Die
Menschheit wird unterteilt in zwei Gruppen: diejenigen mit einem guten und
diejenigen mit einem schlechten Charakter. Die Ersteren sind das Ergebnis einer
fruchtbaren Beziehung zwischen Jesus und Mutter Teresa, die Letzteren wurden
von normalen Menschen gezeugt. Es gibt auch Menschen, die haben gar keinen
Charakter und werden deswegen als Verbrecher oder Schwächlinge bezeichnet. Es
soll auch Menschen mit einem sogenannten starken Charakter geben, aber das ist
ein Euphemismus für Unbelehrbarkeit. Synonyme für Charakter sind Rückgrat oder
Persönlichkeit; diese setzt sich aus einer fast unendlichen Menge von
Eigenschaften und (Un)Fähigkeiten zusammen, die sich herausbilden durch die
Gene (wofür man nichts kann), die genossene/erlittene Erziehung (wofür man auch
nichts kann) und die eigenen Entscheidungen (wofür man sehr wohl was kann).Wenn Kinder
schlechtgeraten sind, geben Eltern gern den Genen oder den kindlichen
Verhaltens-entscheidungen die Schuld, wenn Kinder wohlgeraten sind, betrachten
sie das gern als Ergebnis ihrer erzieherischen Kompetenz.
Nun gibt es auch Menschen, denen es ein Dorn im Auge ist, dass man nicht in kleine und große Mitmenschen hineinschauen kann. Diese nennt man Astrologen oder Psychologen. Die Ersteren sehen sich das Geburtsdatum und dann die Sterne an und wissen dann alles über die Persönlichkeit, die Letzteren finden das unwissenschaftlich und kontern mit sogenannten Persönlichkeitstests. Da es viele Menschen gibt, denen ihre eigene Persönlichkeit ein Rätsel ist, können die beiden genannten Berufsgruppen viel Geld verdienen.
Ich gehöre nun zu den bescheidenen Psychologen und habe deshalb einen Persönlichkeitstest entwickelt, der kostenlos von allen Suchenden selbst angewendet werden kann und einen zuver-lässigen Einblick in die eigenen hellen und dunklen Seiten ermöglicht.
Schadenersatzklagen meiner Berufskolleginnen und – kollegen wegen geschäftsschädigendem Verhalten sehe ich gelassen entge-gen, weil ich einfach moralisch im Recht bin. Außerdem wollte ich einen Test entwickeln, der an Absurdität dem von Astrologen behaupteten Zusammenhang von Geburtsdatum und Persönlich-keitsmerkmalen nicht nachstehen würde.
Der Test hat den hochwissenschaftlichen Namen:
Mulifaktorieller-Individueller-Sensibilitäts-Test.
Der M-I-S-T ist ein Persönlichkeitsfragebogen, der eine revolutionäre Alternative zur bisher üblichen horoskopischen Persönlichkeitsdiagnostik darstellt.
Der Test wurde nach den Kriterien der Reliabilität (Zuverlässigkeit), Validität (Gültigkeit) und Plausibilität (Plausibilität) konstruiert.
Der Reliabilitätskoeffizient (.99) ist deshalb extrem hoch, weil die Antwortskala ausschließlich innerhalb des Zustimmungsbereiches differenziert. Der Validitätskoeffizient (.01) liegt noch im unbefriedigenden Bereich, jedoch wird zurzeit an verschiedenen wissenschaftlichen Instituten fieberhaft an statistischen Tricks zur Herstellung erwünschter Ergebnisse gearbeitet. Der Plausi-bilitätskoeffizient (1.o) als statistischer Kennwert für den psychologischen Sachverstand des Testautors kann als traumhaft bezeichnet werden. Testalter: 15 bis 99 J.
Testanweisung
Sie können zwischen 2 (zwei) Antwortmöglichkeiten wählen: „JA“ und „STIMMT“.
Beispiel: Können Sie zur vorgegebenen Feststellung „JA" sagen, kreuzen Sie das „J" an (X). Können Sie dagegen der vorgegebenen Feststellung zustimmen, kreuzen Sie das „S“ an (X). Denken Sie möglichst lange über Ihre Entscheidung nach und kreuzen Sie spontan das für Sie Zutreffende an.
