5.3.12

VIEL GEREIMTES



Ich war mal ein Engel...




...und das ist nach langem Nachdenken über das Leben aus mir geworden!


Ich bin ein Clown, der gerne lacht
und Späße auch bei Themen macht,
die er mit Ernst hat durchgedacht;
und leise Freude dann erwacht,
wenn Tiefgeschürftes er vollbracht.



VORWORT

Gedankensplitter
auf losen Blättern,
ein loses Maul
gezähmt in Lettern.
Gefangen in Zeilen
die flüchtige Wahrheit;
verspielt und ernst
auf Suche nach Klarheit.

TEIL 1:
HAT ALLES WAS MIT ALLEN MÖGLICHEN FEIERLICHEN ANLÄSSEN ZU TUN

HEUCHELEI (l)

Im Streit verbrachten sie das Jahr,
an Weihnachten herrscht einmal Ruhe.
Fürs Kind spiel´n sie das Liebespaar,
es schmerzt dies friedliche Getue.
Verlogenes Glück zum Weihnachtsfest,
die Freude stirbt im lauten Lachen.
Und dafür habt ihr euch gestresst?
Wo Liebe fehlt kauft man sich Sachen

FROHES FEST

Am Heiligabend ist der Bär los,
die Menschen scheinen völlig wehrlos
bei Überfällen von Verwandten:
Da kommen Eltern, Onkeln, Tanten
zum Fest, obwohl es gar nicht passt,
weil eigentlich jeder Jeden hasst.
Noch vor den Tagen : „Frohes Fest!“
Der Wunsch ging um wie eine Pest.
Und froh sind alle - das ist wahr -
wenn es vorbei ist für ein Jahr.
Denn ziemlich stressig ist es schon -
das Opfer für die Tradition.
Da müssen jährlich die sich sehen,
die sonst sich aus dem Wege gehen.
Ein Fest der Liebe ist ´s geblieben,
weil wir auch unsere Feinde lieben.

WEIHNACHTEN IST SCHÖN

Sonst gnadenlos und unerbittlich –
am Heiligabend ist man friedlich.
Das Fest will niemand sich versauen,
nicht mal die Kinder werden verhauen.
Und frohe Menschen überall,
ein riesengroßer Maskenball.
Seit Wochen wurde rumgeeiert,
wer wann mit wem und wo wie feiert.
Doch selten gibt´s ein Happyend
trotz bestem Weihnachtsmanagement.
Es gibt so Vieles zu bedenken –
vom Saufen, Fressen bis zum Schenken.
Vergleichbar nur mit Höllenplagen
ist dieser Stress an Weihnachtstagen.
Normaler Alltag ist dagegen
Erholung pur – der reinste Segen.
Und Mancher ist zum Schwur geneigt:
Im nächsten Jahr – da wird gestreikt.
Ein Vorsatz ist nur dazu gut,
dass man ihn nicht erfüllen tut.
Erinnerung verschwindet ganz
vorm nächsten Weihnachtslichterglanz.
Ein Wunder es geschehen lässt:
Der Mensch freut sich aufs Weihnachtsfest.

CHRISTLICHES SCHENKEN

„Stihile Nacht, heilige Nacht“ -
wie wunderbar war dies erdacht.
Der Autor hätte Bauchbeschwerden,
wenn er gewusst, was würde werden
aus Ruhe und Besinnlichkeit:
Ein Kaufrauschfest mit Stress und Streit.
Doch ist das nicht die wahre Liebe,
wenn Menschenmassen im Geschiebe
das Leben sich zur Hölle machen,
nur um zu kaufen ein paar Sachen?
Ein Nervenopfer – grandios,
die Seelenqual – so riesengroß;
der Mensch ist einfach unverwüstlich,
wenn er sich opfert – richtig christlich.
Geschenke werden bei solchen Sitten
nicht mehr gemacht, sondern erlitten.
Man ist erschöpft und völlig fertig,
so wird das Schenken höherwertig.

WEIHNACHTSGESCHÄFT

„Mein liebes Kind, tu nur das Gute;
der Weihnachtsmann mit seiner Rute
wird sonst Dich Zucht und Ordnung lehren
und zum Gehorsam Dich bekehren.“
„Oh ja, mein liebes Pappilein,
ich will in Zukunft artig sein;
und wenn ich immer daran denke,
bringt mir der Weihnachtsmann Geschenke.“
Nur Pädagogen nennen dies
Erpressung und moralisch fies.
Das kluge Volk nennt diesen Stil
„Gerechtigkeit“ und „fairer Deal“.
Geschäft auf Gegenseitigkeit
führt allseits zur Zufriedenheit.
Für Kinder ist das Weihnachtsfest
ein Lebens – Vorbereitungs – Test:
Sie lernen so zur rechten Zeit
den Tauschwert für Gehorsamkeit.
Der Weihnachtsmann und Gott und Vater
sind quasi die Verkaufsberater.

REUE

Ein Mensch in der Silvesternacht
verspricht, nie mehr zu sündigen.
„Oh Schreck!“ ruft er als er erwacht -
„wo kann mein Wort ich kündigen?“

PROST NEUJAHR

„Ein frohes neues Jahr!“ – wie Pest
verbreitet Mensch dies nach dem Fest.
Ich stell´ mir vor die Seelenpein,
das ganze Jahr nur froh zu sein.
Ein Frohsinnsmensch hat keine Zeit
für Freude, Glück und Heiterkeit.
Und froh zu sein an allen Tagen,
kann nur ein Dummkopf gut ertragen.

JAHRESWECHSELEUPHORIE

Ganz furchtbar lustig „Schubidu!“
Um zwölf kreischt jeder Mensch „Juhu!“
Begrüßt wird laut das neue Jahr –
wird´s besser als das alte war?
Auf neues Glück die Menschen hoffen,
weil das Gedächtnis weggesoffen.
Nur wechseln wird die Jahreszahl,
doch nicht des Menschen Alltagsqual.
Das Neue Jahr kriegt Vorschusslob
vom Glücks-Geld-Liebes-Horoskop.
Weil das was war banal erschien,
schwelgt Mensch so gern in Phantasien.
Ein Horoskop – gut ausgedacht –
ist ein Betrug, der Hoffnung macht.
Doch morgen wieder alles Mist;
wie schön, dass Mensch so schnell vergisst.

ARMER OSTERHASE

In jedem Jahr zur Osterfeier
bring´ ich euch viele bunte Eier.
Als Hase hab´ ich schwer zu tragen
an euren Ostereigelagen.
Was hab´ ich damit nur zu tun,
denn Eier legt nun mal das Huhn.
Der Mensch hat mir den Job gegeben,
so führe ich ein Hühnerleben.
Als Osterhase mach´ ich mich
saisonbedingt zwar lächerlich,
doch alberner ist das Niveau
des Osterkults aus meinem Po.

GEDANKEN ZUM GEBURTSTAG

Ein Glückwunsch hier, ein Glückwunsch da
für den Geburtstagsjubilar.
Am Tage X war man entsprossen
dem Mutterleib – das wird begossen.
Ums Alter wird Trara gemacht,
mit Sprüchen wird es stets bedacht:
„ Wie hast du dich so gut gehalten?
Wer bügelt dir denn deine Falten?
Du wirst nicht alt, nur immer weiser,
es bleibt das Glück, nur wird es leiser.
Verfluche nie die grauen Haare,
sie sind das Zeichen reifer Jahre.
Mit X – zig bist du noch nicht alt,
und junger Wein hat kein Gehalt.“
Trotz alldem macht der Mensch sich Sorgen:
Es gibt mehr „Gestern“ und weniger „Morgen“.
Ein junger Mensch denkt nicht daran,
dass er auch einmal altern kann;
dem Alten ist es oft nicht klar,
dass er ein junger Mensch mal war.
Ein Junger lebt oft ohne Glück,
manch Alter blickt voll Neid zurück.
Bist du dir selber überdrüssig,
ist auch Geburtstag überflüssig.
Nur wem die Jahre scheißegal,
dem wird sein Alter nicht zur Qual.
Du solltest täglich Leben feiern,
anstatt mit Jahren rumzueiern.

MUTTERTAG IST SCHÖN

Am Muttertag man Mutter dankt,
dass sie ein Jahr lang hingelangt
beim Waschen, Kochen und so weiter –
die Seele stumpf, die Miene heiter.
Von Mann und Kindern ausgenutzt,
wird Frust ganz einfach weggeputzt.
Sie würde niemals sich beklagen,
und was sie fühlt, sagt ihr der Magen.
Doch einmal jährlich – weil ´s sich ziemt –
wird Frau von Mann und Kind bedient.
Dass sie zum Opfer sind bereit,
erfüllt ihr Herz mit Dankbarkeit.
Bis abends schuftet stolz ihr Schatz,
danach steht nichts am alten Platz.
Auch wenn er ihre Ordnung stört,
lobt sie den Mann, wie ´s sich gehört.
Dann sendet sie ein Stoßgebet,
dass Muttertag zu Ende geht.
Sie wird sich morgen doppelt quälen,
die Ordnung wieder her zu stellen,
indem sie durch die Wohnung hetzt:
Das alte Spiel wird fortgesetzt.

„SCHÖNES WOCHENENDE!“

Von Montag bis Freitag ist alles beschissen,
da wird sich durch frustige Arbeit gebissen.
Der Mensch hat das Wochenend´ feste im Blick,
da wartet man hoffend auf ausgleichendes Glück.
Durch Heilserwartung wird Frust programmiert,
beim Saufen und Streiten die Seele erfriert.
Am Montag enttäuscht man zum Arbeiten geht –
sofort wieder Hoffnung auf Freitag entsteht.

THE SAME PROCEDURE...

Die Hochzeit ist ein tolles Fest,
bei dem man gern die Sau raus lässt.
Und dass gefeiert wird ist richtig:
Ein guter Ehestart ist wichtig.
Doch danach hört der Spaß schon auf,
das Drama nimmt jetzt seinen Lauf.
Der Alltag wird zum Liebestest
im frisch erbauten Ehenest,
in dem sie jetzt zusammen wohnen;
es sterben täglich Illusionen.
Und plötzlich fliegen nur noch Fetzen –
das Paar beginnt sich zu verletzen.
Verzweifelt sind sie und verwirrt,
wie schnell die Liebe sich verirrt
im komplizierten Labyrinth,
in dem sie jetzt gefangen sind.
Sie hofften noch es würde lohnen,
in nächtelangen Diskussionen
zu klären, ob sie sich noch lieben:
Es hat sie beide aufgerieben.
Sie wollten endlich nicht mehr leiden
und ließen – konsequent – sich scheiden.
Statt Trauer, Schmerz und echter Reue
begannen beide eine neue
Beziehung mit dem Glücksversprechen,
den Liebeseid nie mehr zu brechen.
Die Hochzeit war ein tolles Fest.
Wie ´s weitergeht? Du kennst den Rest.

STRASSENFEST

Es lärmt die Band, es riecht nach Wurst,
es läuft das Bier, der Mensch hat Durst.
Zum Flair gehört die Menschenmenge
und das Geschiebe im Gedränge.
Und muss der Mensch mal pinkeln gehen,
ist weit und breit kein Klo zu sehen.
Was Mensch auch will, er wartet lange –
für jedes Bisschen steht er Schlange
und hat Geduld im Übermaß;
was sonst frustriert: hier macht es Spaß.
Und ständig wird Papier verteilt,
wo draufsteht, wie die Welt man heilt.
Auch was gesund und glücklich macht,
wird hier dem Menschen beigebracht.
Und viele Gaukler – laut und stumm –
genießen hier ihr Publikum.
Beim Straßenfest wird Mensch verwöhnt:
Er frisst und säuft, er staunt und klönt.
Im Rausch der sinnlichen Entfaltung
erträgt er selbst die Preisgestaltung.
Die Stimmung wird durch nichts versaut;
das Freiluftfest ist niemals out.
Ein Stadtteil ohne dieses wäre
ein Globus ohne Atmosphäre.

TEIL 2:
HAT ALLES WAS MIT HABEN UND SEIN ZU TUN

GELD BRAUCHT STÄRKE

Ein Mensch, von Armut schwer getroffen,
gewinnt ganz plötzlich groß im Lotto.
Vor Glück hat er sich tot gesoffen;
genau dies ist des Schicksals Motto:
Zufrieden sei, was du auch hast,
ersehnter Reichtum rafft dich hin,
wenn du zu schwach für diese Last;
nie kriegt der Richtige den Gewinn.

VOM LEID DES HABENS

Ein Mann ist ständig auf der Hut,
und ganz verbiestert ist er schon,
dass er sein Eigentum behält.
Da klaut ein Dieb sein Hab und Gut,
macht fröhlich auf sich und davon:
Wie ungerecht ist diese Welt!

SÜSSES NICHTSTUN

Ich liege auf dem Sofa, weil:
Die Faulheit ist einfach geil!
Ich schwelge gern im Müßiggang
und aale mich den Tag entlang.
Der Geist und Körper regungslos,
verharre ich bewegungslos.
In dieser Ruhe liegt die Kraft,
die mir Glückseligkeit verschafft.
Auch niemals mein Gewissen zwickt,
weil süßes Nichtstun mich entzückt.
Mich räkelnd durchs Programm zu zappen,
ist Lust für meine Großhirnlappen.
Und Fitness brauche ich mitnichten,
um meine Notdurft zu verrichten
und um zum Kühlschrank mal zu laufen
zwecks Essens und um Bier zu saufen.
Gesund bleibt nur, wer langsam lebt
und nicht nach Stress und Äktschen strebt.
Denn aller Laster Anfang ist,
wenn Mensch sein Glück in Euros misst,
im Studio für Schönheit schwitzt
und ständig durch die Gegend flitzt
und für den schönen Schein sich quält.
Wie friedlich wäre diese Welt,
wenn keiner sich vom Sofa rührt:
Ein Fauler niemals Kriege führt.
So kommt der Mensch – wie ich bewies –
im Müßig – Gang ins Paradies.

VERGEBLICH

Am Tresen sitzen keine Reichen:
Vergnügen muss den Pflichten weichen.
Sie scheffeln Geld ihr ganzes Leben
und haben nie Zeit es auszugeben.

KLAGELIED

Der Reichtum ist ja so beschwerlich!
Hab´ Geld wie Heu und sage ehrlich,
was mir den ganzen Tag versaut:
die Angst, dass man mich mal beklaut.
Und alles was ich angeschafft,
macht Folgekosten massenhaft.
Mein Tag ist angefüllt mit Pflichten;
ich hab´ viel Geld, doch Zeit mitnichten.
Inzwischen ist sogar das Protzen
so langweilig – es ist zum Kotzen.
Und dann die Qualen der Entscheidung
vor einem riesigen Schrank mit Kleidung.
Und Leute treff´ ich in Unmengen
bei Feten, Essen und Empfängen –
ich will sie eigentlich nicht sehen.
So kann ich endlich auch verstehen,
was ein Jurist mir hat berichtet:
der Reichtum sei sozialverpflichtet.
Ihr Armen seht, wie schwer mich drückt
des Geldes Last – und nicht beglückt.
Doch wenn Ihr meint, die Lösung sei,
ich würde arm und endlich frei...
Ich sag´ Euch: Über Reichtumsfrust
zu jammern ist die höchste Lust.

DUMM BLEIBT DUMM

Ein dummer Mensch wird plötzlich reich,
und schon glaubt er, der größte Hecht
zu sein im kleinen Goldfischteich;
als Kleingeist wird er selbstgerecht.
Er bläst sich auf, stolziert herum,
verprasst sein Geld und ist jetzt pleite.
Im Geist gefesselt blieb er dumm,
wovon das Geld ihn nicht befreite.
Ein Kleiner, der wie ´n Großer tut,
bleibt immer nur ein armer Wicht;
doch letztlich geht ´s ihm noch recht gut:
Ein Dummkopf merkt die Dummheit nicht.

