts.
Naturgemäß können sich Längsdenker nicht querlegen, und man findet unter ihnen logischerweise auch keine Querköpfe. Wahrscheinlich waren Querdenker schon im Mutterleib in Querlage. Da Längsdenker nur eine begrenzte und linientreu ausgerichtete Zahl von Tönen abzusondern vermögen, werden sie immerhin (begrifflich putzig) auf einer Querflöte spielen können.
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