1. Sie stellen
Ihr Geburtsdatum fest
(z.B. 17.3.1946)
2. Sie addieren die Ziffern
Ihres Geburtsdatums (G) (1+7+3+1+9+4+6=31 (abgekürzt: AZ)
3. Sie addieren zu dieser Summe (31) die Zahl 70 (da der
Fragebogen 70 Feststellungen enthält): 31+7o=101
4. Sie multiplizieren dieses Ergebnis (101) mit 2 (da der
Fragebogen 2 Antwortalternativen enthält): 101x2=202
5. Sie subtrahieren von diesem Ergebnis (202) die Addition
der Ziffern des Testdatums (z.B. 24.1o.2001) (D)
2+4+1+0+2+0+0+1=10: 202-10=192 (AZ)
6. Sie dividieren dieses Ergebnis (192) durch Ihr Lebensalter (L)
in Jahren (z.B. 55): 192:55=3,490
(Unglatte Ergebnisse werden auf eine Stelle nach dem Komma
gerundet)
7. Demnach ist Ihr Punktwert in diesem Test = 3,5
Das Ganze auf die Formel gebracht: (G(AZ)+7o)x2-D(AZ):L
Testinterpretation
Komplizierte statistische Manipulationen haben folgende Testwertbereiche ergeben:
0 - 3,9
4 - 6,97 - 9,9
10 - 12,9
13 - 15,9
Da Sie Ihren
individuellen Testwert hoffentlich korrekt errechnet haben, fällt es Ihnen
sicher nicht schwer, diesen Wert einem der o.g. 5 (fünf) Testwertbereiche
zuzuordnen. Ihre individuelle Persönlichkeitsbeschreibung können Sie dann ohne
weitere Schwierigkeiten dem deskriptiven Testergebnis entnehmen
Der Fragebogen (neben jeder Aussage anzukreuzen:)
J - S
1. Fitnessgeräte erregen mich sexuell
2. Meine Mutter
war ein guter Vater 1. Fitnessgeräte erregen mich sexuell
3. Beim Anblick von Kühen läuft mir das Wasser im
Mund zusammen
4. Regenwürmer sind mir lieber als Nudeln
5. Mein Computer will mich vergewaltigen
6. Meine Zähne machen sich selbständig
7. Ich zähle immer rückwärts
8. Ich denke manchmal, dass ich der Butler von
Charlie Chaplin bin
9. Ich hasse vernünftige Menschen
10. Ich verfolge Spezialagenten
11. Mein Wasserhahn heißt Annabella
12. Ich gehe mit dem Mond unter
13. Aufregung beruhigt mich ungemein
14. Gewürzgurken machen mich neidisch
15. Ich glaube an Flatulenz
16. Wenn ich schreie, halte ich mir die Ohren zu
17.
18. Ich bin lieber Kannibale als Politiker
19. Beim Anblick von Pflaumen erröte ich
20. Beim Bügeln fühle ich mich fanatisch
21. Meine Furze riechen am besten
22. ? !
