7.3.12

CHARAKTER


Die Menschheit wird unterteilt in zwei Gruppen: diejenigen mit einem guten und diejenigen mit einem schlechten Charakter. Die Ersteren sind das Ergebnis einer fruchtbaren Beziehung zwischen Jesus und Mutter Teresa, die Letzteren wurden von normalen Menschen gezeugt. Es gibt auch Menschen, die haben gar keinen Charakter und werden deswegen als Verbrecher oder Schwächlinge bezeichnet. Es soll auch Menschen mit einem sogenannten starken Charakter geben, aber das ist ein Euphemismus für Unbelehrbarkeit. Synonyme für Charakter sind Rückgrat oder Persönlichkeit; diese setzt sich aus einer fast unendlichen Menge von Eigenschaften und (Un)Fähigkeiten zusammen, die sich herausbilden durch die Gene (wofür man nichts kann), die genossene/erlittene Erziehung (wofür man auch nichts kann) und die eigenen Entscheidungen (wofür man sehr wohl was kann).Wenn Kinder schlechtgeraten sind, geben Eltern gern den Genen oder den kindlichen Verhaltens-entscheidungen die Schuld, wenn Kinder wohlgeraten sind, betrachten sie das gern als Ergebnis ihrer erzieherischen Kompetenz.

Nun gibt es auch Menschen, denen es ein Dorn im Auge ist, dass man nicht in kleine und große Mitmenschen hineinschauen kann. Diese nennt man Astrologen oder Psychologen. Die Ersteren sehen sich das Geburtsdatum und dann die Sterne an und wissen dann alles über die Persönlichkeit, die Letzteren finden das unwissenschaftlich und kontern mit sogenannten Persönlichkeitstests. Da es viele Menschen gibt, denen ihre eigene Persönlichkeit ein Rätsel ist, können die beiden genannten Berufsgruppen viel Geld verdienen.

Ich gehöre nun zu den bescheidenen Psychologen und habe deshalb einen Persönlichkeitstest entwickelt, der kostenlos von allen Suchenden selbst angewendet werden kann und einen zuver-lässigen Einblick in die eigenen hellen und dunklen Seiten ermöglicht.

Schadenersatzklagen meiner Berufskolleginnen und – kollegen wegen geschäftsschädigendem Verhalten sehe ich gelassen entge-gen, weil ich einfach moralisch im Recht bin. Außerdem wollte ich einen Test entwickeln, der an Absurdität dem von Astrologen behaupteten Zusammenhang von Geburtsdatum und Persönlich-keitsmerkmalen nicht nachstehen würde.                    

Der Test hat den hochwissenschaftlichen Namen:

Mulifaktorieller-Individueller-Sensibilitäts-Test.

Der M-I-S-T ist ein Persönlichkeitsfragebogen, der eine revolutionäre Alternative zur bisher üblichen horoskopischen Persönlichkeitsdiagnostik darstellt.

Der Test wurde nach den Kriterien der Reliabilität (Zuverlässigkeit), Validität (Gültigkeit) und Plausibilität (Plausibilität) konstruiert.

Der Reliabilitätskoeffizient (.99) ist deshalb extrem hoch, weil die Antwortskala ausschließlich innerhalb des Zustimmungsbereiches differenziert. Der Validitätskoeffizient (.01) liegt noch im unbefriedigenden Bereich, jedoch wird zurzeit an verschiedenen wissenschaftlichen Instituten fieberhaft an statistischen Tricks zur Herstellung erwünschter Ergebnisse gearbeitet. Der Plausi-bilitätskoeffizient (1.o) als statistischer Kennwert für den psychologischen Sachverstand des Testautors kann als traumhaft bezeichnet werden. Testalter: 15 bis 99 J.

Testanweisung

Sie können zwischen 2 (zwei) Antwortmöglichkeiten wählen:    „JA“ und „STIMMT“.

Beispiel: Können Sie zur vorgegebenen Feststellung „JA" sagen, kreuzen Sie das  „J" an (X). Können Sie dagegen der vorgegebenen Feststellung zustimmen, kreuzen Sie das „S“ an (X). Denken Sie möglichst lange über Ihre Entscheidung nach und kreuzen Sie spontan das für Sie Zutreffende an.