HABEN IST SEIN

Der spannende Film wird unterbrochen,
mit Werbung wird dir viel versprochen:
Die Pille macht dich ganz gesund;
nie wieder stinkst du aus dem Mund;
die Hausfrau muss sich nicht mehr schinden;
ganz sicher sind die Damenbinden;
der Joghurt macht dich rank und schlank;
trink diesen Saft – du wirst nie krank;
nimm diese Creme – sie macht dich glatt;
trink nur mit Edel-Pils dich satt;
und imponier mit großem Wagen;
vertrau nur diesen Slip-Einlagen;
und reisen kannst du sowieso
für fast umsonst nach irgendwo;
nimm dies Gerät für ´n Waschbrettbauch
und Busen, Po und Beine auch;
pass auf, dass immer alles glänzt,
und du das richtige Mittel kennst.
Ich will nun ehrlich nicht verhehlen,
was ohne Werbung mir würd´ fehlen:
Hätt´ nicht gewusst, was glücklich macht
und hätte niemals dran gedacht,
dass Kaufen erst die Sehnsucht stillt
nach einem Leben – voll erfüllt.
Denn ohne sinnlichen Genuss
verfällt die Seele in Verdruss;
und nur für einen armen Wicht
liegt Seelenheil im Verzicht.
Ich ziehe nun daraus den Schluss:
Der Homo Ökonomicus
sagt schroff zu alter Weisheit: „Nein –
Konsum macht Haben erst zum Sein!“

GIER UND MORAL

Wenn´s Angebote gibt zu kaufen
so billig, dass sie fast geschenkt,
dann gibt 's ein Ziehen, Pöbeln, Raufen,
weil jeder an sein´n Vorteil denkt.
Da lechzt so gierig diese Meute
- als ginge es um Tod und Leben -
zu raffen Mengenweise Beute:
Es hat sie fast umsonst gegeben.
Triumphgeschrei ist auf den Lippen,
Begierde machte kaufrauschwillig.
Die Arme voll, geprellte Rippen,
gebraucht wird´s nicht, doch war es billig.
Wenn irgendwo was wird verschleudert,
dann brechen Anstandsdämme ein.
Der Mensch ist nicht genug geläutert,
wenn´s wenig gibt noch gut zu sein.

SOZIALE GERECHTIGKEIT

Er wird, weil er den Reichtum mehrt,
als das Finanzgenie verehrt.
Der Laden aber macht Bankrott,
verbockt von diesem Firmengott.
Und „oben“ wird das so erledigt:
Er fliegt und wird zum Trost entschädigt.
Gekündigt auch – doch schlecht bei Kasse –
sitzt die Belegschaft auf der Straße.
Das Management den Sekt entkorkt,
es hat sich gut mit Geld versorgt.
Ein paar Millionen jeweils cash,
die Allgemeinheit zahlt den Crash;
und deshalb wird – wie altbekannt –
die Marktwirtschaft „sozial“ genannt.
Gerechtigkeit ist, wie ich meine,
wenn jeder Mensch bekommt das Seine.
Denn Eigentum war immer schon
gerecht verdienter Leistungslohn.
Hat Einer gar nichts in der Tasche,
ist demgemäß er eine Flasche.
Wenn ´s anders wäre auf der Welt,
wer hätte dann noch Spaß am Geld?
Und wenn ein Mensch nach Reichtum giert,
der Steuersäckel profitiert.
Auch deshalb wird – wie altbekannt –
die Marktwirtschaft „sozial“ genannt.

ÖKONOMISCHE LOGIK

Der Weg aus tiefer Rezession
ist Steigerung der Produktion.
Und Wiederaufbau garantiert,
dass dieser Wachstumsschub passiert;
nur das löst wirklich die Probleme.
Und das Rezept dafür: Man nehme
- worauf als Ökonom ich hoffe -
´ne weltumspannende Katastrophe.

HAUPTSACHE ARBEIT

Ein Mensch, der einen Arbeitsplatz
hat, sollte Dank der Wirtschaft zollen
und nicht noch gierig einen Batz-
en Geld dafür kassieren wollen.
Im Gegenteil: Glücklich schätzen
darf sich ein Mensch der Arbeit hat;
sich für die Wirtschaft abzuhetzen,
macht hochzufrieden und nicht platt.
Wenn jeder schuftet ohne Geld,
wird Vollbeschäftigung erreicht
und Aufschwung in der Wirtschaftswelt:
Da fällt Verzichten doch ganz leicht,
denn Arbeitsplatz und Wachstum sind
das größte Glück für jedermann;
da freut der Mensch sich wie ein Kind,
auch wenn er sich nichts kaufen kann.
Globale Wettbewerbsprofite
sind wie der Hauptgewinn im Lotto –
der Arbeitsplatz ist die Rendite
für den Normalverbraucher Otto.

GELÄNDEWAGEN FAHREN TUT NOT

Allradantrieb, Frontgestänge,
Turbolader, sieben Gänge,
breite Reifen, Kraftpaket,
geeignet, wenn ´s auf Berge geht.
Das Auto - einfach supergeil -
bleibt selbst beim Crash mit Elchen heil.
Ein Schutz davor ist nie verkehrt,
wenn man auf Deutschlands Straßen fährt.
Auch kann ´s Dir ständig hier passieren,
die Orientierung zu verlieren,
dann plötzlich im Morast zu stecken
und elendiglich zu verrecken.
Vor Katastrophen ist geschützt
nur wer in solchem Wagen sitzt,
denn hierin liegt der wahre Sinn
und gar nicht im Prestigegewinn;
wer den für einen Prahlhans hält,
ist nur von blankem Neid gequält.
Geländewagen sind vernünftig,
denn sollte Deutschland wirklich künftig
nur noch Naturgelände sein,
dann hör´ ich schon das große Schrein
all derer, die so dümmlich waren
zu ignorieren die Gefahren;
das wird ein Heulen und ein Klagen -
ein „Autojammer“ sozusagen.
Wer auf Geländewagen steht
ist Realist und auch Prophet.

DAS SCHLITZOHR

Ein Penner schaut mich bittend an,
er tut mir leid – der arme Mann!
Ich öffne Herz und Portemonnaie,
wünsch´ Gottes Segen ihm und geh´.
Am nächsten Tag – es haut mich nieder –
seh´ ich den Kerl im Daimler wieder.
Es stimmt, dass Geben selig macht,
denn selten hab´ ich so gelacht.

KAUFZWANG

Ein Mensch kauft ständig tolle Schnäppchen,
verprasst sein Geld in kleinen Häppchen.
Er sucht begeistert Billigglück,
so schrumpft sein Konto Stück für Stück.
Und plötzlich sieht der Mensch: Au weia!
Da kreist ja schon der Pleitegeier.
Wenn Dummheit mit der Gier sich paart,
bleibt der Ruin ihm nicht erspart.
So greife nicht mit deinen Pfoten
nach Billig-Sonder-Angeboten
und Dingen, die du brauchst mitnichten:
Ersparnis liegt nur im Verzichten.

SCHEIN UND SEIN

Er glaubt, dass penetrantes Grinsen
beim Wahlvolk bringt Vertrauenszinsen.
Die Pose wird zum zweiten ICH,
so primitiv und widerlich.
Und riesengroß sind wohl die Massen,
die von der Show sich täuschen lassen.
Doch stell´ dir vor sie wären ehrlich,
das wär´ extrem sozialgefährlich:
Wenn Mimik, Gestik, Körperhaltung
und insgesamt die Selbstgestaltung
entsprächen ganz dem wahren ICH,
das wär´ fürs Image fürchterlich.
Das Anseh´n würde Schaden nehmen,
man müsste sich als Bürger schämen.
Von Menschen mit Charaktermängeln
lässt sich das Volk nun mal nicht gängeln.
Verwirrung bräche aus im Land,
wenn Mensch nicht spürt die starke Hand –
womit die These ist begründet,
dass Ehrlichkeit im Chaos mündet.
Die Imagepflege nährt immens
die Illusion der Kompetenz.
Gewissheit schafft der schöne Schein,
politisch gut geführt zu sein.

DER GLÜCKSUCHER

Ein Mensch probierte alles aus,
fast panisch suchte er sein Glück;
er war nicht in sich selbst zuhaus,
drum suchte er den Psycho-Kick.
Er kannte weltweit jede Sekte,
nutzt´ jedes Heilungsangebot,
doch fand er nie was in ihm steckte:
Sein Inneres war nicht im Lot.
Es scheffeln manche Menschen Geld
durch den Verkauf von Glücksversprechen,
von denen niemals eines hält;
der Traum des Suchers wird sich rächen:
Jetzt ohne Geld und sehr frustriert
ist doppelt er ein armes Schwein.
Er hat sich selbst nicht akzeptiert,
konnt´ deshalb nie zufrieden sein.
Und die Moral von der Geschicht´:
Glaub´ nie an diesen Psycho-Mist,
denn helfen können Gurus nicht,
wenn du nicht selbst weißt wer du bist.

EINE SEELE ERWACHT

Ich hatte einen reichen Mann,
war unreif, dumm wie Bohnenstroh.
Das Einzige – scheint es – was ich kann,
ist wackeln mit mein´m süßen Po.
Ich soff mich täglich dumm und dämlich,
weil ich so schrecklich einsam war;
mein Leben war für mich beschämlich,
ganz elend, arm und lapidar.
Ich fragte mich in mancher Nacht:
Wie habe ich mich nur verloren?
Dann hab´ ich schmerzlich nachgedacht,
und Wahrheit habe ich geboren.
Das Geld hat mich manipuliert,
das Herz ist dabei kalt geblieben;
Gefallsucht hat mich korrumpiert,
das hat mich seelisch aufgerieben.
Jetzt will ich wieder ehrlich fühlen,
mein wahres ICH ganz neu entdecken,
nicht mehr mit Eitelkeiten spielen
und mich zum Leben neu erwecken.
Das kleine Mädchen in mir trauert
den ungelebten Träumen nach;
es hat nun lang genug gedauert:
Ich küss´ das Leben in mir wach.

MODELS SIND WAS BESONDERES

Mit gezierten Trippelschritten
und entblößten Minititten:
Albern wippt die Modelsippe
über ´n Laufsteg als Gerippe.
Leider sind die Modepüppchen
künstlich – fade Einheitssüppchen.
Nie bei einer Laufsteg – Schau
sieht man eine echte Frau.
In der Welt der Glitzerfummeln
sich nur solche Typen tummeln,
die mit den Schablonenmaßen
sich nicht unterscheiden lassen.
Modeschöpfer heißen Leute,
die der modegeilen Meute
geben, was das Glück vermehrt:
schick zu sein und heiß begehrt.
Auch sind diese gut betucht,
weil der Mensch nach Mode sucht.
Zum Verdienst am schönen Schein
wechselt jährlich das Design.
Mensch erfährt, was so gefällt
in der Modeschauen – Welt.
Models laufen ferngesteuert,
als Roboter angeheuert,
plakatiert mit teurem Zwirn,
Kleiderständer ohne Hirn.
Manches spricht wohl auch dafür,
Models als ein Schalentier –
oder auch als Hülsenfrucht –
anzuseh´n: durch Sonderzucht.

„UNGEREIMTES“ AN EINEN MENSCHEN

Du willst Frieden, aber Du kannst nicht tolerant sein.
Du willst geliebt werden, aber Du kannst nicht lieben.
Du willst Übereinstimmung, aber Du kannst nicht verstehen.
Du willst Freiheit, aber Du kannst nicht loslassen.
Du willst Gerechtigkeit, aber Du kämpfst nur um Macht.
Du willst eine gesunde Welt, aber Du kannst nicht verzichten.
Du willst stark sein, aber Du kannst keine Schwäche ertragen.
Du willst vertrauen, aber Du kannst die Kontrolle nicht aufgeben.
Du willst alles beherrschen, aber Du kannst nicht bescheiden sein.
Du willst Glück, aber Du suchst nur nach Lust und Sicherheit.
Du willst zwar alt werden, aber nie alt sein.

Lieber Mensch!
Kein Hut der Welt ist so groß,dass Du Dich selbst unter einen solchen bringen könntest.

TEIL 3:
HAT ALLES WAS MIT ELTERN; KINDERN UND ERZIEHUNG ZU TUN

DER DILETTANT (2)

Ein Mensch studierte Pädagogik,
wollt' alles über Kinder wissen.
Doch fehlt des Herzens kluge Logik,
ist er als Profi ganz beschissen.

PSSST !

Lebendig klingen Kinderstimmen
in einem deutschen Restaurant.
Doch Mama will sie leise trimmen:
Man „schschscht“ und „pssst“ vernehmen kann.
Ich höre gern der Kinder Lärm,
und wie vor Lebenslust sie strotzen;
das schlägt mir gar nicht auf ´s Gedärm –
nur dieses Zischeln ist zum Kotzen.

EINE ERZIEHERIN QUÄLT SICH MIT FRAGEN

Mach´ ich mit Kindern alles richtig?
Und welche Ziele sind mir wichtig?
Wo soll ich nur die Grenzen setzen?
Erlaube ich, dass sie sich fetzen?
Was werden bloß die Eltern sagen?
Und wie viel Freiheit kann ich wagen?
Wenn Fritz Paulinchens Unschuld raubt,
weil Sex mit Fünf ich hab' erlaubt:
wird vor Gericht man gar mich schleifen?
Wann sollen Kinder was begreifen?
Muss ich nach außen immer lachen,
wenn mich die Kinder fertig machen?
Wie kann bei dem ich Ruh' bewahren,
was Kleine schon an Schmerz erfahren?
Soll ich die Kinder ständig loben?
Wie produktiv ist 's, wenn sie toben?
Und muss ich ruhig im Buche blättern,
wenn mich die Rotznasen beklettern?
Was förder' ich mit welchen Spielen?
Auch angesichts von maßlos vielen
Ideen zum Basteln bin ich kirre -
welch pädagogisches Gewirre!
Ist Disziplin beim Essen richtig?
Sind Süßigkeiten denn so wichtig?
Und kann mir helfen, wenn´s mal knallt,
ein Kurs zum Umgang mit Gewalt?
Was soll ich bloß den Eltern raten,
die ehrgeizig ihr Kind verbraten?
Muss ich auch immer alles wissen?
Und darf ich manchmal auch beschissen
die Kinder finden, wenn sie nerven?
Wie kann ich meine Waffen schärfen?
Und muss ich beim Geschrei der Blagen
dies noch mit Freundlichkeit ertragen?
Soll ich mit allen Kindern schmusen,
sie zärtlich drücken an den Busen?
Quäl dich nur nicht mit solchen Fragen,
denn denk daran in allen Lagen,
dass auch die Kinder Menschen sind
wie du und ich - nur eben Kind
und nicht Erziehungsgegenstände:
Setzt mehr Vertrauen in Kinderhände!

SPÄTE RACHE

Ein Mensch erlitt als Kind viel Pein,
doch leider hat er ´s ganz vergessen.
Nun darf er selber Eltern sein:
Und plötzlich will er ganz versessen
aus seinen Kindern Helden machen.
Und immer wieder schlägt er zu:
Die Kleinen haben nichts zu lachen.
Vergessenes lässt ihn nicht in Ruh.

ENTWICKLUNGEN

Ein Mensch – von Anfang an geliebt –
die Liebe in sich weitergibt.

Ein Mensch – als Kind schon abgelehnt –
nach Größe durch Gewalt sich sehnt.

Ein Mensch – der Freiheit hat erlebt –
sie stets für Andre auch erstrebt.

Ein Mensch – schon früh im Stich gelassen –
kann nur sich selbst und Andre hassen.

Ein Mensch – der mit Respekt behandelt –
nicht Menschen und Natur verschandelt.

Was Kinder als „DU BIST“ erfahren,
das wird ihr ICH in sich bewahren.

SCHWIERIGER FALL

Sogar den allergrößten Flegeln
sind gut bekannt die ganzen Regeln,
wie Mensch sich anständig verhält
und seinen Mitmenschen nicht quält.
Selbst jeder Kriminelle weiß:
„Was ich jetzt tu ist großer Scheiß.“
Es bringt rein gar nichts, den Rabauken
soziale Regeln einzupauken.
Belehrung geht grundsätzlich schief.
Ein Irrtum ist – und auch naiv –
der Glaube vieler Pädagogen,
die Typen sei´ n nur schlecht erzogen.
Damit die ihr Verhalten steuern,
muss man sie psychisch runderneuern:
Gut ausgewuchtet mit Profil
beherrschen sie das „Regel – Spiel“
im zwischenmenschlichen Verkehr –
sie halten Spur und steh´n nicht quer.

KEIN WUNDER

Ein Mann ist sehr autoritär,
sein Kind erpresst und prügelt er.
Jetzt wundert er sich hinterher:
Sein Sohn ist Alkoholiker.

ERZIEHUNGSMAXIME

„Mein Kind, ich will für dich das Beste,
weil ich dich über alles liebe.“
So bleibt moralisch weiß die Weste;
das funktioniert ganz ohne Hiebe.
Kein Kind würd´ s jemals ernsthaft wagen,
dem Argument zu widersprechen -
viel eher ließe es sich schlagen,
anstatt sein kleines Herz zu brechen;
denn zwischen Unterwerfung wählen
und: nicht mehr geliebt zu werden,
das muss den kleinen Menschen quälen,
die zarte Seele stark gefährden.
Und später greift der Mensch zum Flachmann,
dann spürt er nicht mehr diesen Schmerz.
Auch kümmert sich so mancher Fachmann
um das erpresste Kinderherz.