23. Mein Vater heißt Cäsar
24. Kniebundhosenträger sind neurotisch
25. Traurigkeit macht mich immer so glücklich
26. Menstruationsbeschwerden finde ich geil
27. Spitznamen sind ein Symptom für Probleme
28. Hosengürtel machen mich krank
29. Ich rasiere mich nur mit Schmirgelpapier
30. Wenn ich huste, muss ich immer rauchen
31. Ich kote gerne ein
32. Ich glaube, dass Gott nicht rechnen kann
33.Wenn ich Krawatten sehe, muss ich mich
immer kratzen
34. Im Vergleich zu mir ist Goethe ein Dummkopf
35. Ich finde das Alphabet ganz schrecklich
36. Der Teufel schickt mir nie E-Mails
37. Meine Lustigkeit geht mir auf die Nerven
38. In der Gegenwart von Flöhen fühle ich mich so
schrecklich verlegen
39. Ich vertraue nur Menschen, die in die Hose
pinkeln
40. Ich sammelte Küchenschaben
41. Nur wenn ich besoffen bin, haben mich die
Menschen lieb
42. Ich habe es satt, zum Kanzler gewählt zu werden
43. Rosenkohl macht mich depressiv
44. Ich mache es immer wieder
45. Nach dem Sex fühle ich mich immer so
schrecklich schwanger
46. Ich habe Angst davor, im Puff eingesperrt zu sein
47. Die meisten Menschen niesen aus reiner
Hinterhältigkeit
48. Flugzeugkatastrophen bringen mich zum Lachen
49. Ich fühle mich so leicht, wenn ich über meinen
Schatten springe
50. Richtig sauer werde ich nur, wenn sich ein
Elefant in meinem Bett befindet
51. Manchmal spüre ich den unwiderstehlichen
Drang, die Zähne anderer Leute zu putzen
52. Nein Nein Nein!
53. Ich küsse nur Menschen mit Mundgeruch
54. Ich möchte um keinen Preis der Welt stehend
begraben werden
55. Ich finde es lästig, meine Unterwäsche zu
wechseln
56. Ich finde das Grinsen der Mona Lisa peinlich
57. Meine sexuellen Phantasien bringen mich um
58. Wenn ich mit Fußmatten werfe, fühle ich mich
so überlegen
59. Ich fühle mich manchmal so dreieckig
60. Ich glaube, dass meine Kaffeemaschine fremdgeht
61. Urnen in der Badewanne machen mich nervös
62. Geld finde ich zum Lachen
63. Mein Lehrer war ein Pavian
64. Mein Kater ist Legastheniker
65. Fluchen finde ich erotisch
66. Ich mag keine Tampons in meiner Suppe
67. Manchmal geht mir kein Licht auf
68. Mein Goldhamster wurde antiautoritär erzogen
69. Im Zirkus rülpse ich am liebsten
7o. Dieser Fragebogen ist MIST
Sie gehören
zu den wenigen Menschen, die ihre Nase höher tragen als sie groß sind. Dazu
haben Sie auch einen guten Grund, denn Ihre Persönlichkeit zeigt sich durch
einen starken Drang zur Unterwerfung. Außerdem geht es Ihnen gut, wenn es
Anderen schlecht geht. Schweigen Sie öfter, dann kommen Sie nicht in die
Verlegenheit, die Wahrheit zu sagen, und denken Sie daran: Schwarze Schafe sind
auch nur Menschen. Sie sind ein sehr sinnlicher Typ – machen Sie sich nichts
daraus, das kann jedem passieren. Sie gehören zur Gruppe der nutzlosen
Kreaturen, entweder sind Sie weiblich, alt oder intelligent. Trotzdem: Tragen
Sie sich mit Fassung, sonst fallen Sie um. Sie wissen nicht was Sie wollen -
macht nichts: Sie haben eh nichts zu sagen.
Sie denken nur
an Sex; belassen Sie es dabei, da sonst Denken nicht Ihre Stärke ist. Zum
Trost: Ein Schlaffer steht auch seinen Mann. Ihre beruflichen Erfolge zeugen
von einer gewissen Langsamkeit, die Sie beschleunigen sollten. Leider haben Sie
Ihre Faulheit in den Rang einer bodenlosen Kunst erhoben: Meiden Sie Kritiker.
Ihre Gesundheit machen Sie zu häufig zu einem Problem. Zu Ihren Mitmenschen
sind Sie zu gutmütig, seien Sie guten Mutes. Ihr Partner/Ihre Partnerin liebt
Sie, Sie können aber nichts dafür. Geben Sie mehr Geld aus, man zahlt es Ihnen
heim. Sie sollten sich mehr Gedanken über den Tod machen, dies würde Sie
frischer wirken lassen. Alles in Allem: Nehmen Sie sich ein gutes Beispiel an
Anderen, Sie geben keins.
Sie haben
ausschließlich Probleme: Packen Sie sie bei der Wurzel und reißen Sie sie aus.
Eigentlich haben Sie einen guten Charak-ter, aber das macht Sie so wenig
liebenswert. Sie sind ein geschickter Mensch, Ihre zwei linken Hände
vollbringen Absonderliches. Trotz Ihrer erotischen Ausstrahlung sind Sie ein
künstlerischer Mensch. Verwechseln Sie nur nicht die Wirklichkeit mit der
Realität. Halten Sie sich tapfer, denn Sie sind ein Feigling; aber seien Sie getröstet: besser eine volle Hose als gar
keine. Bei Gefühlsausbrüchen bleiben Sie ruhig. Sie sollten öfter weinen oder
fluchen, beides nützt nichts. Das Geld Anderer hat für Sie leider eine größere
Bedeutung als Ihr eigenes - drehen Sie den Spieß um.
Sie sollten
vor allen Dingen daran denken, dass Kopfstand kein Ersatz für Mangel an innerer
Haltung ist. Sie haben zwar Verstand, den Sie jedoch klug zu verbergen wissen.