 Testauswertung

1. Sie  stellen  Ihr  Geburtsdatum  fest  (z.B.  17.3.1946)
2. Sie addieren die Ziffern Ihres Geburtsdatums (G)
    (1+7+3+1+9+4+6=31 (abgekürzt: AZ)
3. Sie addieren zu dieser Summe (31) die Zahl 70 (da der
    Fragebogen 70 Feststellungen enthält): 31+7o=101
4. Sie multiplizieren dieses Ergebnis (101) mit 2 (da der
    Fragebogen 2 Antwortalternativen enthält): 101x2=202
5. Sie subtrahieren von diesem Ergebnis (202) die Addition
    der Ziffern des Testdatums (z.B. 24.1o.2001)  (D)
    2+4+1+0+2+0+0+1=10:   202-10=192 (AZ)
6. Sie dividieren dieses Ergebnis (192) durch Ihr Lebensalter (L)
    in Jahren (z.B. 55):           192:55=3,490
   (Unglatte Ergebnisse werden auf eine Stelle nach dem Komma
     gerundet)
7. Demnach ist Ihr Punktwert in diesem Test = 3,5
    Das Ganze auf die Formel gebracht: (G(AZ)+7o)x2-D(AZ):L

Testinterpretation

Komplizierte statistische Manipulationen haben folgende Testwertbereiche ergeben:

  0 -  3,9
  4 -  6,9
  7 -  9,9
10 - 12,9
13 - 15,9

Da Sie Ihren individuellen Testwert hoffentlich korrekt errechnet haben, fällt es Ihnen sicher nicht schwer, diesen Wert einem der o.g. 5 (fünf) Testwertbereiche zuzuordnen. Ihre individuelle Persönlichkeitsbeschreibung können Sie dann ohne weitere Schwierigkeiten dem deskriptiven Testergebnis entnehmen


Der Fragebogen                                  (neben jeder Aussage anzukreuzen:)
                                                                                                   J       -       S

1.   Fitnessgeräte erregen mich sexuell                                                                  
2.   Meine Mutter war ein guter Vater                                    
3.   Beim Anblick von Kühen läuft mir das Wasser im
      Mund zusammen                                                              
4.   Regenwürmer sind mir lieber als Nudeln                        
5.   Mein Computer will mich vergewaltigen                        
6.   Meine Zähne machen sich selbständig                             
7.   Ich zähle immer rückwärts                                               
8.   Ich denke manchmal, dass ich der Butler von
      Charlie Chaplin bin                                                    
9.   Ich hasse vernünftige Menschen                                   
10. Ich verfolge Spezialagenten                                           
11. Mein Wasserhahn heißt Annabella                              
12. Ich gehe mit dem Mond unter                                        
13. Aufregung beruhigt mich ungemein                               
14. Gewürzgurken machen mich neidisch                            
15. Ich glaube an Flatulenz                                                   
16. Wenn ich schreie, halte ich mir die Ohren zu              
17.                                                                                         
18. Ich bin lieber Kannibale als Politiker                             
19. Beim Anblick von Pflaumen erröte ich                       
20. Beim Bügeln fühle ich mich fanatisch                          
21. Meine Furze riechen am besten                                    
22. ? !                                                                               
23. Mein Vater heißt Cäsar                                                
24. Kniebundhosenträger sind neurotisch                         
25. Traurigkeit macht mich immer so glücklich              
26. Menstruationsbeschwerden finde ich geil                    
27. Spitznamen sind ein Symptom für Probleme              
28. Hosengürtel machen mich krank                               
29. Ich rasiere mich nur mit Schmirgelpapier                   
30. Wenn ich huste, muss ich immer rauchen                  
31. Ich kote gerne ein                                                      
32. Ich glaube, dass Gott nicht rechnen kann                    
33.Wenn ich Krawatten sehe, muss ich mich 
      immer kratzen                                                              
34. Im Vergleich zu mir ist Goethe ein Dummkopf            
35. Ich finde das Alphabet ganz schrecklich                     
36. Der Teufel schickt mir nie E-Mails                              
37. Meine Lustigkeit geht mir auf die Nerven                   
38. In der Gegenwart von Flöhen fühle ich mich so           
      schrecklich verlegen                                                    
39. Ich vertraue nur Menschen, die in die Hose
      pinkeln                                                                          
40. Ich sammelte Küchenschaben                                       
41. Nur wenn ich besoffen bin, haben mich die
      Menschen lieb                                                              
42. Ich habe es satt, zum Kanzler gewählt zu werden         
43. Rosenkohl macht mich depressiv                                   
44. Ich mache es immer wieder                                           
45. Nach dem Sex fühle ich mich immer so
      schrecklich schwanger                                                   
46. Ich habe Angst davor, im Puff eingesperrt zu sein       
47. Die meisten Menschen niesen aus reiner
      Hinterhältigkeit                                                              
48. Flugzeugkatastrophen bringen mich zum Lachen         
49. Ich fühle mich so leicht, wenn ich über meinen
      Schatten springe                                                          
50. Richtig sauer werde ich nur, wenn sich ein
      Elefant in meinem Bett befindet                                   
51. Manchmal spüre ich den unwiderstehlichen
      Drang,  die Zähne anderer Leute zu putzen                  
52. Nein Nein Nein!                                                          
53. Ich küsse nur Menschen mit Mundgeruch                     
54. Ich möchte um keinen Preis der Welt stehend
      begraben werden                                                            
55. Ich finde es lästig, meine Unterwäsche zu
      wechseln                                                                       
56. Ich finde das Grinsen der Mona Lisa peinlich               
57. Meine sexuellen Phantasien bringen mich um               
58. Wenn  ich mit Fußmatten werfe, fühle ich mich
      so überlegen                                                                   
59. Ich fühle mich manchmal so dreieckig                          
60. Ich glaube, dass meine Kaffeemaschine fremdgeht      
61. Urnen in der Badewanne machen mich nervös             
62. Geld finde ich zum Lachen                                            
63. Mein Lehrer war ein Pavian                                          
64. Mein Kater ist Legastheniker                                       
65. Fluchen finde ich erotisch                                            
66. Ich mag keine Tampons in meiner Suppe                     
67. Manchmal geht mir kein Licht auf                                
68. Mein Goldhamster wurde antiautoritär erzogen         
69. Im Zirkus rülpse ich am liebsten                                   
7o. Dieser Fragebogen ist MIST                                          