VERGEBLICHE LIEBESMÜH´

„Du bist so artig und so fleißig –
ich liebe Dich“ sagt Mama eisig.
Das Kind durchschaut nicht diese Lüge,
sie wird zum inneren Gefüge.
Der Mensch wird sich in seinem Leben
für „Liebe“ große Mühe geben,
vor Fehlern ewig auf der Flucht –
bemerkt nicht, was er wirklich sucht.
Von Sucht nach Lob und Geld getrieben
kann er nicht SICH und ANDRE lieben.
Er macht sich so vergeblich krumm,
wird depressiv und bringt sich um.

KOMPENSATION (2)

Als Kind geknechtet war er ständig
nur angepasst und nicht lebendig.
Als Diener stets gut zu gebrauchen,
ließ er sich nur zusammenstauchen.
Doch eines Tags – man glaubt es kaum –
erfüllte sich sein Lebenstraum:
Ein neuer Führer gab ihm Macht,
wodurch er es zu was gebracht.
Und im Bewusstsein großer Stärke
ging rücksichtslos er nun zu Werke.
Gefährlich ist ein mächtiger Wicht,
erkennt sein wahres ICH er nicht;
denn Sklavenhalter will er sein,
sich nicht vom Sklave sein befrei´n.

RICHTIG LOBEN UND STRAFEN

Es ist bekannt, dass jedes Kind
zu loben ist, sodass die Quint –
essenz nur gipfelt in der Frage:
Wie tu´ ich was in welcher Lage?
Auch was so lobenswert erscheint,
dass niemand ernsthaft das verneint,
will ich am Rande nur erwähnen –
die Liste wäre auszudehnen:
Zum Beispiel nie beim Essen kleckern
und keine Anweisung bemeckern;
auch immer zeitig schlafen gehen,
natürlich gern den Rasen mähen.
Das Kinderzimmer aufgeräumt
und nie die Haushaltspflicht versäumt
zu haben und respektvoll sein,
wird gern verlangt vom Kindelein.
Mit jedem hergestellten Werk
macht sich beliebt der Künstlerzwerg.
Und pädagogisch wichtig ist
die Euphorie bei jedem Mist.
Bei vielen andren guten Taten
ist Eltern folgendes zu raten:
Man sollte streicheln exzessiv
des Kindes Haupthaar und dann tief
ihm in die großen Augen blicken –
ein frohes Kind macht selten Zicken.
Als Lob Aktionen zu erlauben,
verstärkt im Kind den tiefen Glauben,
dass brav zu sein sich immer lohnt,
wenn guter Geist ihm innewohnt:
Gefragt ist also die Verbeugung
vorm Elternwunsch aus Überzeugung.
Elitekindern es gebührt,
dass ihr Genie wird vorgeführt;
für ´s Kind ist es der schönste Preis,
wenn Nachbarn und der Freundeskreis
der Eltern neidisch es begaffen –
kein Mensch denkt da an Zirkusaffen.
Auch ist erfolgreich das Versprechen,
für gute Taten Geld zu blechen.
So wird ein Kind schon früh gewohnt,
dass Leistung sich im Leben lohnt.
Lob hin, Lob her – es ist auch wichtig
zu strafen: pädagogisch richtig.
Wenn beispielsweise wird verletzt,
was Eltern als Gebot gesetzt,
empfiehlt sich oft zur Seelenqual
die Endlos – Predigt von Moral
gewürzt mit tränenvollen Blicken;
das Kind wird voller Einsicht nicken.
Wenn das nicht hilft, dann nimm als Waffe
die Ignoranz als Psycho – Strafe.
Das Kind bereut dann sein Verbrechen,
damit die Eltern mit ihm sprechen.
Für pädagogisch Antiquierte
und geistig einfach Strukturierte
gilt Prügelstrafe als bewährt,
weil sie am besten Sitten lehrt;
zwar ist sie ethisch zweifelhaft
und setzt voraus mehr Körperkraft,
doch gilt auch hier was jeder kennt:
Erfolg ist stets ein Argument;
absurd ist doch die flaue Logik
der Wattebäuschchen – Pädagogik!
Mit wenig Aufwand wirkt auch immer
die Einzelhaft im Kinderzimmer.
Das Kind wird sich dann konzentrieren
und sein Verhalten reflektieren.
Genervten Eltern ist bekannt,
dass Ruhe in der Haft entspannt.
Geläutert ist das Kind und reifer,
beglückt von neuem Tugendeifer.
Wenn Kinder sich nicht mehr bemühen,
dann ist es nötig zu entziehen
die Liebe, Geld und Fernsehzeit;
der größte Sünder ist bereit,
um dieses nur zurückzukriegen,
sein Rückgrat vollends zu verbiegen.
Erzieherische Leidenschaft,
gepaart mit großer Geisteskraft,
ist nötig, wenn wir Eltern sind.
Ein funktionierendes tolles Kind
ist nicht nur Profis vorbehalten;
wenn Eltern Phantasie entfalten –
wie oben beispielhaft beschrieben –
mit Psycho – Tricks und auch mit Hieben,
dann haben sie sich ganz versiert
als „Kind – Designer“ profiliert.

PUBERTÄT

Das Bad ist belagert, das Telefon auch;
das Zimmer ein Chaos mit Duftkerzenrauch.
Die Kleidung ist schrill und die Haare hellblau,
sie ist grade fünfzehn und fühlt sich als Frau.
Auch hat sie die Weisheit mit Löffeln gefressen,
doch stets ihre Pflichten im Alltag vergessen.
Die Eltern sind auch nur ´ne lästige Plage,
und was sie auch sagen, gibt Anlass zur Klage.
Gebraucht werden Eltern in Töchterchens Welt
als dienstbare Geister mit ausreichend Geld.
Das Mädchen ist also normal und verrückt,
doch außer den Eltern ist jeder entzückt:
Man sagt ihr, aus ihr werde sicherlich künftig
mal ganz was Besond´res – sie sei so vernünftig.
Ich kann es nicht glauben, doch sage ich offen,
die Meinung der Freunde lässt mich wieder hoffen,
dass selbst dieses Kind zur Erwachsenen reift
und uns als ganz brauchbare Eltern begreift.
Vor Wut hat sie neulich ihr Zimmer zerfetzt,
weil irgendein Kerl sie zutiefst hat verletzt;
sie war so verzweifelt und ganz aus dem Lot,
sie suchte Geborgenheit in ihrer Not.
Und hemmungslos weinte sie, weil sie so litt –
wir waren uns nahe, mein Herz fühlte mit.
Und dann kam ein Satz, der tief mich berührte
und mir ihr Vertrauen vor Augen führte:
Wir seien – und dieses bisher nicht vergebens –
für sie das Netz unter dem Seil des Lebens.

ERSTE LIEBE

Mein Töchterchen – fünf Jahre alt –
ist in den kleinen Max verknallt.
Für beide ist es völlig klar:
Sie sind ein festes Liebespaar.
Für solches ist es ein Vergnügen,
zu zweit in einem Bad zu liegen.
Ich schau – diskret zwar – aber doch
ganz neugierig durchs Schlüsselloch.
Sie kreischen, toben, haben Spaß
und spritzen die Umgebung nass.
Dann plötzlich unter lautem Lachen
beschließen sie, ein Kind zu machen.
Gut aufgestützt, die Beine breit,
ist nun mein Kind empfangsbereit.
Und Max mit seinem Schniedelwurz
versucht sein Glück; es folgt ein Sturz,
der beide unter Wasser drückt –
mir scheint der Zeugungsakt missglückt.
Dann wird gekichert und geprustet,
verschlucktes Wasser ausgehustet.
Noch vier Versuche – gleiches Schema,
die Schnauze voll – ein neues Thema.
Von beiden wird jetzt ausgedacht:
Nach Baden folgt Spaghettischlacht.
Und dann wird im Detail erzählt,
wie man ein Quietsche – Entchen quält.
Ich ahne jetzt den Mordverlauf
und setze schon mal Wasser auf.
Ganz richtig war das Lauschen nicht:
Ich bin moralisch in der Pflicht
und will das wieder grade biegen:
Sie werden viel Spaghetti kriegen!

WONNEPROPPEN

„Mein Gott, was ist das für ´ne Süße!
Die Händchen und die kleinen Füße!“
Da tobt das Jauchzen und Geschwärme –
ein blödes Eideidei – Gelärme.
Die Menschenherzen sind begeistert,
Entzücken das Gehirn verkleistert.
Da wird gequietscht und viel geplappert,
das Baby mit Geräusch besabbert.
Der kleine Mensch nimmt es gelassen
und denkt nur schmunzelnd: Nicht zu fassen,
wenn wir als Kinder kindisch sind,
heißt´s streng: „Sei nicht so albern - Kind!“

WASSERSPIELE

In weiter Landschaft eine klitze –
kleine aber tiefe Pfütze;
das kleine Kläuschen ortet diese
mit Pfützensensor ganz präzise.
Er hüpft und springt und planscht und spritzt,
und plötzlich er im Wasser sitzt.
Die Mama schreit „mein lieber Klaus,
du kommst jetzt aus der Pfütze raus,
sonst werde ich dich zu mir holen
und kräftig dir den Arsch versohlen!“
Doch Kläuschen weiter kräftig platscht
und lustvoll auch noch backermatscht.
Noch während er mit Freude spritzt
kommt Mama schäumend angeflitzt.
Sie stolpert über einen Stein
und fällt in diese Pfütze rein.
Nun sind sie beide klitschenass,
das Kläuschen hat jetzt doppelt Spaß.
Und die Moral von der Geschicht´:
Verbiete Kindern Pfützen nicht;
wenn Du auf Kinderfreuden scheißt,
sich das als Bumerang erweist.

TEIL 4:
HAT ALLES WAS MIT ESSEN; TRINKEN UND KNEIPE ZU TUN

NOTLÖSUNG

Ein Mensch quatscht mich am Tresen voll:
Er sabbelt, sabbelt, sabbelt, sabbelt.
Ich hör nicht hin, er findet sich toll:
und brabbelt, brabbelt, brabbelt, brabbelt.
Ich frage mich: Wie werd ich los
das penetrante Quasseltreiben?
Da rettet mich – ich bin famos –
das Argument: ich will was schreiben.

MÄNNERABEND

Ich habe gestern Bier getrunken
mit meinem allerbesten Freund.
Wir waren ins Gespräch versunken
und fühlten seelisch uns vereint.
Erledigt waren alle Themen,
die Männer zu besprechen haben.
Ein letztes Gläschen wollten wir nehmen:
ein Prost auf das, was wir uns gaben.
Da pöbelt ein Besoffener rum,
es zanken Weiber bitterböse;
wir schürften tief – da kommt uns dumm
und primitiv vor das Getöse.
Ein Mann müllt uns mit Witzen voll,
wir wollten schnell nach Hause geh´n –
sie war so blond, der Busen quoll,
ganz einfach geil anzuseh´n.
Nun fingen wir auch an, Schnaps zu saufen
und laberten die Schöne an;
wir johlten mit im grölenden Haufen,
es floss der Sprit, die Zeit verrann.
Zwei reife, weise Lebenskenner –
verführt von Schnaps und Busenmasse –
war´n letztlich nur zwei Hampelmänner.
Die Kneipennacht war richtig klasse.

KLEINER TROST

Ich sitze abgeschlafft am Tresen;
voll Stress ist dieser Tag gewesen.
Ich schaue in zwei schwarze Augen,
mein Blick beginnt sich festzusaugen.
So lässt vergessen was heut´ war
ein wunderschönes Augenpaar.

MÄNNER SIND BESCHEIDEN

Ein Mann betritt ein Restaurant
mit großem Durst und knurrendem Magen;
alsbald bestellt der gute Mann,
vergnügt ist er und ohne Klagen.
Doch als das Warten ist von Dauer,
blickt er verärgert auf die Uhr,
so langsam wird er ziemlich sauer;
wo bleibt denn dieser Kellner nur?!
Im Geist er wütende Reden schwingt,
zu pöbeln ist er gar geneigt -
´ne Schöne ist ´s jedoch, die ´s bringt;
voll Dankbarkeit ist er und schweigt.

„BITTE EINE THÜRINGER!“

Ich steh´ am runden Grillwurststand
und schaue hungrig und gebannt
dem Würstchenmann beim Grillen zu.
Reihum fragt er: „Was möchtest du?“
Doch mich scheint er zu übersehen.
Die Menschen, die woanders stehen,
will er bevorzugt wohl bedienen,
obwohl sie nach mir erst erschienen.
„Aha“ begriff ich haargenau:
Ein Seitenwechsel wäre schlau,
anstatt mit einem leeren Magen
mein schlimmes Schicksal zu beklagen.
Gesagt getan, doch siehe da,
wo eben ich noch unsichtbar,
befragt der Wurstmensch Jene „nun -
was kann ich für euch Lieben tun?“
Jetzt bin ich sauer und empört
und rufe laut, dass er mich hört,
ich würde hier schon ewig steh´n,
er wolle mich wohl überseh´n!
Doch dreist entspannt sagt dieser Mann,
man sei der Reihe nach hier dran.
Mit neidisch - sehnsuchtsvollen Blicken
seh´ ich nur Menschen Wurst verdrücken.
Wer nun versteht den riesen Frust,
begreift auch meine Streiteslust;
doch übe ich mich in Geduld
und geb´ dem Mann nur leise Schuld,
obwohl mich reizt ein Wortgefecht.
Wer Wurst verkauft hat immer Recht.
Als ich sie endlich auch bekomm´,
bin ich vor Dankbarkeit lammfromm.

GESTÖRTE RUHE

Ein Mensch sitzt glücklich im Lokal,
Musik spielt leis´ im Hintergrund.
Er gönnt sich wöchentlich einmal
ein Fressen - richtig ungesund.
Da fängt ein Kind laut an zu brüllen,
es quengelt, nörgelt, gibt nicht Ruh´;
dann fängt die Mutter an zu schrillen:
„Sei endlich still! Hör mir mal zu!“
Der Mensch quält mühsam sich durch ´s Essen,
es schlägt ihm ziemlich auf den Magen.
Nicht schädlich ist das fette Fressen,
nur laute Mütter mit ihr´ n Blagen.
Die Mutter quatscht jetzt pädagogisch,
verspricht was Süßes als Belohnung.
Der Mensch erkennt, und das scheint logisch,
gesünder frisst man in der Wohnung.

PECH (3)

Ein Mensch hat viel und fett gegessen
und fühlt sich richtig voll gefressen;
und wenn er dann zum Kotzen rennt,
heißt dies: missglücktes „Happi - End“.

PROST (1)

Ein Mensch besoff sich still am Tresen:
Es war ein Scheißtag heut gewesen.
Nach zwölf Bier sah er ´s wieder locker,
und selig kippte er vom Hocker.
Am nächsten Morgen: Oh wie grausig -
der Schädel brummt, es geht ihm lausig.
Er schwört sich, niemals mehr zu saufen,
egal wie schlecht der Tag gelaufen.
Doch heut - die Schicksalssonne lacht -
gelingt ihm alles was er macht.
Am Abend sagt er: „Es muss sein“
und säuft sich voll mit gutem Wein.
Den Schwur hat er nicht mal gebrochen,
denn gestern hat er nur versprochen,
aufs Unglückssaufen zu verzichten -
auf Glückesrausch jedoch mitnichten.

PROST (2)

Ein Mensch sitzt blau an einem Tresen:
Die Seele soll am Suff genesen.
Er träumt von Frauen in seinem Bett,
der Alkohol ist ziemlich nett.
Doch leider sind am nächsten Morgen
schon wieder da die alten Sorgen.
Wenn niemals klappt was er gern will,
dann hilft nur Träumen mit Promille.

DER GESUNDHEITSAPOSTEL

Ein Mensch isst klinisch reine Nahrung
und nichts von dem was kreucht und fleucht.
Doch schrecklich dann die Offenbarung:
Die Luft zum Atmen ist verseucht.
Er raucht nicht, trinkt null Alkohol,
bewegt sich täglich stundenlang;
er achtet streng auf ´s Körperwohl -
da macht ´ne Frau ihn liebeskrank.
Er ist ein Mensch, der alles tut,
um fit, gesund, vital zu sein;
und ständig ist er auf der Hut -
da kommt ein Alterszipperlein.
Und die Moral von der Geschicht´:
Das Leben geht nicht ohne Leiden;
und richtig krank macht der Verzicht,
mit dem du dieses willst vermeiden.

DIÄTENWAHN

Sie steckt in einer Selbstwertkrise:
„Die Pfunde weg“ heißt die Devise.
Diät soll jeden Speck vernichten,
heroisch will sie nun verzichten.
Doch glücklich macht sie leider nicht,
zu reduzieren das Gewicht.
Das Abnehm´n fällt ihr schrecklich schwer;
mit nichts beschäftigt sie sich mehr,
weil alles um Diäten kreist,
und dass sie nicht was Falsches speist.
Von alter Krise abgelenkt,
hat ihr ´ne neue nun geschenkt
der Kampf gegen die Gaumenlust
und der verzichtbedingte Frust.
Vergeblich war der Wunsch gewesen,
durch Schlankheit psychisch zu genesen.