Denken verursacht keine Blähungen. Sie haben die Mentalität einer Schnecke,
obwohl Sie sich noch nicht einmal ein eigenes Haus leisten können. Sie würden
zu sexuellen Ausschweifungen neigen, wenn Sie über einen entsprechenden Trieb
verfügen würden. Ihre Körperproportionen entsprechen dem goldenen Schnitt -
stehen Sie zu sich. Ihre Ausstrahlungskraft ist Ihr Körpergeruch, nehmen Sie es
als Kompliment, wenn man die Nase rümpft. Denken Sie immer daran: Schweißfüße
sind keine Krankheit. Leider verheimlichen Sie Ihre Nahrungsaufnahme, es kommt
am Ende doch alles raus.
Ihr Problem:
Sie haben keins. Jede Pechsträhne macht Sie glücklich. Ihre strotzende
Ausge-glichenheit ist an Ihrem Haarwuchs zu erkennen. Ihre Trinkgewohnheiten
sollten Sie beibehalten, sie führen zu einem angenehmen Tod. Manchmal sind Sie
geil, aber das ist normal. Machen Sie sich nichts aus Ihrer Identitätskrise,
schließlich wissen Sie ja sowieso nicht wer Sie sind. Sie möchten immer
mittendrin sein, nicht zu weit oben und auch nicht zu weit unten. Könnte die
Harmonie in Ihrer Beziehung vielleicht nur Langeweile sein? Ihre
Wetterfühligkeit hat nichts mit Umweltschutz zu tun. Mischen Sie sich aktiv in
die Politik ein, denn wer viel tut erreicht nichts. Vergessen Sie nie Ihre
Lebensmaxime: der einzige Mensch zu sein, von dem Sie geliebt werden.
Ich möchte
mich noch mit einem anderen Aspekt des „Charakters“ beschäftigen. Von manchen
Menschen wird mit Respekt – sogar mit Bewunderung – gesagt, sie hätten einen
starken Charakter. Gemeint ist vermutlich, dass diese Menschen sich selbst treu
und moralisch integer sind, dass sie ein stabiles Selbstwertgefühl haben. Wie
auch immer die individuelle Charakter-/Persönlichkeitsstruktur eines Menschen
beschaffen ist, möchten doch alle sich selbst wert fühlen können; diesem Aspekt
des Charakters – dem Selbstwertgefühl – widmen die Menschen ihre größte
Aufmerksamkeit, denn dieses hat viel mit dem Gefühl von Stärke/Gleichwertigkeit
in der Beziehung zu Mitmenschen zu tun. Niemand will sich schwach oder
moralisch schuldig fühlen, aber dummerweise lässt sich dieser Wunsch nicht
durchgängig realisieren. Lässt sich in einer zwischenmenschlichen Situation
eine sogenannte Schwäche oder Schuld
nicht mehr verbergen, gibt es interessante Tricks, diesen „Makel“
auszugleichen. Dies will ich mit vier Beispielen verdeutlichen:
Nachzugeben wird
als Schwäche erlebt, das Selbstwertgefühl ist verletzt. Dieses seelische
Ungleichgewicht wird nun dadurch beseitigt, dass der Schwäche eine
Stärke/Überlegenheit entgegen-gesetzt wird: man ist klüger; und schon ist der
seelische Haushalt ausgeglichen, man hat Charakter gezeigt.
2. „Das gebe ich
ehrlich zu“
Wenn ein Mensch ein sogenanntes schwaches oder sozial negativ bewertetes Gefühl preisgegeben hat, ist das Selbstwertgefühl verletzt. Dem wird nun die Stärke der Ehrlichkeit entgegengesetzt, und schon ist der seelische Haushalt wieder ausgeglichen, man hat Charakter gezeigt.
3. „Das machen
doch alle“
Wer das sagt
fühlt sich schuldig, und es wäre unerträglich, der Einzige zu sein, der „das
macht“ (also der Schlechteste zu sein). Durch die obige Ausrede teilt sich das
Ausmaß der eigenen Schuld durch „alle“, tendiert also gegen null, und schon ist
die Schuld weggerechnet; der seelische Haushalt ist wieder ausgeglichen, der
Charakter bleibt moralisch unbeschädigt.
4. „Ich habe das
doch nur gut gemeint“
Wer das betont
merkt genau, dass er/sie irgendwie Mist gebaut hat. Da nichts das
Selbstwertgefühl so stark beeinträchtigt wie Schuld, kann man dieses nur
retten, indem man der „schlechten Tat“ die gute Absicht entgegensetzt – und wer
kann einem die schon vorwerfen? Wer das Gute will, kann weder schlecht sein, noch
trägt er/sie die Verantwortung für das unbeabsichtigte Ergebnis. Durch diese
Konstruktion ist der seelische Haushalt wieder ausgeglichen, es lag kein
„Charakterfehler“ vor.
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