 Ihr Persönlichkeitsstatus

 0 - 3,9 Punkte:

Sie gehören zu den wenigen Menschen, die ihre Nase höher tragen als sie groß sind. Dazu haben Sie auch einen guten Grund, denn Ihre Persönlichkeit zeigt sich durch einen starken Drang zur Unterwerfung. Außerdem geht es Ihnen gut, wenn es Anderen schlecht geht. Schweigen Sie öfter, dann kommen Sie nicht in die Verlegenheit, die Wahrheit zu sagen, und denken Sie daran: Schwarze Schafe sind auch nur Menschen. Sie sind ein sehr sinnlicher Typ – machen Sie sich nichts daraus, das kann jedem passieren. Sie gehören zur Gruppe der nutzlosen Kreaturen, entweder sind Sie weiblich, alt oder intelligent. Trotzdem: Tragen Sie sich mit Fassung, sonst fallen Sie um. Sie wissen nicht was Sie wollen - macht nichts: Sie haben eh nichts zu sagen.

 4 - 6,9 Punkte:

Sie denken nur an Sex; belassen Sie es dabei, da sonst Denken nicht Ihre Stärke ist. Zum Trost: Ein Schlaffer steht auch seinen Mann. Ihre beruflichen Erfolge zeugen von einer gewissen Langsamkeit, die Sie beschleunigen sollten. Leider haben Sie Ihre Faulheit in den Rang einer bodenlosen Kunst erhoben: Meiden Sie Kritiker. Ihre Gesundheit machen Sie zu häufig zu einem Problem. Zu Ihren Mitmenschen sind Sie zu gutmütig, seien Sie guten Mutes. Ihr Partner/Ihre Partnerin liebt Sie, Sie können aber nichts dafür. Geben Sie mehr Geld aus, man zahlt es Ihnen heim. Sie sollten sich mehr Gedanken über den Tod machen, dies würde Sie frischer wirken lassen. Alles in Allem: Nehmen Sie sich ein gutes Beispiel an Anderen, Sie geben keins.

 7 - 9,9 Punkte:

Sie haben ausschließlich Probleme: Packen Sie sie bei der Wurzel und reißen Sie sie aus. Eigentlich haben Sie einen guten Charak-ter, aber das macht Sie so wenig liebenswert. Sie sind ein geschickter Mensch, Ihre zwei linken Hände vollbringen Absonderliches. Trotz Ihrer erotischen Ausstrahlung sind Sie ein künstlerischer Mensch. Verwechseln Sie nur nicht die Wirklichkeit mit der Realität. Halten Sie sich tapfer, denn Sie sind ein Feigling; aber seien  Sie getröstet: besser eine volle Hose als gar keine. Bei Gefühlsausbrüchen bleiben Sie ruhig. Sie sollten öfter weinen oder fluchen, beides nützt nichts. Das Geld Anderer hat für Sie leider eine größere Bedeutung als Ihr eigenes - drehen Sie den Spieß um.