GAUMENLUST UND EITELKEIT

Als Säugling hängt man an der Brust,
dann folgt die Nuckelflaschenlust.
Danach man gern ein Breichen hätte,
es folgt die ganze Fresspalette.
Der Mensch frönt gern der Gaumenlust,
er isst aus Spaß und auch aus Frust.
So werden viele rund und dick,
obwohl das Schlanksein gilt als schick.
Es liegen stets im Widerstreit
Genusssucht und die Eitelkeit.
Doch willst du lösen das Problem,
darfst du nicht neigen zum Extrem.
Nach wissenschaftlichen Recherchen
das Fazit heißt: Du musst beherrschen
die Kunst der Ausgewogenheit,
ergänzt mit Weight – Watch – Gläubigkeit.
Ein Mensch, der nicht sich selbst vertraut,
nun ständig auf die Waage schaut.
Es ist ein tägliches Erlebnis:
Die Waage sagt Dir das Ergebnis,
ob Orgien oder Null – Diät,
und wie es um die Schönheit steht.
Und wenn die Waage mal versagt,
dann wird sie vor Gericht verklagt.

WORTFETZEN

Ich sitze in einem Café an der Straße.
Meine Aufmerksamkeit gilt in hohem Maße
den bunten Wortfetzen im Stimmenchor –
Stakkato und fliehend – es dringt in mein Ohr:
„... wann geh´ n wir denn endlich die Möbel kaufen ...
... musstest du gestern dich wieder besaufen...
... mein Freund redet nie über seine Gefühle...
... wer hat denn ab 40 noch lohnende Ziele...
... da waren nur Bräute mit riesigen Titten...
... ein Vortrag über Verrohung der Sitten ...
... was soll ich bloß anzieh´n zu Annegrets Fete...
... zu viel gefressen, mir platzen die Nähte...
... in der City war wieder Idiotentreffen...
... ich kriege ´ne Krise wenn Köter kläffen...
... ich schenke der Susi ´ne neue Puppe...
... beschissen ist diese Frauengruppe ...“
Ich hab´ es gehört und mich dann gefragt,
was wurde wohl vor diesen Sätzen gesagt?
Ich male mir gern auch die Fortsetzung aus –
so hab´ ich zu denken und gehe nach Haus.

FAMILIENBETRIEB

Ein Pärchen sitzt vergnügt am Tresen
und guckt sich an was da so läuft:
Die Einen sabbeln, andere dösen,
der Eine frisst, der Andere säuft.
Der Opa ist ein faules Schwein,
er lässt sich richtig gern bedienen
und mischt sich dreist in alles ein.
Die Enkel spiel´ n mit guten Mienen
das böse Spiel gelassen mit.
Sie zapfen Bier und bringen Essen
und denken insgeheim nur „shit“;
ihr Frust ist nicht schwer zu ermessen.
Dann fällt die Zapfanlage aus,
die Gäste linksseits reißen Zoten,
Papa stürmt aus der Küche raus –
das Lachen hat der Takt verboten.
Stattdessen trinken wir ´nen Kurzen
und üben uns in Mitgefühl.
Ich möchte einmal kräftig furzen
als Antwort auf das lustige Spiel.
Vom Tresen aus sieht man das Leben,
da ist halt immer etwas los.
Ein großes Trinkgeld werden wir geben:
Der Unterhaltungswert war groß.

TEIL 5:
HAT ALLES WAS MIT MÄNNERN, FRAUEN UND LIEBE ZU TUN

MÄNNLICHE SELBSTÜBERSCHÄTZUNG

Mit seiner Wanze ging ein Wanz
am Wochenende mal zum Tanz.
Doch dieser Wanz hat nur begafft
ein süßes Wanzlein: zauberhaft.
Er affig sie umtänzelte
und aufdringlich scharwänzelte.
Die Wanze fing nun an zu tanzen
und flirtete mit andern Wanzen;
und dann entschwand sie plötzlich ganz
mit einem attraktiven Wanz.
Ein schöner Wanzling kam herein
und schnappte sich das Wanzelein.
Der Wanz hat plötzlich keine mehr,
nun sitzt er da und leidet sehr.
Doch rettend kommt ihm die Idee,
es täte bald den Wanzen weh,
dass sie ihn schnöde haben verschmäht;
er säuft sich wieder froh und geht.
Und die Moral von der Geschicht´:
Überschätz als Wanz dich lieber nicht;
denn alle Wanzen finden längst
dich nicht so super wie du denkst.

MANN IST MANN

Ein Mann steht vor dem Himmelstor,
und Petrus fragt: „Hast du gesündigt?“
Die Frage kommt ihm grausam vor:
Das Leben hat ihm grad gekündigt.
Doch dann gesteht er ehrlich ein,
was er verbrochen hat im Leben.
Und Petrus lächelt: „Komm´ herein -
ich will dir eine Chance geben.“
Doch kaum ist dieser Mann im Himmel,
verführt er schon ´nen blonden Engel.
Er bleibt diktiert von seinem Pimmel –
was ist der Kerl doch für ein Bengel.
Und Petrus ist zutiefst betroffen,
was dieser Mann im Himmel treibt,
begann er doch ganz zart zu hoffen,
dass Mann im Himmel sauber bleibt.
Ob diesseits, jenseits oder wo:
Ein Mann ist immer nur ein Mann.
Doch Gott erschuf ihn sowieso
zur Probe nur und just for fun.

DER UNTEROFFIZIER

Er sprach von Treue, Ehr´ und Härte;
(der deutsche Mann trägt keine Bärte)
beim Übungsschießen sprach er dies,
wobei er deutsche Schützen pries.
Ein Schuss hat plötzlich sich entladen,
traf leider einen Kameraden;
der Mann sank lobend noch dahin:
Er hatte zu viel Blut geseh´n.

TOILETTENPHILOSOPHIE

Ein Mann geht auf Toilette - pissen.
Er möchte einmal zu gern wissen,
was Frauen denn auf Klo so tratschen,
wenn sie vorm Spiegel steh´n und quatschen.
Doch dieses macht ihn sehr beklommen:
Er wird es nie herausbekommen.
Und nachdenklich am Urinal
fragt er sich, ob es je einmal
´ne Chance gibt zum Mäuschenspielen?
Und statt auf Nachbars Schwanz zu schielen,
beschäftigt sich der Geistesheld
mit solchen Rätseln dieser Welt.
Und dann kommt er zu dem Entschluss:
Den Frauen auf Toilette muss
es umgekehrt so ähnlich geh´ n.
Und tröstend sagt er sich: Wie schön,
dass Manches ewig bleibt verborgen.
Mein Gott, was hat der Mann für Sorgen!
Und die Moral von der Geschicht´ :
Quäl dich mit solchen Rätseln nicht.
Viel wichtiger als manches Wissen
ist es, gedankenlos zu pissen.

TRAGIK

Ein Mann träumt oft von süßer Lust
mit einer unerreichbar Schönen.
So macht bescheiden ihn der Frust,
dass es ihm reicht, mit ihr zu klönen.
Sein Blick beginnt sich festzusaugen,
er will umarmen sie und küssen.
Dann schaut er tief ihr in die Augen
und liegt ihr innerlich zu Füßen.
Doch wenn auch sie so ähnlich fühlt
und fürchtet sich zu offenbaren...?
So tragisch oft das Leben spielt:
Sie werden ´s beide nie erfahren.

(K)EIN WUNDER

Ein Mann sitzt einsam auf der Bank
und grübelt leidend vor sich hin:
Die Zukunft hat er aufgegeben.
Da kommt ´ne Schöne - rank und schlank,
setzt lächelnd kess sich neben ihn:
Da will er plötzlich wieder leben.

PECH (2)

Am Badestrand ein Mann flaniert,
begafft die Frauen ungeniert.
Er schwelgt in Phantasien, und schon
bekommt er eine Erektion.
Er träumt sich geil; gerne hätte
von diesen Eine er im Bette.
Ein tolles Weib sieht seine Not
und macht ihm kess ein Angebot.
Da schreckt er hoch aus seinem Traum -
erstaunt, verwirrt und glaubt es kaum.
Am Haken zappelnd wie ein Fisch
zieht ihn die Dame ins Gebüsch.
Sie zeigt ihm ihre pralle Brust
und ist ganz scharf auf Fleischeslust.
Sie legt sich hin, die Beine breit,
ist für den Liebesakt bereit.
Und stöhnend haucht sie: „Stoße ganz
in mich hinein mit deinem Schwanz.“
Begierig, feucht und äußerst geil
erwartet sie den Liebespfeil.
Er will genießen Liebesglück -
sein Schniedel zieht sich jäh zurück.
Im Traum zu voller Pracht erblüht,
der Mann sich nun vergeblich müht;
das phantasierte Sex-Getümmel
läuft leider nicht: Es streikt der Pimmel.
Und von erhofftem Liebeslohn
am Ende blieb nur Frustration.
Dies ist ein tragisches Gedicht!
Und die Moral von der Geschicht´ :
Wenn du erträumst den Himmel auf Erden,
kann ´s ganz real nur schlechter werden.

SELBST SCHULD

Ein Wattwurm guckt aus seinem Watt
und sieht sich an den Weibern satt,
die bratend in der Sonne liegen
und sicher bald ´nen Sonnenbrand kriegen.
Doch jäh ist ´s aus mit dem Genuss,
es tritt ihn platt ein Damenfuß.
Der Wattwurm wurde hingerafft
zur Strafe, weil er Frau´n begafft´.

IMPONIERGEHABE

Ein Mann umgarnt ´ne schöne Frau;
er will sich prächtig mit ihr schmücken
und sich und sie im Bett beglücken;
solang er wirbt ist alles Schau.

GESCHLECHTERNATUR

Warum nur wollt Ihr auch noch schlau sein?
Reicht Euch das nicht: nur einfach Frau sein?
Denn Ihr zerstört mit solchem Streben
des Mannes zartes Seelenleben.
Nur darauf ruht sein Gleichgewicht,
dass keine Frau ihm widerspricht.
Dies ist ein lang bekannter Fakt,
den Ihr behandeln sollt mit Takt.
Wenn Mann Euch Eure Freiheit raubt,
geschieht das nur, weil Ihr ´s erlaubt.
So wird bestätigt die Erkenntnis:
Er fühlt sich stark, sie hat Verständnis.
Ein Mann jedoch sich schwächlich zeigt,
wenn Euer Großmut einmal streikt.
Soll die Beziehung also glücken,
müsst Ihr die Stärke unterdrücken.
Emanzipierter Eigenwille
führt nur zu täglichen Promille
und lässt entstehen sehr viel Leid,
viel Schmerz und große Einsamkeit.
Genetisch seid Ihr programmiert,
dass Ihr die Männlichkeit hofiert.
Nur dann erlebt Ihr wahres Glück
durch eines Mannes bestes Stück.
Ein Mann hat sich dies ausgedacht
und damit den Beweis erbracht:
Man muss ihn einfach geistreich nennen;
nur kluge Frau´n könn´n dies erkennen.

MÄNNLICHE ILLUSION

Er hält sich für den tollsten Hecht
und sagt kokett: „Ich war nicht schlecht!“
Doch sie erlebt nur öden Frust
und spielt ihm vor die Liebeslust.
Es schmeichelt seiner Eitelkeit,
wenn sie vor Wonne stöhnt und schreit.
Sie macht ´ne Schau und denkt: „Was soll ´s -
ich lüge zwar, doch er ist stolz.“
Er merkt nicht, dass sie überdrüssig
den Penis hält für überflüssig.
Sie schwelgt mit Lust in Phantasien
und hat Orgasmen ohne ihn.

UNGERECHT

Die Henne legt ein riesen Ei
und nimmt ´s zur Kenntnis nebenbei.
Der Hahn zwei kleine Ködel macht
und kräht ganz stolz was er vollbracht.
Kein Huhn – auch wenn ´s sich abgerackert –
hat je deswegen so gegackert.
Der Hahn jedoch sehr eitel ist:
Er macht viel Wind um jeden Mist.
Das laute Krähen hört die Welt,
die ihn für einen Helden hält,
was seinen Größenwahn verstärkt.
Des Huhnes Ei bleibt unbemerkt.

PUTZEN MACHT GLÜCKLICH

Vom Staube befreit sind die Schränke und Tische
nach zwanghaft – penibel – perfektem Gewische.
Die Fenster sind sauber, der Fußboden blinkt,
im Klo und der Küche ist nichts mehr was stinkt.
Nun lehnt sich die Hausfrau zufrieden zurück,
den Schmutz überwältigt empfindet sie Glück.
Doch schnell ist ´s vorbei mit zufriedener Schonung –
sie fühlt sich so nutzlos in reinlicher Wohnung.
Oft stöhnt sie und flucht über ständigen Dreck,
doch ihn zu besiegen ist oberster Zweck.
Die Hausfrau erputzt sich Respekt und Applaus:
Gelobt sei das sinnstiftende Staubkorn im Haus.
Der Haushalt ist wirklich ein geistreiches Spiel,
indem er bestätigt: „Der Weg ist das Ziel.“
So ist denn der Tanz mit dem Lappen und Besen
für viele der „Kreislauf“ des Lebens gewesen.

MISSVERSTÄNDNIS

Die Frau ist stolz auf ihren Mann:
Er hilft im Haushalt wo er kann.
Sie glaubt ganz fest, dass er sie liebt,
weil er sich so viel Mühe gibt.
Er hält sie nur für ungeschicklich;
ein Irrtum macht sie richtig glücklich.

TRAUM UND WIRKLICHKEIT

Ich habe gestern mich besoffen
vor lauter Glück: Sie ließ mich hoffen.
Die Phantasien purzeln, sprießen:
Ich träum davon sie zu genießen.
Wird meine Wünsche sie erfüllen
und langes Sehnen endlich stillen?
Ich sehe uns im Geist, gemeinsam
ganz alt zu sein und nie mehr einsam,
und Liebe, Lust und Leidenschaft
gelebt zu haben voller Kraft.
Ins Himmelreich bin ich entrückt,
da wach ich auf: Die Blase drückt.
Ich kehr zurück ins Hier und Heute
zur Alltagsfrau an meiner Seite.
Ich nehme den Traum als Hinweis an,
dass ich Erträumtes leben kann
mit der Frau, die zu mir gehört,
auch wenn mich Manches an ihr stört.
Sie ist für mich letztendlich richtig.
Ich hab sie lieb, nur das ist wichtig.

EIN VERLASSENER BITTET

Bewahre, was ich je Dir schenkte
Bewahre, was ich je Dir sagte
Bewahre, was ich je für Dich empfand
Ich liebe Dich

Bewahre, was uns jemals lenkte
Bewahre, was ich jemals fragte
Bewahre, was ich jemals Dir gestand
Ich liebe Dich

Verzeih mir, wenn ich je Dich kränkte
Verzeih, wenn ich mich je beklagte
Verzeih, wenn ich Dich jemals hab' verkannt
Ich liebe Dich

Verzeih, wenn ich Dich je bedrängte
Verzeih, wenn Kummer an Dir nagte
Verzeih, wenn je ein falsches Wort ich fand
Ich liebe Dich

OHNE WORTE

Wir sitzen zusammen und schweigen.
Verschlungene Herzen bezeugen:
Wir fühlen uns beide verbunden –
wir hatten die Liebe gefunden.
Berührung und zärtlicher Blick,
wir denken ans Leben zurück,
und Dankbarkeit fühlend im Herzen
für Glück und ertragene Schmerzen.
Verlustangst uns nicht mehr ergreift,
die Liebe ist in uns gereift.
Wir stellten uns so viele Fragen
und konnten uns stets alles sagen.
Wir lebten gemeinsam ein Leben
und durften uns Wichtiges geben.
Wir konnten in Freiheit uns binden,
uns selbst durch den Anderen finden.
Wir lächeln verstehend uns an –
zwei Alte als Frau und als Mann.

ZERPLATZT

Ich ging spazier' n am weiten Strand
und fühlte in mir leises Glück.
Hier ging ich schon mal Hand in Hand -
ich denke zart an sie zurück.
Und wie aus heiterem Himmel plötzlich
steht diese Frau von damals da
und schaut mir schmunzelnd und ergötzlich
ins aufgerissene Augenpaar.
Wir gingen schweigend ohne Fragen;
doch unser Herz hat aufgehört,
verliebt mit Leidenschaft zu schlagen:
Der Zufall hat den Traum zerstört.

EHEALLTAG

Es sagt der Hermann zur Hermine:
„Fahr schneller – ich hab´ noch Termine!“
Hermine drauf zu Hermann spricht:
„Leck mich am Arsch und hetz mich nicht!“
„Wenn du es wagst, mich zu bepöbeln“ –
schreit Hermann – „werd ich dich vermöbeln!“
Hermine kreischt nun wild herum,
und Hermann zischt: „Ich mach dich stumm.“
Nach gegenseitiger Verhöhnung
erfolgt im Bett dann die Versöhnung.
Entschädigt ein Moment der Lust
für Qual, Verletzung, Streit und Frust?
So geht das jetzt schon Jahr um Jahr:
Sie sind ein ganz normales Paar.

ORIGINAL UND FÄLSCHUNG

Die Brüste zu klein, die Falten tief,
die Beine zu dick, die Zähne schief,
der Hintern zu fett, die Haare dünn,
was stört da noch das Doppelkinn.
Mit Busentuning und üppig Entfetten,
mit künstlichen Teilen und Faltenglätten
ist möglicherweise noch etwas zu machen:
so rundum erneuert und niemals mehr Drachen.
Das Kunstwerk wird fertig, so wie sie es möchte;
die Freunde verzieh´n sich: Sie liebten die Echte.

PECH (1)

Ein Mädchen findet sich ganz hässlich:
zu dick und fett, ganz einfach grässlich.
Sie hungert nun, ist fast schon krank,
hält sich für schön - so super schlank.
Da lernt sie einen Jungen kennen,
sehnt sich danach, mit ihm zu pennen;
doch der liebt mehr die mollig Runden
im Bett für amouröse Stunden.
Das Leben zeigt uns wieder mal:
Kein Mensch ist jemals ideal.

AUSGLEICHENDE GERECHTIGKEIT

Ein Teenie schwärmt für einen Boy
und glaubt, dass dieser nur sie liebt;
doch Boys sind leider Vielen treu:
Das schmerzt, weil ´s ihn nur für sie gibt.
Der Teenie reift heran zur Frau,
sie liebt jetzt selber viele Männer.
Ihr ´m Ehemann, dem eitlen Pfau,
tut weh, dass er nicht ist der Renner.

KÜMMERN MACHT KUMMER

Nach zwei Minuten faulem Dödeln
hat sie den Wunsch herum zu rödeln.
Der Mann jedoch die Nerven schont,
indem er einfach sitzt und wohnt.
Die Frau begreift nicht diese Haltung
und macht für ihn Programmgestaltung.
Dass er nichts tut sei ohne Sinn,
meint seine Frau und denkt für ihn:
„Mach doch mal dieses oder jenes,
nutz deine Zeit für etwas Schönes.“
Doch schön ist es für ihren Mann,
wenn er nur einfach sitzen kann.
Er denkt: „Es ist doch nicht zu fassen,
sie soll die Zwangsbeglückung lassen
und ihre Action – Rolle spielen;
ich will das Glück der Muße fühlen.“
Das Frauengerödel ist ja toll,
doch hat der Mann die Nase voll
davon, wenn sie ihm unterstellt,
dass er in Depression verfällt;
sie merkt nicht, dass – wenn sie sich kümmert –
sie seine Laune nur verschlimmert.
Da Frau es gut zu meinen pflegt,
doch stets an seinen Nerven sägt,
stell´ ich als beste Lösung fest,
dass Frau den Mann in Ruhe lässt.
Sie wird belohnt mit Harmonie
und spart auch noch viel Energie.

AUSGELIEFERT

Die Frage „bist du fertig, Schatz?“
ist einfach nur ein Fragesatz,
bei dem, wie mancher Mann so meint,
ein „Ja“ und „Nein“ nur möglich scheint.
Doch wenn er das erwartet hatte,
dann irrt sich sehr der Ehegatte.
„Ich hasse deine Ungeduld,
und wenn du drängelst, bist du Schuld,
wenn mir die Laune ist versaut
und mir vor diesem Abend graut.“
Wenn du als Mann ´ne Frage stellst,
du nie ´ne Antwort nur erhältst.
Es ist die primitivste Frage
für Frauen Diskussionsgrundlage,
was jeden Mann total verwirrt,
weil er sehr einfach konstruiert.
Ein Mann, der harmlos sagt den Satz:
„Du siehst ganz toll aus heute, Schatz“
muss über sich ergehen lassen,
wie dieser Satz sei aufzufassen.
Den Mann erstaunt, verwirrt, erschreckt
die „Bosheit“, die dahinter steckt.
Er fühlt sich wieder mal belehrt,
was er auch sage sei verkehrt.
Doch was er sagt ist immer richtig;
allein das Drumherum ist wichtig –
ob stimmig ist das Wann und Wie:
Und das entscheidet immer SIE.

ZWEITE CHANCE

Vom Kinde befreit sind jetzt Mutter und Vater.
Schon bald treibt es beide zum Eheberater:
Sie konnten ihr Leben zu zweit nicht gestalten,
das Kind hatte beide zusammengehalten.
Die Rettungsversuche sind leider vergebens –
sie steh´ n vor den Scherben gemeinsamen Lebens.
Es folgt jetzt zur weiteren Schadensvermeidung
die Güteraufteilung und rechtliche Scheidung.
Dann werden zwei Jahre die Wunden geleckt,
die Zukunft auf ganz neue Chancen gecheckt.
Im Alter begegnet den Beiden die Liebe –
es sprießen an knorrigen Ästen die Triebe.
Was lange geschlummert wird jetzt wieder munter,
es löst sich Erstarrtes, das Leben wird bunter.
Gelernt haben beide aus früheren Fehlern,
und nichts kann das Glück in der Liebe noch schmälern.
Dann klingelt der Wecker – sie haben geträumt,
sie hätten vom Leben Jahrzehnte versäumt.
Noch sind sie ein glückliches Paar mit drei Kindern;
vielleicht können beide den Alptraum verhindern,
die Liebe auf ´s Alter verschieben zu müssen?
Wie gut, dass die Beiden es jetzt noch nicht wissen.

EWIGE JUGEND

Mit siebzig sind sie sich begegnet,
mit Altersweisheit schon gesegnet;
verliebten sich – an Jahren spät –
wie damals in der Pubertät.
Die ganze Herz – und Schmerzpalette,
vom Händchenhalten bis zum Bette,
erlebten sie im Rauschzustand;
die Leidenschaft war voll entbrannt.
Auch Streitereien und Eifersucht
durchlitten sie in voller Wucht.
Egal in welchen Altersphasen,
ist Weisheit dann wie weggeblasen.
Ein Leben lang dasselbe Spiel,
und niemals altert das Gefühl.

LIEBESERKLÄRUNG

Mit ganzem Herzen lieb´ ich sie,
weil diese Frau mir einfach nie-
mals schrecklich auf die Nerven geht
und hilfreich mir zur Seite steht.
Mit ihrer Stimme – sanft und zart –
gibt sie mir zuverlässig Rat.
Mit „links“ und „rechts“ und „grade aus“
weist sie den Weg von Haus zu Haus.
Mach ich mich eines Fehlers schuldig,
dann korrigiert sie mich geduldig:
„Sie fahren bitte nächste rechts“ –
ein Prachtstück weiblichen Geschlechts;
ich trage sie im Geist auf Händen –
„und dann nach hundert Metern wenden.“
Weil sie nie meckert oder klagt,
tu ich so gerne was sie sagt.
Ich fühl mich ver – und nicht geführt,
mein Mannesherz ist tief berührt.
Sie sorgt dafür, dass ich nicht irre
im täglichen Verkehrsgewirre,
als wenn sie mich nur lieben tät:
Die Frau im Navigationsgerät.

TEIL 6:
HAT ALLES WAS MIT RELIGION UND MORAL ZU TUN

FLEXIBILITÄT

So mancher Mensch ganz gerne denkt,
dass Gott des Menschen Schicksal lenkt.
Sehr nützlich ist der Glaubenskult,
der andren Mächten gibt die Schuld
für jeden Fehler, den man macht:
Man tut ja nur, was SIE gedacht.
Gelingt jedoch ein toller Coup,
schreibt Mensch sich das gern selber zu.
Der Mensch hängt – wie ´s ihm grade dient –
die Glaubensfahne nach dem Wind.

OPIUM FÜR DIE SEELE

Als Mensch sein Ende hat erkannt,
zum Trost er einen Gott erfand,
und dass dem Menschen nicht gebühre,
zu enden wie gemeine Tiere.
So wird sein Dasein nicht vergebens
durch Phantasien des ew´gen Lebens.
Die Sünder wurden auserkoren,
für ´s Höllenfeuer – Dauer – Schmoren.
Und wer im Leben artig war,
der schwebt im Himmel immerdar.
Die Angst vor´ m Ende wird ersetzt
durch Furcht davor, dass man verletzt,
was Pfaffen als Moral erfunden.
So wird der Mensch zum Dauerkunden
von Himmelsaktiendividenden:
Er will nicht in der Hölle enden.
Die Kirche spendet Trost und Rat,
wenn Mensch Gewissenskrämpfe hat;
egal was einer hat verbrochen:
Er wird vom Pfaffen freigesprochen.
Die Kirche Menschen so befreit
von Angst vor Höllenewigkeit.
Es ist der Zweck der Religion
die Endzeit – Krisen – Prävention.

KOMPENSATION (1)

Ein Mensch das Leben voll genießt:
Er raucht und trinkt, hat Sex und frisst.
Ein Guru wendet sein Gewissen,
er wird Asket – und zwar verbissen.
Nun will die Menschen er befrei´n
vom ach so schlechten Sündigsein.
Verzicht ist hart und macht nur Frust,
so wird die fehlende Lebenslust
als sittliches Gebot gelehrt –
zum höchsten Daseinswert erklärt.
Der Mensch verbreitet mit Getöse:
„Verzicht ist gut, Genuss ist böse!“
Ein Jeder, der mal Sünder war,
erträgt dies nur als Missionar.

GEWISSENSREINIGUNG

Der Mensch will unbedingt moralisch
- in dem was er so tut – erscheinen:
So nennt er „gut“ was bestialisch,
und schon ist er mit sich im Reinen.

MORALISCHE BUCHFÜHRUNG

Ein Mensch ist von schlechtem Gewissen gepeinigt,
dann wird nach der Beichte er seelisch gereinigt.
Der Pfaffe erteilt ihm Absolution,
denn dies ist für reuige Sünder der Lohn.
Das Sündenregister ist damit gestrichen,
moralische Schulden sind alle beglichen.
Durch Gottes Vergebung der Hölle entronnen,
wird munter mit Sünden von vorne begonnen.
Das ist, wie wenn Papa so gnädig verzeiht,
wenn ´s Kind nicht gehorcht hat und alles bereut.
Doch kaum ist der Deal mit dem Vater gemacht,
da werden schon weitere Streiche erdacht.
Es eignet GOTT – VATER sich einfach am besten
als Fleckenentferner bei schmutzigen Westen.

NUR EIN TRAUM

Ins Grübeln hat mich heute Nacht
ein sonderbarer Traum gebracht:
Der Papst ist tot; den Kardinälen
fällt plötzlich ein, ´ne Frau zu wählen.
Der Vatikan die Bombe zündet:
„Habemus Mamam“ wird verkündet.

GEBET

Die Freiheit macht mir nur Beschwerden:
kann Fehler machen, schuldig werden.
„Mein Gott! Erspar mir diese Pein,
und lass mich stets gehorsam sein;
mach, dass ich will, was DU verlangst,
dann kann ich leben ohne Angst.“

LIEBE UND MORAL

Der Pfaffe sagt was sittlich ist,
wobei er unerbittlich ist;
als Seelenquäler höchst entbehrlich:
Moralapostel sind gefährlich,
und fromme Spießer grenzen aus.
So kommt letztendlich dabei raus,
dass du als Sünder besser bist,
weil die nicht wissen was Liebe ist.

HEUCHELEI (2)

Ein Mensch, sehr christlich und moralisch
und auf des Bösen Tod bedacht,
wird selber ziemlich bestialisch,
wenn keiner sieht was er so macht.

HEUCHELEI (3)

Ein Mensch bezeichnet Sex als Sünde,
nennt unmoralisch auch den Suff;
doch eines Nachts zufällig finde
ich ihn besoffen nackt im Puff.

HÖHERE MORAL

Auge um Auge, Zahn um Zahn:
Der Mensch versank im Rachewahn.
Vorbei die primitive Zeit:
Die Menschen wollen Gerechtigkeit.
Damit sie Regeln nicht verletzen,
bedroht man sie mit Strafgesetzen.
Die Schuld wird ganz legal bemessen
und dem gemäß auch abgesessen.
Genugtuung erst dann entsteht,
wenn ´s Übeltätern dreckig geht.
Es bildet sich der Mensch viel ein,
moralisch zivilisiert zu sein,
weil „ Aug´ um Auge, Zahn um Zahn“
betrachtet wird als inhuman;
denn schließlich ist der Mensch nicht ohne
Berechtigung der Schöpfung Krone.

„HEILIGER KRIEG“

Auge um Auge, Zahn um Zahn –
Vergeltung fühlt sich super an.
Man ist dabei so schön im Recht,
denn ich bin gut, der Andre schlecht.
Im Unterschied auch zu den Tieren
will Mensch den Menschen missionieren.
Dies macht ihn stolz und überheblich.
Verstand sucht man bei ihm vergeblich,
sobald der Hass ihn überschwemmt:
Dann schlägt er um sich ungehemmt.
Der Mensch spielt gerne den Gerechten
mit Kriegen gegen alle Schlechten.
Da hilft auch die Vernunft nicht viel:
Moralisch ist der Mensch labil.
Die Dummheit bleibt im Status quo
bei höchstem technischem Niveau.
So kann sich richtig geil anfühlen,
als besserer Mensch „Wild West“ zu spielen.

HEUCHELEI (5)

Er lügt, dass sich die Balken biegen:
Politiker ist sein Beruf.
Mit blödem Grinsen will er siegen;
den Kerl ertrag ich nur im Suff.
Nur Dumme fallen darauf rein,
mit welchem Imponiergehabe
er peinlich strahlt im falschen Schein:
Der Bluff ist seine größte Gabe.
Und solche Typen soll ich wählen –
sie sind doch alle nur zum Kotzen,
wie arrogant sie rumkrakeelen,
vor eloquenter Dummheit strotzen.
Im Machtgerangel ist es leider
nicht möglich, einfach Mensch zu bleiben.
In mir hab´n diese keinen Neider,
die sich im Statuskampf zerreiben.
Vielleicht würd´ ich genauso sein
als eines solchen Menschen Kind.
Ich kleiner Fisch kann trefflich schrei´n,
wie schrecklich „Die da oben“ sind.

AUS SCHLECHT MACH´ GUT

Zum Gaunersein fehlt mir der Mut,
so bin ich notgedrungen gut,
beschimpfe neidisch die Ganoven:
sie seien die Schlechten und die Doofen.
Und da im Geist ich sündig war,
werd ich ganz einfach Missionar.
Gedanklich bin ich nun der Beste:
Ein kluger Mensch mit weißer Weste.

SCHADENFREUDE

Wenn Mensch passiert ein Missgeschick,
erlebt der Mitmensch höchstes Glück;
des Menschen Pech ist seine Lust,
da tobt sich aus der Lebensfrust.
Es braucht der Mitmensch ohne Frage
für ´s Seelenwohl des Menschen Klage.
Bei dessen Pannen, Pech und Pleiten
und andren Alltagswidrigkeiten
frohlockt der Mitmensch ungeniert:
„Wie gut, dass mir das nicht passiert!“
Doch hat er selbst mal Mist gemacht,
ist er empört wenn einer lacht.
Was schließt der Mensch nun scharf daraus?
Im Leben gleicht sich alles aus.

ERKENNTNIS URALT

Zwei Menschen im Gespräch vertieft,
ihr Thema: Gott und Politik.
Da täuscht ein Andrer ganz gewieft
den Beiden vor ein Missgeschick.
Und diese Menschen - selbstverständlich -
beweisen ihre gute Seite.
Der Schurke zeigt sich nicht erkenntlich,
er raubt sie aus und sucht das Weite.
Nach diesem traurigen Erlebnis
komm' n nun die beiden Philosophen
ganz praxisnah zu dem Ergebnis:
Die Guten sind zuletzt die Doofen.
Dies ist bekannt und ziemlich platt.
Wer gut und doof ist hat zwar Recht,
doch wer es selbst erlitten hat,
der wäre lieber schlau und schlecht.

THEORETISCH IST ALLES LEICHT

Ein Mensch lebt unter Seinesgleichen
und hält sich für sehr tolerant.
Doch wird die Duldsamkeit auch reichen,
wenn fremde Menschen kommen ins Land?

MUTATION

Der Mensch pflegt seinen Größenwahn,
schaut eitel sich im Spiegel an,
denkt nur an Reichtum, Sex und Fressen,
ist von der Gier nach Macht besessen.