 1o - 12,9 Punkte:

Sie sollten vor allen Dingen daran denken, dass Kopfstand kein Ersatz für Mangel an innerer Haltung ist. Sie haben zwar Verstand, den Sie jedoch klug zu verbergen wissen. Denken verursacht keine Blähungen. Sie haben die Mentalität einer Schnecke, obwohl Sie sich noch nicht einmal ein eigenes Haus leisten können. Sie würden zu sexuellen Ausschweifungen neigen, wenn Sie über einen entsprechenden Trieb verfügen würden. Ihre Körperproportionen entsprechen dem goldenen Schnitt - stehen Sie zu sich. Ihre Ausstrahlungskraft ist Ihr Körpergeruch, nehmen Sie es als Kompliment, wenn man die Nase rümpft. Denken Sie immer daran: Schweißfüße sind keine Krankheit. Leider verheimlichen Sie Ihre Nahrungsaufnahme, es kommt am Ende doch alles raus.

 13 - 15,9 Punkte:

Ihr Problem: Sie haben keins. Jede Pechsträhne macht Sie glücklich. Ihre strotzende Ausge-glichenheit ist an Ihrem Haarwuchs zu erkennen. Ihre Trinkgewohnheiten sollten Sie beibehalten, sie führen zu einem angenehmen Tod. Manchmal sind Sie geil, aber das ist normal. Machen Sie sich nichts aus Ihrer Identitätskrise, schließlich wissen Sie ja sowieso nicht wer Sie sind. Sie möchten immer mittendrin sein, nicht zu weit oben und auch nicht zu weit unten. Könnte die Harmonie in Ihrer Beziehung vielleicht nur Langeweile sein? Ihre Wetterfühligkeit hat nichts mit Umweltschutz zu tun. Mischen Sie sich aktiv in die Politik ein, denn wer viel tut erreicht nichts. Vergessen Sie nie Ihre Lebensmaxime: der einzige Mensch zu sein, von dem Sie geliebt werden.



Ich möchte mich noch mit einem anderen Aspekt des „Charakters“ beschäftigen. Von manchen Menschen wird mit Respekt – sogar mit Bewunderung – gesagt, sie hätten einen starken Charakter. Gemeint ist vermutlich, dass diese Menschen sich selbst treu und moralisch integer sind, dass sie ein stabiles Selbstwertgefühl haben. Wie auch immer die individuelle Charakter-/Persönlichkeitsstruktur eines Menschen beschaffen ist, möchten doch alle sich selbst wert fühlen können; diesem Aspekt des Charakters – dem Selbstwertgefühl – widmen die Menschen ihre größte Aufmerksamkeit, denn dieses hat viel mit dem Gefühl von Stärke/Gleichwertigkeit in der Beziehung zu Mitmenschen zu tun. Niemand will sich schwach oder moralisch schuldig fühlen, aber dummerweise lässt sich dieser Wunsch nicht durchgängig realisieren. Lässt sich in einer zwischenmenschlichen Situation eine sogenannte Schwäche oder Schuld  nicht mehr verbergen, gibt es interessante Tricks, diesen „Makel“ auszugleichen. Dies will ich mit vier Beispielen verdeutlichen:


1. „Der Klügere gibt nach“

Nachzugeben wird als Schwäche erlebt, das Selbstwertgefühl ist verletzt. Dieses seelische Ungleichgewicht wird nun dadurch beseitigt, dass der Schwäche eine Stärke/Überlegenheit entgegen-gesetzt wird: man ist klüger; und schon ist der seelische Haushalt ausgeglichen, man hat Charakter gezeigt.

2. „Das gebe ich ehrlich zu“

Wenn ein Mensch ein sogenanntes schwaches oder sozial negativ bewertetes Gefühl preisgegeben hat, ist das Selbstwertgefühl  verletzt. Dem wird nun die Stärke der Ehrlichkeit entgegengesetzt, und schon ist der seelische Haushalt wieder ausgeglichen, man hat Charakter gezeigt.

3. „Das machen doch alle“

Wer das sagt fühlt sich schuldig, und es wäre unerträglich, der Einzige zu sein, der „das macht“ (also der Schlechteste zu sein). Durch die obige Ausrede teilt sich das Ausmaß der eigenen Schuld durch „alle“, tendiert also gegen null, und schon ist die Schuld weggerechnet; der seelische Haushalt ist wieder ausgeglichen, der Charakter bleibt moralisch unbeschädigt.

4. „Ich habe das doch nur gut gemeint“

Wer das betont merkt genau, dass er/sie irgendwie Mist gebaut hat. Da nichts das Selbstwertgefühl so stark beeinträchtigt wie Schuld, kann man dieses nur retten, indem man der „schlechten Tat“ die gute Absicht entgegensetzt – und wer kann einem die schon vorwerfen? Wer das Gute will, kann weder schlecht sein, noch trägt er/sie die Verantwortung für das unbeabsichtigte Ergebnis. Durch diese Konstruktion ist der seelische Haushalt wieder ausgeglichen, es lag kein „Charakterfehler“ vor.


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