Es schnurren die Katzen
Es pfeifen die Spatzen
Es stürmt der Wind
Es schreit das Kind
Es rauschen die Blätter
Es tobt das Wetter

Ich reib die Augen und was seh ich?
Der Mensch ist plötzlich liebesfähig;
er lebt nach höherer Erkenntnis,
ist tolerant und voll Verständnis

Es rauschen die Katzen
Es stürmen die Spatzen
Es schreit der Wind
Es schnurrt das Kind
Es toben die Blätter
Es pfeift das Wetter

GOTTES WERK

Es ist der Mensch aus Lehm gemacht
und von des Schöpfers Hauch beseelt.
Das hat Gott pfiffig ausgedacht:
Es hätte ihn doch sehr gequält,
wenn er ein tolles Werk geschaffen
und niemand wär´ davon entzückt.
Mit irgendwelchen blöden Affen
wär´ ihm das Kunststück nicht geglückt.
Es macht nur Spaß die große Tat,
schafft Freude, Stolz, Zufriedenheit,
wenn jeder sie bewundert hat.
Gott schuf uns nur aus Eitelkeit.

TEIL 7:
HAT ALLES WAS MIT MENSCHLICHER GEISTESKRAFT ZU TUN

HEUCHELEI (4)

Ein Mann trägt vor ein Sex-Gedicht,
doch hören will es leider nicht
das hochbegabte Publikum;
es pfeift ihn aus, und er bleibt stumm.
Die Menschen wollen das Eine nur:
Niveau und Kunst in Reinkultur
und nicht, wer wo mit wem wie schlief,
das scheint der Welt zu primitiv.
Doch hinter abgeschlossenen Türen
kann Dummheit jeden leicht verführen.
Dann guckt man Sex und Serien,
der Intellekt macht Ferien.
Denn Menschen sind nur offiziell
sehr anspruchsvoll und kulturell.

REFORMISMUS

Das Wort „Reform“ ist nichts mehr wert -
durch Missbrauch völlig sinnentleert.
Die Menschen werden angeschmiert,
weil „Neu gleich Gut“ wird suggeriert.
Reform: ein Unwort leider, weil
für alles und das Gegenteil
benutzt; für was und auch von wem
ist relativ und je nach dem.
So wird nur Geistesmüll kaschiert
und Mensch zu Tode reformiert.
Wer jeden Scheiß „Reformen“ nennt,
ist letztlich fortschrittsresistent.
So macht das Politik - Gesindel
Reform zum Etikettenschwindel.
Was wird dem Wort nur angetan!
In diesem Sinne könnte man,
was wir als Darmverstopfung kennen,
ganz einfach auch „Reformstau“ nennen.

JE BLÖDER DESTO LAUTER

Mit inhaltslosem Blablabla,
verbalem Müll und viel Trara
wird heiße Luft nur produziert
und als bedeutsam vorgeführt.
Es werden auch die klugen Fragen
mit viel Gequatsche totgeschlagen.
Nur Wortgehülse, Luftgeblase
und laut posauntes Blechgephrase
dem Menschen aus dem Maul quillt –
Gedanken werden zugemüllt.
Ein dissonanter Brabbelchor
dringt mit Getöse in mein Ohr.
Es wird vernichtet peu à peu
die Sprachkultur durch „Logorrhö“.

KARNEVAL - NEIN DANKE

Des Büttenredners blöde Schmarren
sind witzig nur für echte Narren;
sie feiern so - als wär´s ´ne Qual -
verbissen lustig Karneval.
Bescheuert, albern, bunt verkleidet
mit einem Gesicht als wenn er leidet,
begeht die fünfte Jahreszeit
der Narr mit ernster Fröhlichkeit.
Er grölt Alaaf und auch Helau,
erträgt sich selber nur noch blau.
Doch drauf verzichten kann er nicht,
denn Karneval ist Narrenpflicht.
Und selbst das Fernseh´n kann´s nicht lassen
zu quälen die, die dieses hassen -
ein Forum für so manche Nieten,
an Plattheit kaum zu überbieten.
Der Karneval der deutschen Jecken
will wohl die Einsicht nur bezwecken,
dass man erkennt allein durch Mist,
wie wichtig Narrenfreiheit ist.

BILDUNGSNOTSTAND

Ich bin voll super intellent,
kann lesen und bin Aborent.
Doch was Herr PISA mir gelernt,
das hat mich echt voll angetörnt:
Ich hätte nichts in meiner Birne,
nur Stroh im deutschen Schülerhirne.
Als Gymniast bin ich doch klug –
I-Kuh von siebzig ist genug.
„Voll cool“ ist meine Bildungstugend,
und ich vertrete Deutschlands Jugend.

SPRACH(UN)KULTUR

Am Samstagmorgen – super cool –
relaxe ich im Swimmingpool.
Im Businesslook ein Zwischenstopp
im neu erbauten Livingshop.
Doch gleich – wie das bei Yuppies ist –
erwartet mich der Hairstylist.
Beim Smalltalk rät er mir dann warm
zum Urlaub auf ´ner Beautyfarm,
locationmäßig richtig geil
und allinclusive – Preisvorteil.
Ich muss noch schnell mal auf das Klo
und dann ins Fitnessstudio,
wo man sich gerne sehen lässt
mit indoor Sportswear gut gedressed.
Zum Banking muss ich jetzt und dann
zum Wellnessshopping just for fun,
worauf ich dann ein Meeting hab
zum Lifestylelunch im Szenepub.
Nach Driversdrink, Salat und Brot
tut jetzt ´ne Runde Jogging not.
Dann muss ich meinen Body stylen
um schnell ins „After Work“ zu eilen,
wo man nur nette Leute kennt:
My daily social fun event.
Bin schweißgebadet aufgewacht
von einem Alptraum heute Nacht:
Die Sprachkultur im Monsterlook
quält mich mit einem Wörterbook
und schreit und droht ganz schrecklich laut:
„Nur deutsch ist in und englisch out.
Ich wünsche Euch Verbalrabauken
viel Spaß beim Deutschvokabeln pauken!“

WAHRE KLUGHEIT

So mancher Dummkopf Vieles weiß,
das Hirn gefüllt mit jedem Scheiß.
Auf vieles Wissen Jene pfeifen,
die von der Welt etwas begreifen.

KOMMUNIKATION IST ALLES

Modernes Telefongerät
mit Multifunktionalität
täuscht vor als nötig dummen Leuten
diverse Überflüssigkeiten.
Der Unsinn – technisch genial –
vernetzt die Menschheit digital.
Mit Bild und Ton - doch ohne Sinn -
verspricht man sich Prestigegewinn.
Bezahlt wird gern mit sehr viel Geld,
den Mist zu senden um die Welt.
Der Quatsch von Bits – und Bytesbetörten,
der Datenramsch von Hirngestörten
ist kultureller Status quo
auf geistig niedrigstem Niveau.
Der Mensch die Sprachkultur verliert,
wenn Datentausch zum Selbstzweck wird.
Stets sende – und empfangsbereit
verbleibt zum Denken keine Zeit.
Die Psychiater – Diagnose
ist: handymanische Psychose
mit Hirnverkleinerungstendenzen
und Heilung nur in engen Grenzen.
Ich muss das Dichten jetzt beenden
und SMS mit Foto senden;
und noch mein Handy programmieren
zum Onlinevideokonferieren.

TALK-MANIA

Kein Thema ist zu primitiv,
zum Himmel stinkt des Spießers Mief,
für Peinlichkeit die „Eins“ als Note:
Der platte Talk macht kräftig Quote.
Da labern blöde Selbstdarsteller
und werden so zum Geistesquäler.
Beleidigt wird der Intellekt
durch die, in deren Kopf nichts steckt.
Noch schlimmer sind die Konsumenten,
die jedem Dummkopf Beifall spenden.
Ich kann es aber gut verstehen,
dass sie sich gern im Spiegel sehen.

INTELLEKTUELLES VERGNÜGEN

Am liebsten lese ich die BILD,
aus der des Volkes Dummheit quillt;
durch das Real – Satire – Blatt
man morgens schon zu lachen hat.
Ich kriege auch für wenig Geld
´nen Einblick in die Innenwelt
des deutschen Stammtischidioten.
Ich liebe auch die Anekdoten
über hirnlos – prominente Leute,
auf die die Journalistenmeute
sich geifernd zähnefletschend stürzt
und Albernheit mit Lügen würzt.
Die BILD beschreibt nicht unsere Welt,
nur: was der Dummkopf von ihr hält,
und demonstriert auf großen Bögen
des Einfaltspinsels Denkvermögen.
Die BILD zu lesen ist ein Muss
für Offenbarung und Genuss.

SCHUND IST NÜTZLICH

Das Buch ist dick, der Inhalt dünn,
nur viel Geschwätz und ohne Sinn.
Das Kaufinteresse riesengroß:
Der Handel wird es reißend los.
Und jedem Schwachkopf, der da glaubt
er könne schreiben, ist ´s erlaubt.
Dem hirnlos blöden Mittelmaß
macht jeder Schwachsinn richtig Spaß.
Das Buch, das das Papier beleidigt,
auf dem ´s gedruckt, wird gern verteidigt:
Was viele lesen ist nicht schlecht,
und wer verkauft hat immer Recht.
Den Dummen freut ´s, der Autor grient:
Mit Einfalt wird viel Geld verdient.
Die Konsequenz liegt auf der Hand:
Ganz viele Blöde braucht das Land;
sie lesen fröhlich jeden Schund,
und Frohsinn hält nun mal gesund;
das tut den Krankenkassen gut
und macht auch für das Wachstum Mut.

BLACK OUT

Ein Mensch sitzt schwitzend in der Klasse,
quetscht aus die letzte Bregenmasse
zum Niederschreiben der Klausur:
„Wo bleibt denn das Gedächtnis nur?“
Die ganze Nacht hat er gelernt,
der Kaffee hielt den Schlaf entfernt.
Die Arbeit hatte keinen Zweck:
Beim Schreiben ist jetzt alles weg.
Nachdem die Arbeit abgegeben,
kehrt ins Gehirn zurück das Leben;
dem Menschen fällt jetzt alles ein –
„verflixt noch mal – es ist zum Schrei´n!“
Er zog sich rein die Wissensmengen,
vergeblich war´s sich anzustrengen.
Und daraus lernen wir fürs Leben:
sich Mühe nie umsonst zu geben.

AUSSEN HUI, INNEN PFUI

So manche Lehrkraft es gelüstet,
zu lehren technisch hochgerüstet.
Mit Smartboard, Beamer, OHaPe
und selbstverständlich auch PeCe
getunt man allzu leicht vergisst,
dass alles nur Verpackung ist.
Dasselbe gilt auch für Methoden;
fast süchtig nach den neuesten Moden
vergnügt sich mancher unbeirrt
beim „Wie“, das dann zum Selbstzweck wird.
Methoden – Technik – Glitzerschein
kann ein Betrugsmanöver sein:
Bei wem der Inhalt für die Katz´,
wird diese Show zum Denkersatz.
Zum Präsentieren von Geschwafel
lob ich mir doch die alte Tafel.
Da stimmt – das merkt der Laie schon –
die Kosten – Nutzen – Relation.

PASST !

Ein Mensch mit Kompetenz sich brüstet,
mit Phrasen ist er hochgerüstet.
Und seine Formulierungsgabe
ist eitles Imponiergehabe.
Wer heiße Luft nur hübsch verpackt,
ist eigentlich ja recht beknackt –
verdient den Spott; doch umgekehrt
wird so ein Mensch oft hochverehrt.
So passt zum geistig armen Blender
ein ebensolcher Beifallspender.
Es lohnt sich oftmals doch im Leben,
mit Hochglanzwörtern anzugeben.

SCHULKU(H)LTUR

Ich schau am Wiesenrande zu
dem Wiederkäuen einer Kuh.
Den ganzen Tag nur zu verdauen
und immer wieder durchzukauen,
was sie so fraß in sich hinein,
erinnert mich ans Schülersein:
Statt Gras wird Wissensstoff gefressen
und nach dem Wiederkäu´n gemessen,
wie viele Halme man vergaß
vom ganzen Gras, das man so fraß.
Nun macht die Kuh ´nen großen Fladen,
verursacht aber keinen Schaden.
Wär´ ich in diesem Fall die Kuh,
dann schisse ich die Schule zu.

DIAGNOSE (1)

Ein Mensch fühlt sich so selbstwertlos,
drum aalt er sich in deutschen Siegen,
fühlt plötzlich sich so riesengroß –
ist psychisch quasi aufgestiegen.
Er ist ganz stolz auf die Meriten,
die Andre sich erworben haben;
er hat ja selber nichts zu bieten,
muss sich an fremden Ehren laben.
So ist Identifikation
für arme Würstchen Therapie –
ein unverdienter Psycho-Lohn:
Ich nenne das „Patriotie“.

SELBSTHILFE

Ein Mensch ist Psychotherapeut,
hört zu, gibt Andern klugen Rat.
Er hat den Job noch nie bereut,
weil sonst er nichts zu bieten hat.

DER DILETTANT (l)

Ein Psycho - Mensch nimmt voll den Mund,
sehr schlau quatscht er doch niemals ehrlich;
weil seelisch er nicht ganz gesund,
wird Psycho - Wissen sehr gefährlich.

PSYCHO - FLOP

Es ist der Psychologen Job
zu forschen wie, warum und ob
- und dies en gros und en détail -
der Mensch nun was Besonderes sei;
mit vielen Tests der Psycho misst,
wes Geistes Kind die Menschheit ist.
Mit Fleiß erforscht die Wissenschaft
Banalitäten massenhaft,
bedeutungslose Einzelheiten
und primitive Neuigkeiten:
Es ist dies magere Ergebnis
für Psychos ein Erfolgserlebnis.
Was wirklich ist des Menschen Wesen,
das kann man bei den Dichtern lesen;
den Weisen war schon immer klar,
was wesentlich am Menschen war.
So halte ich - und das scheint schlüssig -
die Psychos für höchst überflüssig.

DIAGNOSE (2)

Der Offizier: intelligent
und fachlich äußerst kompetent.
Ein Beispiel dafür ist der Mann,
wie krank Intelligenz sein kann.

DER KLEINE UNTERSCHIED

Genetisch ist der Mensch getrennt
vom Affen durch ein paar Prozent.
Und diese kleine Differenz
nennt stolz der Mensch „Intelligenz“.
Mit seinem technischen Verstand
der Mensch die Säge nur erfand,
mit der er superschlau gewitzt
den Ast absägt, auf dem er sitzt.

KEIN THEMA

Ich sitze rum, mir fällt nichts ein,
der Kopf wie tot, es ist zum Schrei´ n.
Nicht eine einzige Idee –
verzweifelt steh´ ich auf und geh´
zum Kühlschrank, um mich voll zu naschen;
dass ein Gedanke könnt´ erhaschen
mein trübes Hirn, hab´ ich gehofft;
doch leider nichts, wie schon so oft.
Um meinen Frust jetzt zu vergessen,
beginne ich drauf los zu fressen.
Nach einer Stunde voll und satt
hau´ ich mich hin und fühl´ mich matt.
Was einfach nur zum Himmel schreit
ist meine Einfallslosigkeit.
Das ist ganz schlicht zum Haare raufen:
Man sollte sich gepflegt besaufen.
Ich wollte klotzen und nicht kleckern,
mich nicht in Selbstmitleid bemeckern.
Ganz plötzlich kommt der Geistesblitz:
Das „Nicht – Gedicht“ ist doch der Witz.
Vor fünf Minuten ich noch flennte,
erfind´ ich nun die „Nicht – Pointe“.

VERGLEICHSWEISE UNGEREIMT
DAHERGEREDETES ZEUG

Metallisches

Ein Playboy ist ein Mann mit
silberfarbenem Haar,
goldkronenglänzendem Lachen
und kupferfarbener Haut,
der seine drahtige Figur in den Porsche schwingt,
mit stählernem Blick nach vorn schaut,
das Steuerrad mit eisernen Fäusten umfasst,
Bleifuß fährt
und nur Blech redet.

Gemüsiges

Ein Model ist eine Frau:
lang wie eine Bohnenstange,
dürr wie ein Spargel,
flach wie ein Salatblatt,
bleich wie ein Chicorée
und quatscht nur Kohl.

Tierisches (1)

Ein Bodybuilder ist
eitel wie ein Pfau
mit einem Affengesicht,
einem Spatzenhirn
und quatscht saudumm.

Tierisches (2)

Ein Politiker
ist aalglatt,
falsch wie eine Schlange,
brüllt wie ein Löwe
und gibt nur Eseleien von sich.

Örtliches

Ein Manager ist
eiskalt wie die Arktis,
schickt die Arbeitnehmer in die Wüste,
nutzt für sich die Berg-und Talfahrten an der Börse,
scheffelt damit Geld wie Sand am Meer
und bringt es in eine Steueroase.
Wenn er Mist baut, versteckt er sich im
undurchdringlichen Dschungel der Verantwortlichkeiten.
Er fällt aus allen Wolken, wenn er auf seinem Weg
am Finanzamt vorbei erwischt
und vom Gericht zum Teufel geschickt wird.
Seitdem schmort er in der Hölle.


TEIL 8:
EIN BUNTER THEMENSTRAUSS ÜBER
MENSCHLICHES UND ALLZUMENSCHLICHES

SELBSTTÄUSCHUNG

Ein Mensch wollt´ alles renovieren:
Beruf, die Wohnung und sein ICH.
Er wollte nie mehr was verlieren:
Nicht Zeit, nicht Chancen und nicht SICH.
Nach Glück begann er nun zu rennen
und hat sich damit aufgerieben.
So musste er zuletzt erkennen:
Er war derselbe Mensch geblieben.

KRANKHEITSGEWINN

Ein Mensch fühlt irgendwie sich krank,
doch gibt es dafür Gott sei Dank
die riesenumfangreiche Chose
an Mitteln für die Diagnose.
Danach der Fachmensch kompetent
den Kern des Übels klar benennt.
Und auch sein Rat hat Hand und Fuß,
wie dieser Mensch sich ändern muss.
Nun ist der Kranke höchst entzückt,
weil er jetzt weiß, was ihn bedrückt,
verliert seit dem der Worte viele,
wie krank er ist und welche Ziele
er zukünftig erreichen will.
Er träumt sich froh und plant ganz viel.
Zwar bleibt er krank, doch stets in Fahrt,
weil er so viel Gesprächsstoff hat.

SEHNSUCHT

Ein Mensch stets auf der Bühne steht,
genießt Applaus und Publikum;
doch wenn dann plötzlich nichts mehr geht,
dann wird er einsam, krank und stumm.
Es war ein Leben lang ihm wichtig,
beliebt und anerkannt zu sein –
nach Lob war seine Seele süchtig,
ein Fremdwort war für ihn das „Nein“.
Die Maske wurde ihm zum ICH.
Nun steht er vor dem Scherbenhaufen;
er sucht und findet nirgends SICH,
vor dem er immer weggelaufen.
Vielleicht bekommt er Mut zur Wahrheit –
sieht ein, wie er sich selbst betrog;
vielleicht gewinnt er endlich Klarheit,
wie gut er alle Welt belog.
Er hatte Angst vor Ehrlichkeit:
Wer könnte ihn denn dann noch lieben?
So hat ihn die Begehrlichkeit
nach Liebe tragisch aufgerieben.

LEBE RUHIG

Ein Mann ging in den Ruhestand,
jedoch er nicht zur Ruhe fand:
Zu hektisch war die Zeit gewesen,
er konnte sich davon nicht lösen.
Die Muße war für ihn ein Traum,
erfüllen konnte er ihn kaum.
er lebte immer viel zu schnell;
sein Leben war rasant und grell,
und jede Nacht ging ´s auf die Piste:
Jetzt ruht er endlich – in der Kiste.

ALLES IST RELATIV

Das größte Übel dieser Welt?
Wenn nachts dich eine Fliege quält.
Nur solche Menschen dies so sehen,
die sorgenfrei durchs Leben gehen.

SOUVERÄNITÄT

So majestätisch steht der Baum,
die Krone würdig sich erhebt;
als kleines Menschlein ahnt man kaum,
was dieser alles hat erlebt.
Ein junger Mann stellt sich davor
und pinkelt dran in aller Ruh´;
der alte Baum ragt hoch empor
und sieht von oben lächelnd zu.

ENTWEDER – ODER

Brillant verpackt, toll anzuseh´n,
sind manche Menschen wunderschön.
Doch leider können die Gestalten
ganz einfach nicht das Maul halten,
beweisen durch verbalen Mist,
dass ihr Gehirn Attrappe ist.
Und Mancher, der mit Geist brilliert,
rein äußerlich nicht imponiert.
Dass Klug und Schön sich mal begegnen,
sich dann auch noch mit Kindern segnen,
das liegt statistisch äußerst fern,
denn „Gleich und Gleich gesellt sich gern.“

LOB DES NARZISSMUS

Das schönste Liebesleben führt
ein Mensch, der nur sich selber liebt,
weil niemals er die Angst verspürt,
dass jemand ihm den Laufpass gibt.
Es quält ihn nie der Liebesschmerz,
auch ist er stets sich selbst genug;
kein Andrer bricht ihm je das Herz,
nur möglich ist der Selbst-Betrug.
Er ist mit sich ein tolles Paar,
es gibt niemals Beziehungsstreit.
Narziss – das ist ganz logisch klar –
kennt einfach keine Einsamkeit.
Und wenn der Spiegel mal zerbricht,
dann nimmt er sich ein kleines Stück,
schaut selbstverliebt in sein Gesicht
und sagt sich: „Scherben bringen Glück.“
Er zweifelt nie an seiner Pracht,
weil er das Eigenlob nur hört,
wird aus – und fühlt sich angelacht;
Narziss ist doch beneidenswert.

UNLOGISCH

Ein Mensch - als Pessimist bekannt -
kauft viel für nächste Woche ein.
Hier irrt sich leider sein Verstand,
denn tot könnt´ er schon morgen sein.

MENSCHEN LÄRMEN

Ein Mensch macht immer irgendwie
Geräusche – laut und leise, die
dem Körper oft spontan entweichen:
Sie sind des Menschen Lebenszeichen.
Er furzt und rülpst und schnarcht und niest,
dem Mund manch dummes Wort entsprießt,
macht Lärm, den niemand hören will;
erst wenn er tot ist, ist er still.
Drum flüstere ich mit leisem Hauch:
Auch Menschen sind nur Schall und Rauch.

SCHÄDLING

Der Mensch schmarotzt sich so durch ´s Leben,
verbraucht Natur, hat nichts zu geben.
Er ist aus Sicht der Evolution
´ne fehlerhafte Konstruktion.
Der Mensch gehört – wenn man so will –
als Ausschussware auf den Müll.
Doch Eins an ihm ist genial:
das Selbstvernichtungspotential,
mit dem – genetisch programmiert –
der Mensch in Zukunft garantiert,
weil aus Erfahrung er nichts lernt,
sich selbst als Schadensfall entfernt.

GERECHTE STRAFE

Der Mensch fährt gern in Luxuskisten
auf ausgebauten Asphaltpisten
und zahlt, weil ihm die Umwelt teuer,
´ne hohe Luftverpestungssteuer.
Das Geld zwar nicht das Klima schützt,
wenngleich es dem Gewissen nützt.
Der Mensch - hat er die Welt vergast -
im Edelblech zur Hölle rast,
wo Satan für ihn ausersehen,
auf ewig nur zu Fuß zu gehen.

DIE LAGE IST HOFFNUNGSLOS

Der Mensch macht seine Welt kaputt,
doch weiß er immer was er tut;
die Wissenschaft hat rausgefunden:
Die Welt kann durch Verzicht gesunden;
hat´s raus posaunt in großem Chor,
doch Mensch ist taub auf diesem Ohr.
Denn wie´s ihm ökonomisch geht,
hat stets für ihn Priorität.
Nach Maß und Einsicht kräht kein Hahn,
wo Mensch berauscht vom Luxuswahn.

KEINE EXPERIMENTE !

Ein Tausendfüßler will sich Schuhe
bei einem Spezialisten kaufen.
Er sucht sie aus in aller Ruhe
und freut sich schon damit zu laufen.
Als er dann tausend Stück gefunden,
zieht er genüsslich alle an.
Das Ganze dauert ein paar Stunden,
bevor der erste Schritt getan;
und gleich bei diesem stolpert er
und bricht sich neunundneunzig Knochen.
In Schuhen geht er jetzt nicht mehr
und kommt in Gips daher gekrochen.
Der Tausendfüßler lernt für sich:
Ich lebe besser artgerecht;
die Schuhkultur ist nichts für mich –
und barfuß ist ja auch nicht schlecht.

LAUFEN MACHT SELIG

Ein Tausendfüßler wollte laufen
und dafür Joggingschuhe kaufen.
Doch als er alle angezogen,
kam schnell ein Vogel angeflogen
und fraß den Tausendfüßler auf:
So endet jäh der Lebens„lauf“.
Anstatt nur auf dem Baum zu hocken,
kann er in Ewigkeit nun joggen -
sportiv gestylt selbst im Himmel
genießen seinen Joggingfimmel.
Und die Moral von der Geschicht´:
Der Sport sei Mord – das glaube nicht!
Nimmst du dafür den Tod in Kauf,
kriegt du den wahren „Dauer“lauf.

HUNDELEBEN

Es adoptierte einst der Hund
den Menschen aus sehr gutem Grund.
Das Tier entdeckte nämlich schnell,
dass dieser krault ihm das Fell.
Der Hund braucht sich nur hinzuhocken,
schon kriegt er dicke Fleischesbrocken.
Ein treuer Blick schon oft genügt,
ganz schnell ein Knochen vor ihm liegt.
Und wenn er brav am Ausgang steht,
der Mensch mit Hundchen Gassi geht.
Weil Mensch auf Hund nicht gern verzichtet,
hat Hund den Menschen abgerichtet.
Gehorsam ist des Hundes Trick,
dass Mensch sich kümmert um sein Glück.
Der Hund ironisch mit Gekläff
tut so, als sei der Mensch der Chef.

ZOO - EINMAL SINNVOLL

Es dachten sich die klugen Affen,
für Menschen einen Zoo zu schaffen,
Gehege für sie zu gestalten
und sie als Schauobjekt zu halten.
Die Affen scheuten keine Mühe,
dass es den Menschen gut ergehe.
Die Pflege wurde optimiert,
das beste Futter garantiert.
Und täglich kamen viele Affen,
um die Exoten zu begaffen.
Die Menschen richteten sich ein,
sie zeugten viele Kinderlein.
Und diese fanden schon das Leben
„natürlich“ - hinter Gitterstäben.
Recht bald schon hat der Mensch geglaubt,
er sei der Würde nicht beraubt,
und Freiheit sowieso ganz schlecht:
Im Zoo nur lebt man artgerecht.
Der Erde wird es ziemlich nützen,
wenn Affen sie vor Menschen schützen.

AN DER SUPERMARKTKASSE

Nur eine Kasse – Riesenschlange;
ich ahne schon: Es dauert lange.
Und alle Wagen brechendvoll,
als ob ein Notstand kommen soll.
Ein Kleinkind schreit sich dunkelrot,
weil Mama ihm ein Eis verbot;
und jeder Rentner – welche Qualen –
will selbstverständlich passend zahlen.
Nachdem er dreimal durchgezählt,
letztendlich doch ein Cent-Stück fehlt.
Und Eine – sichtlich Obstverfressen –
hat ´s Wiegen leider ganz vergessen.
Nach dreimal Aufruf angerannt
kommt Elsbeth vom Gemüsestand;
sie fragt genervt was sie denn solle,
da endet jäh die Kassenrolle.
Das Mädchen fummelt und es steigt
der Blutdruck: Die Mechanik streikt.
Es dauert bis der Chef gefunden,
„´ne zweite Kasse!“ schrei´n die Kunden.
Da seh´ ich: Rettung kommt herbei
und wechsle schnell zu Kasse „zwei“.
Doch leider hab ich falsch gedacht –
der Neue geht zur Kasse „acht“.
Die Letzten vorn, ich fluche still:
So ist das, wenn man schlau sein will.

MENSCH UND TECHNIK

Zur Technik habe ich Vertrauen,
nur nicht zu Menschen, die sie bauen,
und die sie dann beherrschen müssen
mit Perfektion und großem Wissen.
Beim Unfall wird zu Recht gesagt:
Der Mensch ist schuld und wird verklagt;
wodurch man es bestätigt sieht:
Die Kette reißt am schwächsten Glied.
Um Unfallopfer dann zu retten,
braucht wiederum man „dicke Ketten“.
Benötigt wird die Technik eben,
die Folgeschäden zu beheben.
Es dreht in diesem Sinn sich schnell
das Lebens – Ketten – Karussell.

ORDNUNG MUSS SEIN

Wir geh´n am Wochenend´ ins Kino
mit Kind und Kegel und Bambino.
Die Plätze wurden reserviert,
der Kinositz ist nummeriert.
Wir haben die Sessel acht bis zwölf,
da will ein Dicker auf Platz elf.
Wir sitzen fälschlich Reihe zwei,
er setzt sich nett in Reihe drei.
Da will ´ne Alte auf Platz zehn,
wir bitten sie, in „drei“ zu geh´n.
Nun kommen zwei Mädchen rein gehetzt
und finden ihren Platz besetzt.
Doch diese beiden schönen Lieben
verziehen sich still in Reihe sieben.
So könnte alles gut jetzt sein,
da kommt ein Zwangsgestörter rein,
und pingelig will er sein Recht
mit brüllend lautem Wortgefecht.
Nun fängt das Plätze tauschen an;
ein Chaos wegen diesem Mann,
obwohl er einen Platz gefunden
hätte für zwei Kinostunden.
Denn viele Plätze waren leer –
flexibel sein fällt Manchem schwer.
Und die Moral von der Geschicht´:
Setz Dich auf falsche Plätze nicht;
denn niemand darf – auch wenn´s nicht stört –
vergessen wo er hingehört.

GUTER STAATSBÜRGER

Was tät ich ohne Vorschrift bloß?
Ich wäre orientierungslos!
Und wenn die Vorschrift fehlen sollte,
dann täte jeder was er wollte.
Chaoten würden ihn nur schätzen:
den Spielraum – frei von Rechtsgesetzen.
Die Vorschrift muss es einfach geben,
denn Ordnung ist das ganze Leben.
Und wenn in mir ein Zweifel wächst,
studier´ ich schnell den Vorschriftstext.
Ich weiß als deutscher Demokrat,
wie man sich zu benehmen hat.
Weil ich ein guter Mensch sein will,
ist jede Vorschrift mir Befehl;
und kommen neue in Gebrauch,
dann ändre ich mich einfach auch.

MORGENS IM KURHOTEL

Ich sitze gemütlich mit Isabell
am Morgen beim Frühstück im Kurhotel -
umgeben von Alten mit weißen Haaren.
Jeder duzt Jeden - man kennt sich seit Jahren.
„Guten Morgen! Guten Morgen!
Außer Wetter keine Sorgen?“
Hier ein Hallöchen und dort ein Hallo,
und immer sind alle ganz furchtbar froh.
Während man am Brötchen kaut:
„Guten Morgen!“ dröhnt es laut.
Man ist ja höflich, grüßt zurück,
gegessen hab ich noch kein Stück,
denn ständig kommen Neue rein
und müssen „Guten Morgen!“ schrei´n.
So muss ich immer unterbrechen
den Wunsch nach Essen oder Sprechen.
Und jedem lauten Morgengruß
folgt die Antwort auf dem Fuß.
Kaum will ich Isabell erzählen,
welch Träume mich so nächtens quälen,
wird mir ein Morgengruß entboten
von einem Hund mit seinen Pfoten.
Er bellt mich an, macht freundlich „wau“ -
ich denk genervt: „Du fette Sau!
Lass mich doch bloß in Ruhe essen,
geh du am Tisch von Frauchen fressen.“
Ich glaub, jetzt hab ich endlich Ruh,
setzt sich ´ne Frau mit Kind dazu.
Die Oma will uns unterhalten,
das Kind spielt Eierschalenspalten.
Ich führ die Tasse grad zum Mund,
da steht schon wieder dieser Hund
vor mir und greift nach meiner Wurst.
Verdammt, ich habe Kaffeedurst!
Kaum habe ich mein Ei gepellt,
der Nächste „Guten Morgen!“ bellt.
Ich würg den Bissen schnell hinunter
und wünsch dasselbe - künstlich munter.
Es schlägt mir mächtig auf ´s Gedärme
dies morgendliche Grußgelärme.
Ich träume grad: Wie wäre es nett -
ein Frühstück still zu zweit im Bett.
Vielleicht fahr ich mit Isabell
im Alter mal ins Kurhotel
und werde morgens lauthals grüßen
und die Erwiderungen genießen.

KUNSTGESCHÄFT

Als Kunst wird oft ein Werk beachtet,
was der Experte so betrachtet.
Der Fachmensch ehrfurchtsvoll erklärt,
warum er diese Kunst verehrt
und was den Meister inspiriert.
Der Laie fühlt sich irritiert
und fragt sich nur (des Zweifels voll),
was daran denn wohl Kunst sein soll.
Anstatt sich offen zu bekennen,
und alles nur „Beschiss“ zu nennen,
spielt er den kompetenten Kenner;
das Werk wird immer mehr zum Renner.
Was offiziell mit Lob bedacht
ist Kunst, egal was einer macht.
Sich selbst erfüllende Prophezeiung
führt oft sogar zur Preisverleihung.
Was vorher ihm nicht ganz geheuer,
wird jetzt dem Menschen lieb und teuer.
Um große Kunst reißt sich die Welt –
der Künstler lacht und zählt sein Geld.

WAHRHEIT UND „DICHTUNG“

Ein mieses Arschloch ist gestorben,
er war charakterlich verdorben.
Aus Pietät ist es geboten,
am Grab zu ehren jeden Toten.
Auch wenn kein Mensch vergießt ´ne Träne:
De mortuis nihil nisi bene.

Zum Beispiel hat er nur gebrüllt.
„Er war von Temperament erfüllt.“
Von Menschen hielt er sich entfernt.
„Allein zu sein hat er gelernt.“
Er fragte niemals „na wie geht´s?“
„So unaufdringlich war er stets.“
Gefühlskalt war er, überheblich.
„Und Schwäche suchte man vergeblich.“
Sein Ziel: Erfolg um jeden Preis.
„Ein Vorbild war er stets für Fleiß.“
Er schürte konsequent den Hass.
Auf diesen Menschen war Verlass.“
Befehl – Gehorsam: das war klar.
„Man wusste stets, woran man war.“
Er raffte Kohle gern und viel.
„Verschwendungssucht war nicht sein Stil.“
Als Vater war er nur ein Schinder.
„Er liebte wohlgeratene Kinder.“
„Die Fremden raus“ war sein Gebot.
„Er war ein guter Patriot.“

So wird die Wahrheit übersetzt,
damit sie niemanden verletzt;
warum sie auch beim Namen nennen,
wenn alle die Codierung kennen?
Die Dichtung ist in diesem Spiel
die Wahrheit – nur mit Taktgefühl.

LOB DER LÜGE

Das menschliche Sozialgefüge
hält nur zusammen durch die Lüge,
mit der wir besser uns vertragen –
als „Bindemittel“ sozusagen.
Wer Menschen respektiert und schätzt,
sie mit der Wahrheit nicht verletzt.
Die Lüge schützt vor manchem Leid
und letztlich auch vor Einsamkeit.
Doch sollte man sich nicht begnügen,
nur andre Menschen zu belügen.
Zu allergrößtem Glück sich fügt,
wenn Mensch sich auch noch selbst belügt.
Mit Andern und sich selbst in Frieden
ist guten Lügnern nur beschieden.

DRESSUR

Nur Schwache finden es zum Lachen,
wenn Zirkustiere Männchen machen.
Es ist doch einfach nur zum Kotzen,
wenn die Dompteure damit protzen,
wie sie die Tiere niederringen
und sie zu Albernheiten zwingen.
Dompteure müssten sich doch schämen,
wenn sie dem Tier die Würde nehmen,
nachdem sie ihm die Freiheit raubten.
Und wenn sie dann auch noch behaupten,
sie hielten Tiere artgerecht,
dann wird mir erst so richtig schlecht.
Wenn Publikum sich dran ergötzt,
wie die Dressur das Tier verletzt
und lüstern diese Show begafft,
dann ist das klar Komplizenschaft:
Dompteure sind nur Stellvertreter
für alle zahlenden Übeltäter,
die an des Menschen Grundrecht glauben,
dem Tier sein Freiheitsrecht zu rauben;
als Kinder Opfer von Dressur
rächt Mensch sich an der Kreatur.

HELDENVEREHRUNG

„Titan“ wird er genannt, als Held
wird er gefeiert von der Welt.
Gott – Ähnlichkeit wird ihm verliehen,
und Schwäche wird ihm nicht verziehen.
Dass er als Denkmal niemals schwankt,
ist, was das Volk von ihm verlangt.
Und wenn an Stärke er verliert,
dann wird er grausam demontiert.
Ein schwaches Volk erträgt es nicht,
wenn sein „Titan“ zusammenbricht.
Enttäuschung kehrt sich um in Wut,
und Rache tut den Schwachen gut:
Sie strafen hart mit Spott und Hohn
Zerstörer ihrer Illusion.
So zahlt der fremdernannte Held
für Ehre die er nicht bestellt.

HELDENSCHICKSAL

Er ist ein großer Außenseiter
und siegt sich rundenweise weiter.
Die Favoriten sagen sich:
Das ist nicht wahr, das gibt ´s doch nicht!
Er kämpft mit Herz und Leidenschaft,
der Spaß gibt ihm immense Kraft.
Und all die großen Superstars
bemerken resigniert: das war ´s.
Verbissen und erfolgsverwöhnt,
wird jetzt der Crack vom Volk verhöhnt.
Es wird, wenn dieser mal verliert,
ein neuer Held inthronisiert.
Vertrau des Volkes Beifall nicht:
Es ist auf Sieger nur erpicht.
Zur Schadenfreude Menschen neigen,
wenn Kleine es den Großen zeigen.
Und ist der Kleine einmal groß,
dann geht das Spiel von vorne los.

ZWEI SEITEN EINER MEDAILLE

Von Führern lassen sich nur lenken
die Schwachen, die nicht selber denken.
Ihr Hirn ist völlig abgeschlafft,
benötigt geistige Führerschaft.
Erschreckend ist – fast wie Manie –
die Papstanbetungseuphorie.
Doch harmlos sind die so Verklärten
im Gegensatz zu den Gefährten,
die sich dem Terror unterwerfen
und heimlich ihre Waffen schärfen.
Es sind natürlich diese beiden
moralisch gut zu unterscheiden,
doch psychisch sind es nur zwei Seiten
der Sehnsucht nach den Obrigkeiten,
die ihrem fremdbestimmten Leben
Erfüllung, Halt und Selbstwert geben.

TRAUMHOCHZEIT

Die Prinzenhochzeit – ach wie schön:
in voller Länge live zu seh´n.
Es rührt den braven Untertan
der Jubel – Trubel – Hochzeitswahn.
Die Hausfrau selig träumt, sie hätte
den schönen Prinzen selbst im Bette.
Und schluchzend sie der Wunsch befällt,
sie lebe auch in heiler Welt.
Mit Frust und Sehnsucht wird bezahlt
das Bild – mit blauem Blut gemalt.
Es zeigt, dass ohne Fehl und Tadel
nur Menschen sind von hohem Adel.
Und dafür werden sie geliebt –
wie schön, dass es noch so was gibt.
Der Mensch aus Illusionen spinnt
den Stoff, aus dem die Träume sind.
Wie schnöde ist ein Schloss aus Stein –
das Luftschloss nur kann ewig sein.

TRAUMURLAUB

Der Arbeitsalltag ist so schrecklich,
die Frustrationen sind unsäglich:
Kollegenärger, Dauerstress,
Routine und Bürotristesse;
die Quälerei macht uns kaputt.
Doch was bringt wieder Lebensmut?
Der Traum vom Urlaub lässt ertragen
die Häufung von beschissenen Tagen.
Das größte Glück will man erleben
und nur im siebten Himmel schweben.
Der Mensch verspricht sich pure Lust
als Ausgleich für den Arbeitsfrust.
Der Spaß beginnt im Riesenstau:
Die Kinder schrei´ n, es schimpft die Frau;
der Alte flucht „Idiotentreffen!“ –
da fängt das Hündchen an zu kläffen.
Am Ziel nur Unersprießlichkeiten
und tausend Gründe sich zu streiten.
Es hält selbst Braten-in-der-Sonne
nicht das Versprechen höchster Wonne;
man liegt, weil alle sind erschienen,
wie in der Büchse die Sardinen.
Der Abend muss entschädigen,
der Suff wird das erledigen.
Weil sexuell dann nichts mehr klappt,
wird nur noch durch ´s Programm gezappt.
Im Urlaub ist es fast wie immer,
nur ohne Arbeit deutlich schlimmer.
Zuhaus gefragt: „Wie war die Zeit?“ -
da schwärmt der Mensch von „Herrlichkeit“.

BUMERANG

Ein Mensch schreibt dem Kollegen gerne
die Ansichtskarte aus der Ferne.
„Das Essen gut, das Wetter toll –
der Urlaub ist ganz wundervoll!“
Es schwärmt der Mensch in höchsten Tönen,
das Leben würde ihn verwöhnen
und malt sich aus mit Schadenfreude,
wie ihn der Adressat beneide.
Zurückgekehrt ins Alltagsleben,
erhält er Post von Jenem eben,
er liege faul in der Sonne,
genieße voll die Urlaubswonne
und wünsche Freude beim Malochen –
er komme wieder in vier Wochen.
Uns Menschen die Erfahrung lehrt:
Was kommt, das kommt auch umgekehrt.

WER DEN SCHADEN HAT...

Ein Polizist hat was verbrochen,
wird „schuldig“ vom Gericht gesprochen.
Einst mussten viele vor ihm zittern,
jetzt sitzt er selber hinter Gittern.
Die Knackis, die ihn lange kennen,
ihn spöttisch „Sitting Bull“ nun nennen.

„TAKE IT EASY“

Die Ampeln zeigen immer Rot,
verkehrt rum fällt das Butterbrot.
Das Schlüsselbund ist immer weg,
nur frisches Zeug bekommt ´nen Fleck.
Den letzten Nagel schlägt man krumm,
nur volle Gläser fallen um.
Und wenn man grad ein Bierchen mag,
dann hat die Kneipe Ruhetag.
Der Mensch sich auch die Haare rauft,
wenn – was er braucht – ist ausverkauft.
Was wichtig, man vergeblich sucht,
der Parkplatz ist stets ausgebucht.
Den Schirm vergisst man, wenn es regnet,
und wen Du hasst Dir stets begegnet.
Des Schicksals Fratze höhnisch lacht,
wenn Pech den Menschen sauer macht.
Als Opfer nimmt er dann gewöhnlich
die Widrigkeiten sehr persönlich.
Der Mensch im Alltag gern vergisst –
wenn alles wieder Scheiße ist –
wie gern er diesen Ärger hätte,
wenn ´s noch viel schlimmer kommen täte.
Ein wahrer Lebenskünstler ist,
wer deshalb selbst den Frust genießt.

SCHLÜSSELERLEBNIS

Die Frau erbleicht und schreit „Oh Schreck!
Der Schlüssel ist mal wieder weg.“
Sie wühlt sich durch bis ganz nach unten,
doch wird das Mistding nicht gefunden
in ihrem Taschenlabyrinth;
und auch die Seitentaschen sind
von tausend Dingen kugelrund,
doch leider nicht vom Schlüsselbund.
Die Tasche auf den Kopf gestellt,
nun alles auf den Boden fällt.
Dem Mund entweicht ein lauter Schrei –
es ist der Schlüssel nicht dabei.
So langsam wird die Frau verrückt,
weil jetzt auch noch die Blase drückt.
„Verdammt nochmal und zugenäht –
ich muss ins Haus, sonst ist´s zu spät!“
„Oh Scheiße!“ flucht sie, „Mist und Dreck,
leck mich am Arsch, das Ding ist weg!“
So derbe nicht mal Männer fluchen
wie Frauen, die den Schlüssel suchen.
Da greift sie in die Jacke und
hält in der Hand das Schlüsselbund.

MEISTENS KOMMT ES ANDERS...

Ein Mensch des Nachts die Stunden zählt,
sich morgens aus dem Bette quält
und müde noch zur Arbeit geht,
sich fragend, wie er ´s übersteht.
Doch irgendwie geht alles glatt,
und abends ist er völlig platt.
Es folgt die Couch, das Bier, TeVau,
und nach zwei Stunden ist er blau.
Der Mensch nach gut durchschlafener Nacht
am nächsten Morgen frisch erwacht.
Er freut sich auf des Tages Pflichten,
will kraftvoll seinen Job verrichten.
Doch wie es manchmal ist im Leben,
geht heute alles voll daneben.
Am Abend ist er dann geschafft –
am Ende seiner Schaffenskraft.
Es folgt die Couch, das Bier, TeVau,
und nach zwei Stunden ist er blau.

STEIN DES ANSTOSSES

Es rutscht ein kleiner spitzer Stein
in die Sandalenöffnung rein.
Dort sitzt er fest – oh Schreck und Graus –
und findet einfach nicht mehr raus.
Da kannst du noch so kräftig rütteln,
den Schuh in jede Richtung schütteln:
Erst hat der Stein den Zeh gestochen,
sich an der Hacke dann verkrochen;
dann steckt er plötzlich unterm Ballen
und weigert sich herauszufallen.
Der spitze Stein zum x-ten Male
verlagert sich in der Sandale.
Trotz viel Gezappel keine Chance,
es bringt dich nur aus der Balance.
Und wieder einmal musst du lernen:
Der Stein ist so nicht zu entfernen;
für diesen gilt: Sandalen sind
ein ausgangsloses Labyrinth.
Und wütend ziehst den Schuh du aus,
da fällt der Übeltäter raus.
Vorbei ist endlich diese Qual –
du bist befreit! Doch auf einmal
rutscht dir ein kleiner spitzer Stein
in die Sandalenöffnung rein…

FÜR BOULE-BEGEISTERTE

Ein Mensch - nach Boulen furchtbar süchtig -
wirft nur perfekt und genial;
auch taktisch macht er alles richtig,
doch nur der Boden ist fatal.
Der Wurf, die Richtung - alles stimmt;
dann sieht mit Wut er und mit Graus,
welch Richtung seine Kugel nimmt:
Genie allein reicht halt nicht aus.

FÜR SKAT - BEGEISTERTE

Ein Mann spielt leidenschaftlich Skat,
er träumt von einem Superblatt:
Ein Grand mit Vieren wäre schön,
dazu vier Asse und zwei Zehn´.
Und plötzlich hat er ´s auf der Hand,
er ist ganz außer Rand und Band.
Nach langem Frust nun plötzlich munter,
spielt er die „Oma“ selig runter.
Am Schluss merkt er - und wird verrückt -
nur eine Karte war gedrückt.

LIEBER NICHT ABNEHMEN

Ein Mensch – die Füße hochgelegt –
die Feierabendruhe pflegt.
Die Augen fallen zu und schon
schrillt in sein Ohr das Telefon.
Die Neugier siegt und er steht auf:
Da nimmt das Unglück seinen Lauf.
„Es tut mir Leid, wenn ich gestört;“
doch unser Mensch – wie ´s sich gehört –
versichert höflich und beflissen:
„Es ist ok“ und denkt: beschissen,
ich hab nicht die geringste Lust
aufs Quatschen über Lebensfrust.
„Wo ist denn nur die Zeit geblieben?
Bist du gesund, wie geht ´s den Lieben?“
Im Stillen fragt der Mensch sich bloß:
Wie werde ich den Andern los?
Wenn interessiert ich weiter tue,
dann ist nichts mehr mit Abendruhe.
Der Mensch sagt nichts und ist ganz still.
Der anrief heult ihm den Müll
der letzten Jahre in die Ohren –
dazu hat er ihn auserkoren.
Nun denkt der Mensch: Ich Vollidiot,
dass ich ihm Einhalt nicht gebot;
komm´ selbst verschuldet nicht ins Bett,
weil ich aus Feigheit viel zu nett.

RELAXING SOUL

The gras is green.
The air is clean.
The sky is blue.
The cow makes muh.
The bird makes piep
and möhöhöhö the sheep.
The cat makes schnuff.
The dog makes wuff.
The tree makes rausch:
It´s much to lausch.
The bee makes summ,
and I am stumm.

WETTERVORHERSAGE

Der Wetterfrosch hat immer Recht:
Er sagt zum Beispiel: „örtlich schlecht“,
dann nehme ich verdrossen hin,
dass „örtlich“ dort ist wo ich bin.
Sagt er, dass örtlich Sonne scheint,
hat er das anders wohl gemeint.
Ich fluche leise: „So ein Mist,
dass ich nicht bin wo ‚örtlich’ ist.“

RICHTUNGSENTSCHEIDUNG

Ich weiß nicht was ich bin,
ich weiß nur was ich will;
ich frage nicht nach Sinn,
mich leitet mein Gefühl.

Wie Andere mich sehen,
ist mir zwar durchaus wichtig,
den eigenen Weg zu gehen,
ist aber immer richtig.

Und führt er in die Irre,
dann gehe ich nach Haus
und such´ im Weg - Gewirre
mir einen neuen aus.

DIE FRAGE

Ein Mensch stellt seinem Gott die Frage,
ob ER, was glücklich macht, ihm sage.
„Ich werde keine Antwort geben.“
Nun sucht der Mensch sein ganzes Leben.
Am Ende sieht – zu spät – er ein:
Du sollst nicht suchen sondern sein.

DIE LÖSUNG

Auf Zukunft nur versessen
wird Gegenwart vergessen;
das Gestern nur im Blick
ist ein seniler Tic;
wer nur aufs Jetzt versteift,
das Leben nicht begreift.
Es liegt nach alter Sitte
die Wahrheit in der Mitte.

DIE ANTWORT

Der Sinn des Lebens ist: zu leben
und seinem Leben Sinn zu geben.

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